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Der Israelit · 1886-03-29 · Heft 25 (29.3.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 25 (29.3.1886)
Date
1886-03-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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438 mußten, gaben uns das Brod des Elends zu cijcn, Las ungesäuerte Lrod, das sobald nicht schimmelt, und für lange Zeit für eine große Volksmenge im Voraus gebacken werden kann. Tann befreit uns Gott aus dem Sklavcnjoche und gab uns das herrlichste Land der Well zum Erbrheil und machte uns groß und vornehm. Wir aber haben unser Land, unseren Staat, unsere Freiheit wieder verloren. Was, konnte man fragen, soll uns jetzt noch die Erinnerung an die Sklaverei Egyptens? Alles, was wir bei der Erlösung aus Mizrajim erlangt haben, ist ja wieder verloren! Ter Besitz des heiliger! Landes, die Freiheit und Selbstständigkeit des Staates, das erhabene. Haus unseres Gottes — Alles ist uns wieder genommen worden! Doch nicht Alles. Wir besitzen noch die heilige Lehre und ihre weisen Gebote. Das ist ein Docunrent, das uns die höchsten Güter in sichere Aussicht stellt. Wenn erst der Zahlungstermin gekommen, fo wird es uns wiederum an nichts fehlen. ,-ßy Kr.:m Njrua nton ruc6 ,ten nheti : pin '22 nsnrs ruz6 „Jetzt hier, im künftigen Jahre im Lande Israel, jetzt Knechte, im künftigen Jahre freie Männer." Ja, das Fest der Befreiung ist wohl ein Freudenfest, aber auch ein Fest der wehmurhsvollen Erinnerung. Einst, als unsre Väter noch im heiligen Lande weilten, da war cs ein Fest der ungetrübten Freude. Aus allen Städten und Dörfenk, von Norden und Süden, von Osten und Westen zogen die Stämme Gottes hinauf nach Jerusalem, der heiligen Stadt, und am Rüsttage des Festes sammelten sich Hnnderttansende der Söhne Israels am Tempelberge, ein Jeder sein Opfcrthicr mit sich führend. Dann öffneten sich die Pforten des heiligen Hauses und die Opfernden strömten hinein in den Vorhvf, wo lange Reihen der Priester standen, um in goldncn und silbernen Gesäßen das Blut der Lpferthicre auszttfangcn und zum Altäre Gottes zu bringen, während die Lewiten mit feierlichem, herrlichen Gesänge die Opfcrhandlnng begleiteten. Wieder öffneten sich die Pforten und, nachdem die rrffe Abtheilung den Vorhof verlassen, trat die zweite herein und nach dieser die dritte. Dann zogen sie in ihre Onartiere, um das Pcßachlamm zu braten; am Sabbat aber warteten sic am Tcmpctbcrge, bis die Nacht angebrochen war. Das war ein wab, Haftes Frendensest, da ganz Israel speisen durste gleichsam vvln Tische Gottes, verzehre«» das gottgrweihte Opfer. Nicht durste davon essen der Heide» auch nicht der Israelit, weicher seinem Vater im Himmel entfremdet war durch sündiges Tlmn, auch nicht Derjenige, der tut* beschnitten war, selbst wenn die Beschueidnng hatte unlerlasken werden müssen. Nur in Reinheit und Heiligkeit durstedas Peßachopfer genossen, werden. In Liebe, Freundschaft und Brüderlichkeit mußte cs verzehrt werden. Da kamen sie zusammen aus allen Gauen des heiligen Landes, ein Volk von Brüdern. Von allen diesen Herrlichkeiten ist rms nur noch die Erinnerung geblieben; aber auch die Fähigkeit, sie wieder zu erlangen, wenn wir die heilige Lehre unsres Gottes uns bewahren, sie erforschen und nach ihren Vorschriften unser Leben einrichten.. Dann können wir mit Zuversicht der Zukunft eutgcgenschauen. „Dieses Jahr hier, zum künftigen Jahre im Lande Israel: dieses Jahr Knechte; im künftigen Jahre freie Männer." (Fortsetzung folgt.) ßiue KeHpredigl neuester Art. ui. 8. Jedes positive Bekenntnis scheint dem Vers, ein Hmdcrmß für die Entfaltung menschlicher Tugend zu sein. Freisinniges Ehristenthnm und Judenlhum haben zum Endzweck: „Gottverttaueu, Menschenliebe, sittliche Veredelung und gemeinnützige Wirksamkeit: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." Das klingt ja gerade so, als ob nur die Herren der freien Denkweise und Richtung das Monopol dieser menschlichen Tugenden hätten; nun offen und. ehrlich gestanden, Herr Emil Lehmann: wann gab es bei den Juden mehr Reinheit und Keuschheit, der Gesinnung, mehr Opfermut!) und Opfcrwilligkeit für Andere, für's Allgemeine, mehr ideales Streben auch bei dem Mittelschlage, — zu der Zeit da im jüdischen Kreise die Thora mit allen ihren Bestimmungen allgemein galt, oder zu der Zeit, da sich ganze jüdische Kreise von. der Thora zu cmancipiren ansingcn? Und ist heute noch bei den orthodoxen Inden weniger „Gottvertranen, Menschenliebe, sittliche Veredelung und gemeinnützige Wirksamkeit," ist »ran da weniger „hilfreich nnd gm" als in den jüdischen Kreisen, bene» die Thora als veraltet gilt? Ich glaube, die orthodoxen Inden dürfen sich in Bezug der Uebnng menschlicher Tugenden mit ihren neologen Brüder» mcffcii, obne crröthcn zu müssen. Was wollte also da "das freisinnige Judrnthnnt Rems, was das alte orthodoxe nicht bereits verwirklicht hätte? Das ist aber nur so ein tleiner Plänkler, de» Herr (vmil Lehmann voransschickt, ehe er das grobe Geschütz gegen die orlhodorcn Inden spielen läßt.

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