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Der Israelit · 1886-03-29 · Heft 25 (29.3.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 25 (29.3.1886)
Date
1886-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV1L Jahrgang. Leitende Artikel. KZttliHes Hesetz. Don I>r. H. Sänger- (Schluß.) Und Wie nun, wenn unserem ganzen Speisegesetze die Rücksicht aus unsere geistige Fähigkeit, auf unser geistiges Wohlbefinden zu Grunde liegt? Ist es denn ein so unvernünftiges Gesetz, wenn es die Ernährung des Menschen geregelt und bestimmt wissen will, durch seine geistige Thätigkett und geistige Aufgabe? Diesen die Nahrung anpaßt und unterordnet und so ihr gleichsam den thierischen sinnlichen Charakter benimmt, sie adelt und weiht? Ist diese Auffassung nicht edler, schöner und des Menschen würdiger, als wenn Gewohnheit, Sitte, Laune, Geschmack, also der sinnlichste Trieb ihn antreibt, sich seine Nahrung zu verschaffen? — Im Munde Aller ist das Sprichwort: Man lebt nicht um zu essen, man' ißt um zu leben. Wie Viele aber gibt es, die trotz der Wahrheit dieses Wortes nicht danach handeln? Wie Wenige sind es, die der Nahrung einen ettvas idealeren, höheren Zweck als bloß den Hunger zu stillen oder unsere Genußsucht zu befriedigen, zuerkennen! Ein feiner Beobachter der Menschen erklärte einst, daß man die Menschen nach ihrem Essen beurtheilen könne. Wenn nun auch dem heutigen Menschengeschlechte ebenso wie den früheren die Wahrheit und Erkenntniß von dem höheren Zwecke der menschlichen Nahrung auch fast ganz abgeht; oder, wenn die Menschen in ihrer Gesammthelt keine Grenzen nnd Schranken im Genüsse anerkennen wollen: so ist doch nach jüdischer Auffassung ans Grund unseres göttlichen Gesetzes diese Wahrheit nnd diese Erkenntniß eine klar anerkannte und — was weit schwerwiegender ist — auch eine seit Jcihrtmrfettdcn ansgeübte. Es wird gewiß znm Gradmesser des jüdischen Geisteslebens nnd der jüdischen Wahrheit nicht wenig beitragen, wenn man diese seltene Erscheinung erwägt, daß eine ganze Nation seit Jahrtausenden, oft nnter sehr schwierigen Verhältnissen nach dieser Richtung hin sich zu beherrschen nnd zu zügeln verstanden, daß sie nämlich in ihrer Ernährnng nach rugdrschrünlenden Geboten firii richtete. Es ist wahrlich »licht leicht I und gibt uns keinen geringen Begriff von Geisteskraft, j weun die einzelnen Gliederemes Volkes seitJahrtausenden ohne Unterschied mit derselben Strenge sich einem Gesetze der Enthaltsamkeit unterwarfen, das bei allen übrigen Nationen für unmöglich gehalten wird, das keine andere Nation so leicht fettig brächte. Der Grund liegt darin, daß wir Juden die Nahrung nicht bloß unserer körperlichen Gesundheit wegen zu uns nehmen, nicht bloß um unsere Genußsucht zu befriedigen; sondern sie als mit unserer geistigen Aufgabe zusammenfallend und nothwendig dazu gehörend bettachten gelernt haben durch die Wotte unseres Helligen Gesetzes. , Durch die Enthaltsamkell werden wir... nicht, schwächer, als Andere, entbehren wir nicht des wahren Genusses, wie das so leichthin heute von Vielen behauptet wird; im Gegenthell, wir gewinnen, und das zwar nach der Richtung, wo cm jeder Ge-- winn auch ein wahrhafter, bleibender Gewinn sst; wir stehen dann unserem Gotte näher, weil wir in Seinem Geiste leben und selbst die menschlichste, aber auch vein thierische Function weihen und heiligen. Wie sehr unser Essen im Dienst unserer höheren Aufgabe steht und ihr geweiht wird, das lehrt uns die Vorschrift, bei jedem Genüsse Gott dafür zu danken und so bei jedem Genüsse an das höchste, geistige Wesen zu denken. nrrf? D'Uto vind d:pn n?yon 'van- .'28 trnp '2 D’irnp on"m d'p?n7 Merkwürdigerweise wird hierbei an den Auszug aus Egypten angeknüpft und zwar nickt mit dem Ausdruck, der sonst so häufig in der heiligen Schrift gebraucht wird. Gewöhnlich heißt eS: O7N8 «Livr, „der Euch herausgeführt hat; .hier aber au dieser Stelle orn« rOvon „der Euch her auf ge bracht hat. Durch den Auszug aus Egnpten ist nnftr Volk mn eine hohe Stuft wettergebracht rvordeu: vom dienstbaren Sklaven zum Gottcsvolke, von tiefster Lnechtschast zur höchsten geistigen Freiheit. Üitb an das Spciftgefttz wird dieser Schritt zur höchsten Stuft angeknüpft, mit ihm in Verbindung gebracht, ihm also ein so weitgehender Einfluß auf das innere Wesen, ans die innere Wandlung des jüdischen Volkes zugeschrieben.

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