Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1886)
- Date
- 1886-03-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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rcbßdcurc zu streichen, weil die Benennung ^Redacteur" noch nicht die erforderliche Qualincation garantire. Ebenfalls bezüglich der Redacteuro verlangte K o ml o ssy die Erweiterung: „Redacteure christlich und national gesinnter Zeilmigen." Zn seiner das Amendement begleitenden Rede schimpfte Komloffy weidlich über die schmutzlicbenden, scandalsüchtigcn, im Dienste der Inden und der jüdischen Jnteremn stehenden Zeitungen, welche Gott entthronen und den Teufel auf den Thron erheben wollen. Der dem geistlichen Staude ängchörende Redner kennt auch die ,kikäns lapok* („Pikante Blätter,") denn er sagte, man könne doch den Ncdacteur dieses Blattes mit deni Redacteur des Nemzet nicht auf die gleiche Stufe stellen. Tie Politik nnd die öffentliche Meinung Ungarns werden von unreifen Judenbuben nnd von Zndividuen, welche ihre Laufbahn verfehlten, gemacht. Die Juden dominiren die Presse, rmd doch seien sie auf geistigem Gebiete unproduktiv. Das Ansehen des Abgeordnetenhauses und der Abgeordneten sei gesunken; auch das haben die Journalisten verschuldet, die vom Theater, vom Circus in der Sandorgaffe reden u. f. w. Minister-Präsident Tis za rcplicirte sofort: Ich beabsichtige nicht, mit dem Herrn Abgeordneten zu polcmisiren: nur will ich constariren — was eventuell selbst meine Verdienste vermindert — dast nicht ich diese Wotte aufnahm, sondern daß sie schon im Gcsetzartikel 42 vom Jahre 1870 enthalten waren. Und weil ich glaube, daß der aufgeklärte Geist dieses Hauses der Presse gegenüber noch derselbe ist, wie im Jahre 1870, bitte ich gar nicht, daß dieser Antrag nicht angenommen werde; denn ich bin überzeugt, daß das geehrte Haus dies ohnehin nicht tlji:n wird. (Lebhafter Beifall rechts.) Gabriel Ugron (äußerste Linke): Wenn wir an den Geist und die liberale Denkungsart des vorigen Decenniums zurückdenken, weiß ich wahrlich nicht, ob wir im ungarischen Parlament oder in einer Vcrsanuulnug von Aristokraten sitzen, die in falscher Richtung erzogen wurden. Ich fühle mich an ein in Prosa geschriebenes Gedicht Tnrgcnjcw's erinnert, welches erzählt, daß zwei große Herren, znm Fenster hinausblickend, wahrnahmcn, daß rin Mensch zu Tode geprügelt werde. Von bmnnitni Gefühlen bewegt, öffneten sie das Fenster, nur den Mißhandelten in Schutz zu nehmen: vorher aber Nagten sie. wer der Betreffende sei? „Ein I o n ni n H fl," war die Antwort. Darauf schlossen sie das Fenster und setzten ihr Gespräch ruhig fort. Dieser Geist herrscht auch in Komiosili's Rede. (Lebhafter Beifall rechts und links). Vergißt man denn, daß eben die ans deur Gebiete der Presse entwickelte Thätigkcir der ausgezeichnetsten Wärmer unserer Ration die Reformbewegmig beförderte, welche zu den Resultaten von 7843 führte? (Lebhafter Beifall rechts und links). Vergessen die Herren, daß auch Koffnth ein Jourualift war? (Lebhafter Beifall rechts und links). Üomlossy: Aber einhonneter! (Großer Lärm.) Ugron: Vergessen Sie. daß Franklin, auf den die Menschheit stets stolz war und fein wird, ein Zeitungs-Redakteur war? (Lebhafter Beifall. Eine Stimme: Aber kein Jude!) Durch die in Rede stehende Bestimmung huldigt das Gesetz der In« telligenz, handelt cs im demokratischen Sinne. Von Auswüchsen ist auch die Presse nicht frei; allem für deren Beseitigung muß die Presse selbst sorgen. (Lebhafter Beifall). Und wie wäre es um die öffentliche Freiheit beschaffen , wenn ein Staatsorgan befugt würde, darüber zu entscheiden, wer ehrenhaft ist, wer nicht, wer eine nationale Tendenz befolgt, wer nicht? (Lebhafter Beifall.) Für alle Zeitungen gilt das gleiche Gesetz, selbst für die nttra - nationalistischen. Ist cs den Beschuldigungen der Nationalen gegenüber nicht unser Stolz, daß wir, worauf sich auch der Herr Minister-Präsident zu berufen pflegt, ihnen zurufen können: „Wie könnt ihr von Unterdrückung sprechen, da doch eure Zeitungen frei schreiben können?" (Lebhafter Beifall.) Wir pflege» mit den Antisemiten nicht zu streiten; auch sind wir von den Juden nicht beauftragt, sie zu vertheidigcn. Aber cs iss nnscr unerschütterliches Prinzip, daß man zwischen Menschen und Menschen, zwischen Bürgern nnd Bürgern keinen Unterschied machen darf. (Allseitiger Beifall.) Aber wenn ich hier höre, die Juden seien auf geistigem Gebiete unproductiv, so wundert es mich, daß eben ein Geistlicher dies sagt, der in der Kirche gar nicht sprechen könnte, wenn er nicht das Alte und das Neue Testament hätte, und doch wurden beide von auf dem geistigen Gebiete unproductiven Juden geschrieben. (Lebhafter Beifall und große Heiterkeit.) Gegen diese wuchtigen Hiebe trachtete Geza Nacz seinen Gcsimmngenossen in Schutz zu nehmen, wobei er unter Anderm sagte, das Zalaer Comitat habe schon einen jüdischen QbergcspanS - Eandidaten, und in Ugron's Eomitate werde demnächst ein Jude zum Bittgcspan ernannt werden. Minister-Präsident Tisza: Machen wir diesem gar nicht erbaulichen Ideenaustausche ein Ende, jzromlossy: Es haitdelt sich nur um Gerechtigkeit!) Wenn ich gerecht sein will, so sehe ich zweierlei Gat-