Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 25 (29.3.1886)
- Date
- 1886-03-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Zcitrrrr§srrachrrchterr und Eorresponderrzerr. ^77 D e u L s ch l a n d. Berüs, 22. März. Wie die „Vmks-Ztg.„ meldet, macht eine Ausweisung augenblicklich großes Aussehen. Dem technischen Hochschüler R osenbaum aus Warschau, einem sehr fleißigen und beliebten jungen Manne, dem Sohne des belgischen Konsuls in Warschau, ist vor acht Tagen vom hiesigen Polizei-Präsidium der Ausrvcisuugtzbefehl Zugegangen. 'Der junge Mann, dem ansgegcben war, Berlin innerhalb 3 Tagen zu verlapen, ist denn auch bereits am Sonnabend von hier abgercist. Schon vor einiger Zeit erhielt der Ansgewiesene einen derartigen Befehl auf acht Tage lautend, es gelang ihm aber denselben rückgängig zu machen. Gegen die letzte Ausweisungs-Ordre ließ sich, trotzdem sich der Betroffene um Intervention an den hiesigen belgischen Gesandten wandte, „in so kurzer Zeit", wie sich der Diplomat äußerte, nichts machen. Die Ausweisung soll darauf zurnckzuführen fein, daß Rosenbanm Mitglied des polnischen Studentcnverems ist. E. L HaWbrrrg, 22. März. Zufolge testamentarischer Bestimmung des vor einiger Zeit hier verstorbenen Mich. Hirsch Jscnberg n"x, wurden dieser Lage durch die TestamcntscrccuLorcn Sr. Ehrwürdcn Herrn -Oberrabbiner A. Stcui '"2 und Herrn A. Wttlmund, sowohl christlichen als auch jüdischen Stiftungen, folgende Legat zur Auszahlung gebracht: M. 375 der Blindcn-Anftalt von 1830; M. 375 der Tanbstmmncn-Anftalt; M. l50 dem Thlerschntz-Vercin; M. 750 der Irren-Anstalt Fricderichsbcrg: M. 300 der BctheSda Diakonissen- Kranken-Heil-Anstalr; M. 150 dem Schillingsvercin zur Unterstützung armer Wittwen und betagter Jungfrauen; M. 4090 der Talmud - Thora - Schule; M. 2000 dem Deutsch Israel. Waisen-Institut; M. 150 dem Mekor-Ehajim-Bcrcin; M. 150 dem Verein zur Unterstützung bedürftiger Familien an Sabbat, und Festtagen; M. 150 dem israelitischen Unterstützungs-Verein von 1802; M. 2000 der Iechiel Waüichs-Klaus-Stistlttrg; M. 150 dem Acrciu zur Speisung reisender Annen am Sabbat; M. 150 dem jüdischen Lehrer-Seminar in Köln; M.150 derChaß-Ohebra; M. »000 dein Gevatter- Verein; M. 150 bei*» Verein Schanmrim Labokcr; M. 200 für einen Waisenknaben des dcntsch-israe!. Waisett'IttftitnLs: M. 150 dein tSracl. Feuernngs- Verein von 1855; M. lfH> dem Vereli, zur Vertheiimm von Uleidnngsstücken an arme ansässige Israeliten; M. 150 dem Verein der jungen israel. Armenfrennde zur Vertheilung von Brod und Suppe; M. 150 dem israel. Verein zur Unterstützung arnrer Greise gen. Mischeneth Sekenim; M. 150 der Alliance Jsraclite Universelle; M. 1350 der vereinigten. allen und neuen Klaus; M. 150 dem israelitischen WohlthLtigkeitsvercin von 1856; M. 300 für die Synagoge des Vereins Atherech Bachurim; M.150 dem Israel. Frauen-Berein fürKrankcnpflege; M.150 dem Israel. Kränkenderem für den einjährig. Freiwilligendienft. ' ' . Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die Antisemiten, Herr v. Schönerer an der Spitze, haben sich feit Kurzem ein neues Angriffsobjekt heransgesucht, und zwar den deutschen Schulvercin. Das segensreiche Walten dieser Institution bedarf keiner besonderen Anpreisung. Die Bildung dieses Vereines erwies sich als eine überaus glückliche Idee und fein Bestand ist nicht nur von politischer, sondern fast noch mehr von kultureller und auch humanitärer Bedeutung. Nach vielen Tausenden zählen die Kinder deutscher Eltern, welche in den vom deutschen Schulvercin errichteten und subventionirten Anstalten der Wohlkhat deutschen Unterrichts theilhastig werden.. Die Antisemiten suchen nun die Auflösung des deutschen Schulvcreins hcrbcizusühren. Sie haben hier- und anderwärts Ortsgruppen — darunter auch Fraucu- und Mädcheugruppc» — gegründet, deren Satzungen ans dem Programm des „unverfälschten Germancnthmns" beruhen und die Nichtaufnahme von Mitbürgern und Mitbürgerinnen israelitischer Konfession ausfprcchtn. Die Centralleitung des deutschen Schulvercins glaubte anfänglich, durch gütliches Zureden der Fraktion Schönerer von der Geltendmachung ihrer antisemitischen Tendenzen innerhalb dieser zum Wohlc aller Deutschen m Oesterreich gebildeten Vereinigung abbringen zu können. Sie mußte sich aber bald überzeugen, daß dem Plane der Antisemiten mehr als eine bloße Liebhaberei zn Grunde liegt, daß diese nichts geringeres als die Sprengung des deutschen Schulvercins im Schilde führen. Nun wurde Ernst gemacht und die Eerrtrailcitnrig erklärte die antisemitischen Orts» gruppen einfach für aufgelöst, zeigte dies der Behörde an nnd damit wäre der Thätigkeit dieser Auswüchse ein Ziel gesetzt. Die Antisemiten denken aber noch lange nicht daran, sich für besiegt .zu halten und das Feld zu räumen.. Sie haben nunrnehr eine rnaßlofc Agitation gegen die Ocntralleitnng des deutschen Schulvercins eingeleiiet, indein sie einer Acihe von Ortsgruppen gegen dieselbe LllißtratttttSsttttdgebtlttgett zum Veschinsse erhoben.