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Der Israelit · 1886-03-25 · Heft 24 (25.3.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 24 (25.3.1886)
Date
1886-03-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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karges Loa Meuschm. Die Einen fragen: Bist du ein ehrlicher Mensch oder nicht? Zu diesen gehöre ich, gehört die große Majorität dieses Hauses. (ZuftiMwung.) Dann gibt es Einige, von' denen wir hören: Bist du ein Christ oder ein Jude? Die Christen sind Engel, die Juden sind Leusel. Es wäre schade, solchen Menschen Rede zu stehen. (Lebhafter Beifall.) Hierauf bekämpfte der Minister der Reihe nach alle Amendements, die denn auch bei der Abstimmung insgesammt abgclchnt wurden. geniHMao, O VL Mit großer Schnelligkeit harte sich in der Stadt Worms und in der Umgegend die Nachricht verbreitet, daß der kaiserliche Rath, Daniel von Gernsheim, . zum Besuche seines Oheims angelangt sek. Die vornehmsten Männer der Stadt, der regierende Bürgermeister, der Schultheiß, die Schöffen, der Blutrichter, der Stzndik, die Rarhsherren, die Zunftmeister, und wer sonst noch Amt nud Würde bekleidete, beeilten sich, dem vornehmen Gaste, welcher dem elften Herrschender Welt so nahe stand, ihre Aufwartung zu machen.' Noch niemals waren durch die engen Jndengaffe so viele große Herren geschritten, noch nienrals hatte die Rabbinerwohuung so viele angesehene Besucher gesehen. Daß auch die Gcmeindemitglieder herbeieilten, um den berühmten Gast ihres Rabbiners kennen zu lernen, bedarf nicht erst der Erwähnung. Aber auch die vornehmen Herren der Umgegend, die Ritter, Grafen und Fürsten beehrten den kaiserlichen Rath mit ihren Besuchen und luden ihn ein zu Festen auf ihren Burgen, die sie ihm zu Ehren veranstalteten. Daniel lehnte alle diese Einladungen höflichst und dankbar ab. Er entschuldigte sich mit der kurzen Dauer seines Urlaubs und dem Wunsche, die wenigen Wochen in Stutze bei seinen Lerwandten znzubringen. Rur die Einladung des mächtigsten Dynasten weit und breit, des Fürsten von Dahlberg, konnte er nicht gut ablehnen. Er ritt nach Hernsheim, wo sich das Stammschloß der Herren von Dahlberg noch heute befindet. Gegenwärtig ist das stolze Geschlecht im AuSfterben begriffen. Der letzte Sproß desselben ist eine Dame, die mit einem englischen Herzoge i» ftubniofcr Ehe lebt. Damals aber blühte es in voller Macht und Mrafi. Daniel fand ans dem Schlosse zu Hernstzetnl den Adel der ganzen Gegend ucrfaimurlt. Fm großen Speisesaale war eine mächtige Tafel gedeckt und mit den herrlichsten Speisen beladen. Damals erforderte eine Herremafcl viel größeren Aufwand als heutzutage. Die Speisen wurden mit kostbaren Gewürzen bereitet, die aus Indien bezogen, in Folge der ungeheuren Transportkosten, mit Gold ausgewogen werden mußten. Daniel genoß von allen diesen Kostbarkeiten nichts und verschmähte auch die auf den Gütern des Herzogs gezogenen, köstlichen Weine, Liebfrauenmilch und Luginsland. Seine Enthaltsamkeit erregte rächt geringes Aufsehen. Frelmüihig erzählte er, daß ihm des Kaisers Gnade gestatte, nach den jüdischen Gesetzen zu leben, und daß er auch an der kaiserlichen Tafel nicht mitzueffen und nicht mitzupokuliren brauche. Am glücklichsten fühlte sich Dauiel, wenn es ihm vergönnt war, ungestört und ruhig bei seinen Verwandten zu weilen. Da nahm er dann Theil au den Studien des Rabbi und ließ sich von diesem schwierige Stellen im Talmud erklären. „O, mein Oheim," sagte er oft, „wenn es mir doch vergönnt wäre, immer bei Dir zu bleiben, , und mit Dir gemeinsam in Gottes heiliger Lehre zu forschen!"- Dann seufzte Rabbi Elasar und sprach: „„Wahrlich, auch ich möchte wünschen, daß Du Deine ganze Zeit dem heiligen Studium widmen könntest! Deine glänzenden Anlagen würden es Dir möglich machen, einer der gelehrtesten Männer in Israel zu werden. Allein, auch Deine jetzige Thätigkeit ist eine gesegnete. Du hast schon Großes fiir viele bedrängte Bruder geleistet. Gott segne Dich, mein Sohn."" Die allgemeine Begeisterung, Liebe und Verehrung für Daniel hatte auch Nechamah erfaßt; sie liebte ihren Vetter mit einer schwärmerischen, idealen Liebe. Er erschien ihr als ein höheres Wesen, zu dem sie voller Verehrung emporblickte. Ihre Augen hingen an seinen Lippen, wenn er das Leben und Treiben am kaiserlichen Hofe schilderte, wenn er von dem Kaiser, der Kaiserin, den Prinzen und den Prinzessinnen erzählte; wenn er berichtete, wie die vornehmsten Fürsten des . Reiches oft viele Wochen auf eine Audienz beim Kaiser warten und zu deren Erlangung seine Fürsprache in Anspruch nehmen nmßten; wenn er die Hoffefte schilderte und den Glanz und die Pracht, welche die vornehmen Damen bei solcher Gelegenheit entfalteten. Auch Daniel hatte sein Väschen sehr lieb gewonnen mib ergriff jede Gelegenheit, das schöne, liebliche Mädchen ins Gespräch zu ziehen. Dann bewunderte er ihren heilen Geist und den starken Etzarakter, der sich in allen ihren Reden offenbarte.

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