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Der Israelit · 1886-03-29 · Heft 25 (29.3.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 25 (29.3.1886)
Date
1886-03-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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, Sowie aber heute leider so viele unserer großartigen, tiefe» und wahren Gesetze vonunserm Bolle verkannt und deßhalb gering geschätzt und weggeschlcuverr werden, wie man wcrthloscs Gerümpel wegschlcudert; so gehr es auch mir diesem, wie wir gezeigt haben, eminent wichtigen gleichsam unsere Geistesrichtung bestimmenden Gesetze der Ernährung. - Ob es'ein Fortschrirrist von 'Enthaltsam-' fett zum unbeschränktem Genupe überzugchen, das wird nicht einmal die Wissenschaft zu behaupten wagen. Und wenn die Wissenschaft, wenn kein Arzt es gut heißen kann, wie mag mau sich heute seines Fortschrittes dabei rühmen, da man ja nur noch auf die Wissenschaft zu schwören sich gewöhnt hat! Freilich, es ist den modernen Juden nicht so recht Ernst mit dieser Wissenschaft. Und wenn so Biele Alles essen, was ihnen schmeckt, so zieht man nicht gerade in erster Linie die Vernunft zu Rathe, sondern die G e n u ß s n ch t. Und diese ifr wahrlich noch nie ein Factor gewesen, der enien wahren Fortschritt erzielt hat. Beherzigen wir das Gotteswort .onxe.V“«» n:ns rDycn Ji '2 „Ich, der Ewige, der Euch dieses Speisegesetz gegeben, bringe Euch dadurch herauf, bringe Euch vorwärts, lasse Euch fortschreiten von dem Lande Egypten, dein Lande des Genusses und der Fleischtöpfe. Ein wahrer Fortschritt besieht nicht im Genusse, sondern in der Enthaltsaemikt, in der weisen Beschränkung des Genusses. Amerikanische Briefe. New-Dort, 11. März. Diese Woche fand die constituireude Versammlung des neuen „jüdischen theologischen Seminars" statt und die Gründer mögen wohl mit dem Verlaus derselben zufrieden sei»-. Von verschiedenen Städten des Landes hatten sich ebenso wie von hier eine Anzahl Tclegalen eingeftmdcn und dieselben lvarcn mit der Gründung einverstanden, wenngleich eine Anzahl wirtlich orthodoxer Thcilnrlnner iticf)! so sanguinisch in ihre,« Erwartungen sind. So äntscrlc sich ,nir gegenüber ein Theilnehmer der Versarnmiung, daß er mit einer heiligen Scheu an die Sache hcraugetreten sei, daß er aber durch sein Fernbieibrtt nicht den Vorwurf hören wolle, daß die Cill)otuUTii nicht einmal den Versnch.machen können in diesen! Lande etwas Positives zu leisten. Nun, der Versnch in genlachl und die Enlwickelnng n»ird zeigen, ob die Arbeit der Herren Dr. Kohnt, Morais, Mendes und Eonsorten der Unterstützung von orthodoxer Seite würdig ist. Wenn - auch die Ansicht des Schreibers Dieses nicht dahin geht, daß das neu zu gründende Seminar dm Erwartungen des orthodoxen Theiles des Judenthums cntsvrÄt (aus Gründen, die ich heute hier Lieber nicht erörtern möchte) so ist doch jetzt nicht die Zeit, der Institution entgegen zu treten. „Zeit bringt Rosen," sagt ein Sprichwort und vielleicht bringt die Zeit auch für diese Saat duftende Dlüthen zur Welt und Diejenigen, welche heute meiner Ansicht zustimmen, wer? den sicher die Ersten sein» die allenfalls gerne ihren Jrrthum -eiusehen und mit Freuden und Eifer, an dem Gedeihen des Instituts Mitarbeiten. An der Versammlung betheiligten sich Vertreter von ungefähr 50 polnischen, deutschen und portugiesischen Gemeinden und die Anwesenden waren einstimmig für die Errichtung des Seminars. Ein nichtiger Punkt für eine derartige Organisation ist die Art und Weise der Mitgliedschaft und hierin hat die Versammlung dasRichtige getrosten, indem nach Beschluß nur die Delegaten der Congregatiouen (Gemeinden) zur Stimmabgabe berechtigt sein sollen. Ans diese Weise wird cs nicht leicht möglich sein, einzelnen Personen ihren Einfluß, den Privatnntglieder so oft bei derartigen Institutionen ausüben, zur Geltung zn bringen. Wir müssen nun die weiteren Schritte des gcschäftsleitenden Comitüs abwarten, und werde ich die Leser von der Thätigkcit stets nute,-richten und zur rechten Zeit auch nach allen Seiten hi» aufs Ausführlichste Bericht erstatten. Die Bemerkungen über die Person des Rabbiners Dr. Köhler in diesen Blättern haben genannte» Herrn zu einer Erklärung in seinem Organ veranlaßt, worin er Herrn Rabbiner Dr. Sänger der Unwahrheit zeiht. Dr. Köhler behauptet, daß die Bemerkung „die bayer. Regierung habe ihn als Atheisten nicht zur Rabbinatsprüfung zngclassen" eine Unwahrheit sei und. daß er . dieselbe nur zur „Ehre seines Hcinkathlandes" zurückweise. Es ist doch schwer miznnehrrren, daß Dr. Sänger seine Mtlhcilungctt aus der Luft gegriffen hat. Sekt einigen Wochen ist die Zahl der hiesigen Zeitungen um eine vermehrt worden. Der-Herausgeber der „jüdischen Gazetten" läßt nämlich täglich ein ln hebräischen Lettern gedrucktes Blatt, das den Namen „jüdisches Tagblatt" führt, erscheinen und der Absatz, den das Blatt findet, zeigt, daß rin derartiges Organ am Platze ist. Dasselbe erscheint in jüdisch - englisch'dentschem Jargon und ist wohl das einzige täglich erscheinende Malt dieser Art in der ganzen Welt.

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