Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 25 (29.3.1886)
- Date
- 1886-03-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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LLVL Zah^rmg. , J\g ZF. ßentrak - Hrgan für das orthodore Iudenthum.! - HerausgegeLm von 0r. Lehma«« in Mainz. Montag, den LS. März 5646 (1886). —~~-aaÄ Da mit bcm 1. April 1886 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. ' Leitende Artikel. KagadtH sHek HeßaH. m. - Mainz, 25. Marz. Ei w 7Tn hi „Jeder, der bedürftig ist, komme und feiere das Peßachfest." Es genügt nicht, daß wir dem Hungrigen Brod zu essen geben, wir müssen ihn auch mit allem andern Zubehör des Festes verborgen. So lehren auch unsere Weisen, daß selbst der Allerbcdürstigste tot jD Drensn ’jj;-. an diesem Abende nicht weniger als vier Becher Wein trinken soll. **n»n f<>n?o neon ,wn ttn?n 7T.n '22 r.xnn n:?b „Jetzt hier, im künftigen Jahre im Lande Israel, jetzt Knechte, im künftigen Jahre freie Männer!" Es muß erörtert werden, warum dieser Wunsch an die Spitze der Hagadah gestellt ist worden, noch bevor mit der eigentlichen Erzählung begonnen wird. Der berühmte Magid, Nabbi Jakob ans Dubna, macht uns das an einem Gleichnisse klar: Ein armer Mann, der so wenig zu enterben vermochte, daß er nur von Brod und Wasser leben mußte, gelangt plötzlich in den Besitz großer Neichthnmer. Er etablirt ein bedeutendes Handelsgeschäft, kauft Waaren und versendet sie nach allen Weltgegenderl. Jahre lang lebt er in Glück und Neichtimin. Damit aber sein Herz nicht übermüthig werde und er niemals vergesse seines früheren Elends, gewöhnt ersich, jeden Mittag, nachdem er sein ans köstlichen Speisen bereitetes Mahl zu sich genommen, ein Stückchen Brod in Wasser zit tunken und zu essen. Es soll ihm dies an die Zeit erinnern, in der er gezwungen war, vom Brode der Armuth zu zehren. Unglückliche Speculationen berauben den Neichgewordeuen des größten Theils seines Vermögens. Haus und Waarenlager werden ihm verkauft, und der Erlös reicht kaum aus, seine Schulden zu bezahlen. Zwar hat er noch große Ausstände; aber diese gehen nicht ein, so daß er gezwungen ist/ wie ehedem, in änulicher Weise zu leben. Eines Tages wird er von einem vornehmen Manne zu Gaste geladen. Die köstlichsten Speisen werden aufgetragen, und der Arme hat einmal wieder Gelegenheit, sich nach Herzenslust zu laben. Am Schlüsse der Mahlzeit erbittet er sich ein Stückchen grobes Brod und ein Glas Wasser. Erstaunt fragte ihn der Haus- Ijcrr, was das zu bedeuten habe, und der Gast erzählt, daß er gcrvohnt sei, nach jeder großen Mahlzeit, Brod und Wasser zu genießen, um sich alt sein einstiges Elend zn erinnern. — Thörichter Mann, spricht lächelnd der Andere, bedarf cs in Deiner jetzigen Arnlnth der Erinnerung an Dein einstiges Elends So lange Du reich warst, hast Du recht daran gethan; aber jetzt, nachdem Dein Neichthum wieder verschwunden, was soll Dir da diese Erinnerung. Bist Du doch arm wie zuvor. — Nicht doch, Herr, entgegnete der Gast, ich büt nur augenblicklich in einer bedrängten Lage. Große Pastell habe ich ansstehen, und ich weiß sicher, daß sie einrammen werden, wenn der Zahlungstermin füllig ist. Dann bin ich wieder ein reicher Mann. Wie diesem Manne ergeht es auch nns. Wir waren arm imb elend in Mizrajtm, und iinfrrr Unterdrücker, für die lvir Sklavenarbeit verrichten