Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 25 (29.3.1886)
- Date
- 1886-03-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Holz ausgestellt. Nach, und nach versauunelten sich die Gcmeindemitglieder, denen Kuchen und Wein dargebotcn wurde. Dann hielt Rüben die Deroschoh, die er. mit so schwerer Mühe erlernt hatte. Es ging ganz vortrefflich, und ohne zu stocken, sührte er das schwierige Thema zu Ende. Reicher Beifall belohnte ihn. Und nun, gleichsam zur Belohnung für die Deroschoh, holten die Gäste die Geschenke herbei, die sie dem jungen Paare zur Hochzeit verehrten, und hängten sie an dem Spinnholze auf, das bald die Last der silbernen, zinnernen und hölzernen Löffel, der zinnernen Teller, der Tücher und Bänder nicht mehr zu tragen vernwchte. Heute noch heißt in vielen Gegenden Deutschlands der Sabbat vor dem Hochzeitsfeste „Schabbos Spinnholz", und im jüdischen Schristthum wird dieser Name vielfach erwähnt. Da der Gebrauch, ein Spinnrad zu schenken und die Geschenke daran zu hängen, aus der Mode gekommen, so erschien der Name räthselhast und forderte gar manche abenteuerliche Deutung zu Tage. So meinte man, das Wort Spinnholz sei aus yby p» „der Sabbat, an welchem der Sohn jubelt" entstanden. Am folgenden Dienstag, Abends, wurde Siwlauncß gefeiert. An einer langen Tafel hatten die eingeladenen Gäste Platz genommen, an dem einen Ende die Männer, an dem andern die Frauen. Dann schickte der Bräutigam der Braut Siwlauneß, das heißt Geschenke, gewöhnlich in einem silbernen Gürtel und einem Gebetbuch bestehend. Die Braut schickte dafür einen silbernen Gürtel und einen Gebettnantcl. Am Hochzeitstage befand sich die ganze Judenschaft von Speyer in große Aufregung.' Alles drängte in die Synagoge, um den Bräutigam zu sehen, der ans dem Ehrenplätze neben der heiligen Lade, dem sogenannten „Ehoßenstaat" saß. Wohl war er in das Tallis gehüllt; aber die Tcphillin hatte er nicht angelegt; auch das „Schema" betete er nicht mit; denn von allem, was besondere Andacht erforderte, war er heute befreit, da man aunahm, daß er heute zu aufgeregt sein würde, um mit Andacht beten zu können. — Bald nach dem Schluffe des Gottesdienstes fand das Mahnsühren statt. Musikanten zogen durch die Gassen; ihnen folgten die „Unterführer", den Bräutigam in der Mitte und dann die übrigen Gäste. Sie zogen nach dem Synagogenhofe, wo der Bräutigam auf einen dort befindlichen Stein gefetzt wurde. Dann zogen die Musikanten fort, nur die Braut herbetzuholen, die von . den Unterführerinnen und den andern Frauen bis an den Stein geleitet wurde und neben dem Bräuttgam ihren Platz emnahm. Mit einem Tallis wurden Beide bedeckt, und dann riefen hundert Stimmen: sn« rs „seid fruchtbar und mehret euch und das Brautpaar wurde mtt Geldmünzen und Weizenkörnern überschüttet, ttm-12*/» Uhr fand die Trauung, ebenfalls im Synagogenhofe statt. Zwei kleine Fläschchen, sogenannte Gluckglaschen, waren mit Wein gefüllt, über deren eines der Rabbiner die üblichen Segnungen sprach. Dann steckte Rüben seiner Bella ein goldenes Rmgelein an den Zeigefinger der rechten Hand und sprach: Du seiest mir geheiligt durch diesen Ring nach dem Gesetze Moses und Israels. Der Rabbiner verlas die Ketubah, und Daniel ward die Ehre zu Therl, die sechs folgenden Segenssprüche zn sprechen, während Michael Tryfus den siebenten vortragen durste. Nun ergriff der Bräutigam das eine Fläschchen. Ueber der Synagogenpforte prangte ein steruartig behauenen Stein mit der hebräischen Inschrift: „Stimme der Wonne, Stimme der Freude, Stimme des Bräutigams, Stimme der Braut!" Nach diesem Stein schleuderte Rüben das Fläschchen. Klirrend fielen die Scherben zu Boden, und alle Anwesenden riefen mit lauter Stimme: „Masel tow, Masel tow!" (Fortsetzung folgt.) ,Der Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis drü Jahrgangs für Deutschland nnd Oesterreich l2 Reichs-Mark, fürs Ausland 16 Reichs Mark. Man abonnirt gam» jährig, halbjährig oder vieUkljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespattene Prrittrile oder bereu Raum. — Oestrrrcichischr Banknoten laut pönrs. — Direkte franco,njendung unter Stretsband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich t 4 Reichs Mark oder 8 fl. jur'S Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco kinzttsrndett. Inhalt <Hauptblatt)t reitende Artikel: Hagadah schrl Pksrach. — Uiue Hrppredigt neuester Art. — Zeitungsnachrichten und Uo'rrrspondknzrn: Drutschtand: Fiinh. Diez. Altona. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prsth. 2mal Brody. «lattau. — Frank uid>: Paris. — Rns.lnnd: Petersburg. Modtan. Bobruivk. - Marokko: Magador. — Fruillelonr Aechamab. — Inhalt der Beilage: reitende Artikel: <«ättlichev t^esrh. — Amerikanische Briese. - ' Zritttttgonachrichten »tltd Uorre spondrttjrn: Dentschland: Berlin., Hamburg. — Oejt.-Nngar. Monarchie: 'LUrn. — Brranlwortttche Rrdnrtionr l'khtnann ln Mainz. — tS>*|»»blllon ßtoftc Bleiche Ar. <b. Xtuif imb Betiag vor» Oscar t'fhmann In Mai»-. IHierzu eine Beilage.)