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Der Israelit · 1886-03-25 · Heft 24 (25.3.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 24 (25.3.1886)
Date
1886-03-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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;iL -v:-:: , 418 •v Schmackhaft muß heule ein Gericht sein, ob es gesund und zuträglich , das kommt erst in zweiter Linie in Betracht. Wenn man die Ernährung des Menschen nur von dem rem thierischen Standpuncte auffaßt, dann kann cs im Grunde genommen ganz glcichgiltig sein, was der Mensch ißt, und das Wohlbefinden oder die Unbehaglichkeit, die fich nach dem Genüsse dieser oder jener Speise cinftcllt, wird die beste Lehrmeisterin sein, was ihm zuträglich oder schädlich ist. Aber anders verhält es sich, wenn wir der Nahrung des Menschen etwas mehr als blos ernährenden Einfluß zufchrciben, wenn wir durch die Art und Weise der Ernährung auch einen Einfluß auf das ganze Wesen des Menschen bemerken. Es handelt fich da um eine wissenschaftliche Frage, wenn ich mich so ausdrückcn darf. Die heutige Wiffcnschaft beschäftigt sich zwar eingehend mit unscru Nahrungsmitteln: aber dieser Seite derselben bat sic, soviel mir bekannt, noch nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die ihr eigentlich gebührt. Die Erfahrung gibt uns zwar manche beachrcnswcrthe Winke. Daß es unter den vielen Nahrungsmitteln eine außerordentliche Verschiedenheit in Bezug auf Nahrungswerth und leichtere oder schwerere Verdaulichkeit gibt, ist allbekannt. 'Daß' die leichtere Verdaulichkeit für unfern Körper am zuträglichsten ist, ist ebenso bekannt. Und daß mit dem Wohlbefinden unseres Körpers im engsten Eonnex das Wohlbefinden unseres Geistes steht, ist eine unbestrittene Thatsache. Mithin sollten diese Erfahrungen uns schon etwas wählerischer sein lassen in unseren Nahrungsmitteln. Denn wir wünschen ja heute im Zeitalter des Denkens und Forschcns gewiß einen gefunden Geist. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Jcherrhanserr, 22. März. Vor vier Wochen haben wir emcn Mann zu Grabe getragen, der es wohl verdient, daß ihm ein Nachruf gewidmet werde. Nabbi K o p p c! tt l! m a n n v"u"r wurde nach kurzem Krankenlager in ein besseres Jenseits abbcrufen, um dortsclbst den Lohn zu empfangen für seine trene, musterhafte Pflichterfüllung. Mit Necht darf von ditfctlkMannc behauptet werden, daß er sein ganzes Leben der Pflichterfüllung gewidmet batte. Wem die Gelegenheit geboten war, das Leben dieses Mannes kennen zu lernen, der mußte finie werden, welch einen veredelnden Emfluß unsere heilige Thora bat, auf den, der sie ersaßt und zu üben vermag. Sein ganzes Thun rmd Lassen suchte er mit den Gesetzen unserer heiligen Lehre, in Einklang zn dringen; ebenso war er bestrebt seme Kinder zn güten Iehudim zu erziehen, in welchem Bestreben er von feiner würdigen Gattin lebhaft unterstützt wurde. Seine Familie verliert daher in ihm einen liebevollen Gauen und Vater; wir verlieren in ihm einen theuren Lehrer und Freund; unsere Gemeinde verliert eine ihrer schönsten Zierde» und das ganze Judeuthum einen seiner treuesten Träger und Verfechter. Eine besondere Beschäftigung war es, durch die sich der Verblichene unsterbliche Verdienste erworben hat. Es bestand hier feit Langem die schöne Einrichtung, daß man die noch nicht schulpflichtigen Kinder zu Nabbi Ullmann schickte, damit er sie beaufsichtige und sich mit ihnen beschäftige. Die Kleinen erlernten hier Hebräisch lesen, alle mara und es wurde ihnen ein solcher Sinn für Jüdifchfcit cingepffanzt, daß gewiß viel mehr gute Iehudim aus unserer Gemeinde hervorgegangen wären, wenn nicht leider viele Eltern ihre Kinder im 12. und 13. Lebensjahre in solche Schulen schickten, wo sie den' Sabbat entweihen; daß nach Absolvirung der Schuljahre dann auch nicht nach Stellen m religiösen Hausern getrachtet wird» braucht wohl nicht gesagt zu werden. Welchen Schmerz und Kummer verursachte cs dem theueren Verblichenen, wenn der eine oder andere seiner früheren Zöglinge, die mit besonderer Liebe dem Jüdischen anhingen, nach Mm oder Augsburg übersiedelte, weil er zu gut wußte, daß selbst die hellste Flamme, wenn ihr die Nahrung entzogen bleibt, nach und nach erlischt. Daß es ein solch' wackerer Mann an Ermahnungen gegenüber den betreffenden Ettern nicht fehlen ließ und ihnen namentlich vorstellte, daß fie Alles, was sie für ihre Kinder in Ulm nnd Augsburg zu erzielen wünschen, gerade ebenso in Fürth und Pfungstadt rc. erreichen könnten, versteht sich von selbst. Obwohl der Unterricht mit vorerwähnten Kleinen und derjenige mit größeren Kindern in mn ♦"tund südlichen Geschichte ferner einige gewerbliche Beschäftigungen seine ganze Zeit in Anspruch nahmen, wußte er dennoch so viel Zeit herauSznbriugen, um mir&D’ny yyp zn fein. Daß er Morgens nnd Abends ein regelmäßiger Besucher des Gottes- .Kaufes und bei dem drei Mai iu der Woche stattsittdendeu 'im ein nie fehlende« Mitglied war, bedarf wohl keiner besondere» Erwähnung.

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