Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 25 (29.3.1886)
- Date
- 1886-03-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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443 M a r o c c v. MsZadoe. Senor Neuben Eünalch, Sohn des verstorbenen Oberrabbmers Elmalch, wurde an Stelle seines Vaters 511:1t crftcrcn (Sonfnlatjcüi in Magador ernannt. Mechamaß. ' ^- vu. \ .. Die Tage und Wochen eilten den Verlobten wie im Fluge dahin, und bald mußte Daniel sich zum Ausbruche rüsten, um an den Hof des Kaisers znrückzukchren. Daniel hatte seiner Braut und seinen Schwiegereltern viele kostbare Geschenke gemacht. Zum Abschiede überreichte er der weinenden Necharnah ein' goldenes Ningelein, eine Schlange, die -sich in den Schweis biß, darstellend. „Es ist nur ein unscheinbares Ringelein," sagte er, „aber mir ist es von hohem Werthe. Mein Vater, über ihm sei Friede, hat es einst meiner seligen Mutter geschenkt. Siche , wenn man an dieses Kilöpfchcn drückt, so springt ein goldnes Plättchen hervor, auf welchem der Name meiner Mutter eingegraben ist. Ich habe das Ringelein stets als ein kostbares Kleinod bewahrt. Nimm cs als ein Zeichen meiner unaussprechlichen Liebe." „„Es soll mir ein heiliges Andenken an diese Stunde sein,"" sagte Ncchamah, ihre Thräncn trocknend. . „Lebe wM. mein Sohn," sprach der Rabbi, „Gott geleite Dich und führe Dich zu guter Stunde zurück!" „Bleibe bei rrns, Daniel," rief die Muhme. „Geh nicht fort! Mir ist so angst und bange, wie au dem Tage, an. welchem die Unholde meinen Napihalt erschlagen haben." „Beruhige Dich, liebe Mutter," cutgegnetc der Angcredcte; „ich-vertraue aus Gott, der mich in Sicherheit lind Frieden zu Euch zurückgeieitcn wird.". Daniel schwang sich aufs Pferd und ritt eiligst davon, dem Stadthore zu, wo ihn sein Gefolge er-' wartete. Ohne Unfall gelangten die Retter nach Speyer. Daniel wollte seinem Versprechen gemäß seinen Diener Rüben dort abholen und dann eilig seine Reife fortsetzen; aber er konnte das Letztere nicht ausführen; denn Rubens Hochzett stand bevor, und da mußte er nothgedrungen zugegen sein. V Mit großen! Jubel wurde Daniel von Rüben bewillkommt. „Friede mit Euch, theurer Herr," rief er ihm entgegen. „Ich hatte ja nicht Hochzett machen können, wenn Ihr nicht gekommen wäret; denn erstlich, müßt Ihr an meinem Ehrentage zugegen sein, und zweitens soll ich am nächsten Schabbos, Schabbos-Spinr olz, eine Deroscho halten. Die müßt Ihr gleich nit mir lernen!"-— —•— Daniel la e. „Gibt es enn in Speyer Keinen, der Dich eine Deroscho tte lehren können?" „„Ja, al nicht so wie Ihr!"" Nachdem Daniel sich ein wenig rcstaurirt hatte, machte er sich sogleich an die Arbeit; denn cs war! schon Donnerstag und demnach die höchste Zeit. Er hatte in Worms mit seinem Oheim den Tractat Kiddnschin studiert und sich manche geistvolle Bemerkung ausgeschrieben. Aus diesen setzte er eine Abhandlung zusammen und ttug sie dem Bräutigam vor. v „„Das soll ich nachsagen?"" fragte Rüben erstaunt; „„das ist mir viel zu verwickelt und zu scharf — und heute ist schon Donnerstag!"" „Habe nnr Geduld," antwortete Daniel, „ich wiederhole und erkläre cs Dir so lange, bis Du es verstehst und cs nachsagen kannst." Der Sabbat war herangekommcn, und als dee Morgengottesdienst vollendet war, begann die erst- Feicrlichkeit in Bezug auf das bevorstehende Hochzeitsfest. Rüben hatte für seine Braut ein neues Spinnrad, damals Spimiholz genannt, gekauft. Das Spinnrad war in jenen Zetten das Symbol der Häuslichkeit. Alle Frauen und Mädchen, von der Kaiserin bis zu der Frau des armen Taglöhuers, Alle waren sie fleißig beim Spiikurad beschäftigt. Daher war es auch Sitte, daß der Bräutigam am Sabbat, bei Nichtjudeu am Souutag, vor der Hochzeit, der Braut ein neues Spimiholz schenkte. Da cs noch neu und ungebraucht war, so durste mau cs ja am Sabbat „metaltcl" sein. In der Mitte des größten Zimmers im Halste des Michel Trysns war das neue, buntbemalte Spinn-