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Der Israelit · 1886-03-29 · Heft 25 (29.3.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 25 (29.3.1886)
Date
1886-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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440 Wohlthat und ist . auch nur als drohendes Mittel angesehen, einem Vorstand die Lust zu einem rücksichtslosen Vorgehen zu benehmen, eine Wohlthat und in jedem Falle eine Bürgschaft für den Frieden. Bei allem N cspcct vor Herrn Emi! Lehmann's juridischen Wigen und seiner sonstigen wissenschaftlichen Bildung erlauben wir uns, den verstorbenen Herrn Laster für mindestens ihm gleichwenhig zu halten, und wenn der nichtorthodoxe Herr Laster dieses Gesetz im Landtage vorgcbrachr und durchgcsctzr hat, so wird man dies wohl nicht seiner Lust, den Gemeindefrieden zu stören znschreibeu wollen, während man nicht sehlgehen wird, den Grund für sein Vorgehen in seiner wahrhaft freiheitlichen Gesinnung und seinem Sinne für Gerechtigkeit zu suchen, Vorzüge die manchen Herren der jüdischen Reform ganz und gar abgehcn. „Und diese Ncuorthodoxie Hai jetzt wieder," fährt Herr Emil Lehmann fort, „den trennungsluftigcn Gedanken ausgeklügelt, alle strenggläubigen Inden in Deutschland zu einer Vereinigung znsammcnzufassen, gerichtet natürlich gegen die freisinnigen Juden." - Natürlich, gegen die freisinnigen Juden, ohne Zweifel! Was denkt sich der Vers, dabei oder was will er das lesende Publikum glauben machen? Müßte ein Leser, der die Bestrebungen der anzubahncnden Vereinigung nicht kennt, nicht glauben, daß die orthodoxen Inden so eine Art antisemitischer (Koalition stiften wollten, mit dem Programm: Kaust nichts bei den freisinnigen Juden, wählt sic nicht in's Parlament, schmeißt sie ans den Kaffeehäusern hinaus, hetzt den Pöbel -gegen sie auf, dennncirt sie bei der Regierung als schädliche Subjekte u. s. w. u. s. w.! Wir wollen zu Ehren des Herrn Emil Lehmann annehmcn, daß er von dem ganzen Vorhaben nur gehört, nicht aber den betreffenden Ausruf gelesen hat, und daß dann bei der Nachricht von einer möglichen Vereinigung der Inden strenggläubiger Richtung in Deutschland ihm das Gewissen geklopft hat, ob nun nicht vielleicht die wieder erstarkte Orthodoxie den Prologen mit gleicher Münze, wie sie ehemals vvlt diesen'behandelt, hmnzahlcn werde? .Herr Emil Lehmann fnuii ruhig friit; wer das dem Vlitfutf bcigegebcne Begleitschreiben gelesen, weist, daß cs sieh um feilte» Angriff, sondern um einen Aet der Selbsthilfe bandelt. Es mlib doch wohl Niemand, wer nicht absolut Lutz an Veldächtignngen hat, den Orthodoxen einen Voinmrk daraus machen loolle», daß sie in der Verrinignngaller ihrer Kräfte das richtige Mittel sein», es den Gesjimimgsgc- »offen zu ermögliche», ihrem Principe treu zu leben, indem die Gesammthcit eher im Stande ist, hierfür besser die nörhigen Mittel und Opfer auszuwenden, als es dem Einzelnen möglich ist. Daß der Kern dieser Bestrebungen ein berechtigter ist, müssen auch die Gegner, denen Gewissensfreiheit kein leerer Schall ist, anerkennen, und daß eine solche Vereinigung zu Stande kommen wird, ist wohl nicht zu bezweifeln, wenn wohl auch nicht in dem wetten Rahmen, in dem das Unternehmen vorgesehen ist. Daß ein solches Unternehmen in Sicht für Gemüther wie die des Herrn Emll Lehmann eine Beunruhigung ist, wollen wir gern zugeben; jede Erstarkung der Orthodoxie ist ihnen ein Verlust, und daß die Orthodoxie erstarken wird, wenn die Gesammtheit dem Einzelnen die Schwere des Opfers tragen hilft, ist gar keine. Frage. Von welch großem Haß aber Herr Ennl Lehmann gegen die orthodoxen Juden erfüllt ist, davon zeugt folgende Stelle, in welcher er sich nicht scheut, sich der Unwahrheit zu bedienen, um. den gehaßten Orthodoren Eines anzuhängen. „Wer nicht auf ihren heiligen SchulchanAruch schwört, gilt ihnen für keinen Glaubensgenossen. Sie meiden seinen Umgang, die Verschwägerung mit ihm, beschränken ihre Liebesthaten auf Genossen ihrer Richtung." So viel Worte, so viel Unwahrheiten; wenn man sich noch über das Gebühren des Herrn Emil Lehrnann entrüsten könnte, so wäre ganz besonders der letzte Punkt, der mit Eisenmenger-Rohlingfcher Verleumdungsart viel gemein hat, geeignet, die Galle zn erregen, doch über Herrn Emil Lehmann ärgert man sich nicht mehr, man hängt feine Worte nur niedriger, und das Publikum möge dann entscheiden, auf welcher Seite „der wiedererwectte Fanatismus des Mittelalters" zu suchen ist. Den einen Punkt von den Verschwägerungen wollen wir doch etwas erörtern; wie Herr Emil Lehmann escamotirt, zeigt sich hier ganz deutlich. Angenommen, ein Gesinnungsgenosse des Herrn Emil Lehmann hätte eine zn vcrheirathcnde Tochter, und, da bei den Juden die Partiecn zumeist „angetragen" werden, ohne daß das Glück der Ehen bis jetzt unter diesem Modus gelitten hätte, wird auch diesem Herrn eine Partie angetragcn. Der Hcirathsean» didat soll mm noch gar nicht einer von den „Schwarzen" sein, er verlangt nicht einmal, daß seine einstige Frau einen Scheitel trage, aber er verlangt als frommer junger Mann, daß. seine einstige Gattin sticht Terepha esse, den Haushalt streng koscher führe,-' die Feiertage streng halte und die sonstigen Frimeiipll»!ite» streng beewachrc. Was wird mm Herr X., der Feind des Kofcheressms und der jü-

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