Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1886)
- Date
- 1886-03-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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-Auch Manches jüdische Institut wirdiu dem Hmscheidcn dieses Rabbi Doppel lMmanu -"n"; eium scmcn Förderer zu beklagen haben, wie er auch vielen verschämten Armen fehlen wird, für die er, da er selbst über Rrichchnm nicht Zu verfugen hatte, von Zeit zu Zeit rr«rc sammelte. Das Leben und Wirken dieses edlen Mannes möge zur Nachahmung aneifern und sich so der Spruch erfüllen: -o: nircfc. GerLu, 21. März. Zn dichtes' graues Gewölk hüllte sich der Himmel, als heute Vormittag die literarischen Kreise der Berliner Zudenheir sich versammelten, um dem Heimgegangenen Leopold Zunz die letzte Ehre zu erweisen. Die Feierlichkeiten begannen Vormittags um n Uhr in der Neuen Synagoge, wo die Herren Rabbiner Dr. Joel ans Breslau und Dr. May bäum die Gedächttlißrcden hielten und die Verdienste des Verstorbenen um die Wissenschaft und das Zndcnthnm feierten. Aus naheliegenden Gnindcn bin ich nicht in der Lage, eingehender über die Tranerfeicr in der Orgelsynagoge zu rcftrücn. Kni-z nach 12 Uhr setzte sich unter sttömendem Regen der Eondnct in Bewegung. Dem Leichenwagen folgten die Lehrer der jüdischen Gemeindeschule, der Direktor und die Schüler des Lehrerseminars, eine Schaar kleiner Chorsänger, einige Docenten nnd eine Anzahl Zöglinge des Rabbiner-Seminars; außerdem sahen wir im Zuge Lorstaudsmitglieder der jüdischen und israelttischen Synagogcngemciude, kurz, Bekenner aller religiösen Richtungen waren erschienen, um dem großen Bahnbrecher der jüdischen literarhistorischen Kritik das letzte Ehrengeleit zu geben. Etwa zwanzig Kutschen bildeten den Abschluß des Conduktcs, der im Großen und Ganzen einen recht bescheidenen Eindruck machte, ganz entsprechend der anspruchslosen Demuth des Dahingeschiedenen. Um 1 Uhr langte der Trauerzug auf dem Friedhofe in der Schönhänser-Allee an, wo ihn in der schwarz drapirten und mit Vlumenwcrk ausgestatteten Leichenhalle ein Chorgesang empfing. Hier hatte sich eine kleine akademisch-literarische Gemeinde eingcfunden, in deren Mitte wir die Herren Dr. Berliner, Dr. Steinschneider, Dr. Cassel, Professor Lazarus, Dr. Karpeles und die Träger anderer bekannter Namen bemerkten. Herr Rabbiner Dr. U n g e r l e i d e r bestieg die Rednertribüne, nm tiesergrissen in einer kurzen Ansprache bcm „großen Tobten", dem „Hohen- Priester im Heiligthnme der Wissenschaft", von dessen Früchten Jahrhunderte sich nähren würden, ein e£ca einen herzliärcn Abschiedsgrnß nachznrnfttt. Nach diesem Redner legte Sanitätsrath Dr. N enmann Namens der Znn.ssliftnng einen Kranz an zur Bahre nieder und briorüc, wie der VcrstorbLne war stets auf den Höhen des Geistes sich ergangen/ im Denken und Fühlen aber „in-der Mitte seines Volkes gewohnt" habe. Bei aller innigen Vaterlandsliebe fei er stets für seinen geschmähten Glauben und. seine verfolgten Glaubensgenossen eifrig eingctrctcn, nnd hierin sei dcr^Todte ein Musterbild für alle Zeiten. Hieraus crgriss Herr Dr. Rose nst 0ck Dircttor der Sa msonschule in Wolfen-. büttel das-Wort, wo Zunz vor mehr als 80 Zähren seine erste Erziehung genossen. Die Mutter, die Geistesmutter des Dahingegangeucn, so begann der Redner feine kernige Ansprache, schickt mich hierher, um ihrem ehem. Zöglinge treffliche und ergreifende Worte des Dankes und Abschiedes zu weihen. Die Samsonschule nahm das hilflose Kind einst Liebreich ans, hier reiste er im Süllen zu seiner großen Zukunft heran, und noch oft gedachte er spater in Liede scinesWohlthätersSamucl MeyerEhrcnbcrg, noch oft kehrte er als Mann in die trauten Räume zurück, um in Lenzcstagcn hier Erholung zu suchen und um in dem frohen Spiele der Jugend die glücklichen Stunden der eigenen Kindheit wieder hervorzuzaubern. Wie einst Rabbon Gamlicl einem seiner Schüler, so rufe die Samsonschule .auch ihrem Zögling die Worte zu: Zieh' hm in Frieden, mein Meister und Schüler, mein Meister in der Weisheit, mein Schüler , weil Du meine Worte treu befolgt hast. Znnz ist und wird stets das Vorbild für alle Schüler der Anstalt sein. Zum. Schlüsse sprach noch Herr Dr. K i r s ch st ei n. einige wenige Worte, Herr Dr. Ungcrleidcr trug Psalm 16 hebräisch und die deutsche Ueberfetzung des ivzD vor, und die sterbliche Hülle des Weisen wurde in den Schooß der Erde gesenkt. Mit noch finstererem Gewölk hatte sich der Horizont umzogen, in Strömen ergoß sich der Regen, während man die letzte Liebespflicht an dem Todten erfiillte, und tiefergriffen verließ ich die Statte des Todes, um zu des Lebens Freuden, zum Pnrimfeste heimzukehrcn. LI. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pefth, 19. März. In der gestrige!! Sitzung des Abgeordnetenhauses kam der §. 26 des Municipal-Gesetzes zur Verhandlung. welcher fcststellt, daß bei der Anfertigung des ViriListen-VerzcichmsscS die Steuer gewisser Wähler, wie der Professoren, Zeitnngsredattenre, Doctoren, Advocaten, Apotheker n. s. w., in doppelter Höhe anznrechnen sei. Zu diesem Paragraph wurden zahlreiche Amendements gestellt, und es rutspaun sich fotgcude tuteressautc Debatte: N e ndt vtchl.Autisrmit) wünscht, die Zcitnugo-