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Der Israelit · 1886-03-22 · Heft 23 (22.3.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 23 (22.3.1886)
Date
1886-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ßine KeßprcdlgL neuester Art. '' ' ' ■: II. §. Wenn cs mir die großartige» RcsormvorfchlLge wäre», durch welche Herr (5nni Lehmann das Judenihnm rcgcuerircu, d. h. ans der Wclr schayeu will, so hatten wir wahrlich nicht zur Feder gegriffen, denn wir sind cs nicht gewohnt, gegen Windmühlen zu kämpfen. Was das Büchlein in Bezug auf die Reformen enthielt, tonnten wir schon wissen, ehe wir es gelesen; Herr Emil Lehmann hat in scineul vor 14 Jahren erschienenen „Höre Israel!" so viel vorgcschlagcn, daß ihm au Neuem nichts mehr übrig blieb. Wir wundern uns daher über die Gründlichkeit nicht, nüt welcher der Herr verfährt, indem er vorschlägt, die Bcfchneidnng abznschaffen, den Sabbat ans den Sonntag, Peßach auf Ostern, Schabuoth auf Pfingsten, Succoth auf den entsprechenden Sonntag, Roschhaschanah auf den ersten Januar, de» Lcrsöhnnngstag auf den allgemeinen Buß- und Vertag und Channka ans Weihnachten zu verlegen und diese Feste mit den Christen „zeitlich vereint, geistig getrennt" natürlich aber mit Fortlassnug der jüdischen Festmerkmale als Schofar, Lulab u. s. w. zu feien«, lieber alles dieses wunder)« wir uns. wie gesagt, nicht: nnr über Eines wundern wir uns, daß Herr Emil Lehmann von der Taufe abröth. Warum denn? Wenn schon, denn schon! Das wäre doch consequent und ganz im Sinne des hübschen Satzes, den der Herr.Vers, bei seiner Betrachtung über die Festverlcgung leistet: „Mag auch ein Nachgcbcn des jüdischen Theils nngeschichtlich .erscheinen — er ist die Minderheit und kann von der christlichen Mehrheit nicht erwarten, daß sic ihre Sonn- und Festtage zuröckdatire." Run, 'der größte Theil der Christen, auch der Freidenkcnden, hält noch etwas auf die Taufe, die Inden sind in der Minderheit, warum denn hier so widerhaarig? Was aber noch weiter Verwunderung erregt, ist, daß gewisse Leute immer noch nichts gelernt und nichts vergessen haben. Vor fcchszig Jahren schon fiiib ähnliche Vorschläge aufgctancht; damals war für solche der Boden in Deutschland ein günstiger, cs war die Zeit einer allgemeinen Erregung, die nach neuen Verhältnissen strebte, die Vertreter des alten JuderrthumS waren nicht derartig zeitgemäß geschult, daß ihr Wort sich hätte mit Nachdruck denen gegenüber Geltung verschaffen können, welche ihre Refornipläne intfcr den« Schein einer zeitgemäßen Bildung vortragen konnten; ferner mnß .anerkannt werden, daß damals in vielen Schichten eine gewisse Lkgclsternng, theils künstlich erzeugt, theils aber auch von Junen heraus entstanden, für Reformen herrschte. Doch bedurfte es nur des kräftigen Anstoßes Einiger, die mit Begeisterung für das alte Judenthum eine zeitgemäße Bildung glücklich verbanden, um zuerst die Reformbcwegung zum Srillsiandc zu bringen und ihr dann zu einem glänzenden Fiasko zu verhelfen, und heute will Herr Emil Lehman««, wo jede Begeisterung für eine Reform geschwunden ist, wo die Reformer sich nicht des Wiffenschaftsmouopols mehr rühmen dürfen, mit abgestandenen Phrasen seinem Reforuijudenthum auf die Beine helfen? Er wiegt sich zwar in dem glücklichcn Gedanken, daß die Reform schon Manches geleistet habe, „ertönt doch jetzt in den Synagoge«« die Orgel und erhebt die Gemüther," er hätte nur hinznsetzcn müssen: die Gemüther/ die nicht da sind. Wer noch nicht cinsieht, daß die Reform gründlich abgewirthschastet hat, der ist eben blind, und mit einem Blinden läßt sich nicht über Färben disputircn. Und noch in einen« andern Punkte ist Herr Emil Lelnnann ein nngelchrigcr Schüler seiner Zeit. Das llcbcrbordwcrscn des Judenthums soll den Brand des AnlisemitismuS löschen. Heilige Einfalt! Seit wann kehrt sich denn der Antisemitismus daran, ob der Jude orthodox oder reformiri sei? Geht er nicht noch weiter? Hat doch selbst der „Sprung vor« der Brücke" den Inden nicht frei gemacht! Da die Tarife keinen Einfluß auf eine Veränderung d'cr Nasenbildnng übt, so miiffn« fid) c» sogar heute noch Börne und Heine gefallen lassen, von den „gernranischcn" AntrscmiLen als „Juden" gekennzeichnet zu «vcrden, und daß auch Ministersessel nicht vor dem „Vorwurf" von-Inden abzustammen, schützen, hat doch erst die Renzert gelehrt. Doch alles Dieses hätte, wie gesagt, uns nicht zu einer Erwiderung an Herrn Lehmann bewogen, doch konnten wir nicht darüber stillschweigend hmwcggchcn, da «vir setzt an unsere Aufgabe, das Conto der Orthodoxenhctze mit ihm zu begleichen, herantretcr«. tEin Schlußartikel folgt.) Zeitungsnachrichten und Corresporrdenzcn. Deuts ch l and. Berlin, l.^.März. (Telegramm.) Der berühmte Gelehrte Dr. Zn««z ist gestorben. Berlin. Wegen Beleidigung der ReichStagSavgevrdlieteil L««dw i g Lö we m«b Pani Singer Halle sich beute der Agent G ot 1 l! cb P a e ch n atz vor dem Schöffengericht beim hiesigen Amtsgericht ii» bhii hiiiwiii^ mni/nof[tii n rrj—miM inrimrr.^j!~tmj'TTini~' i

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