Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 23 (22.3.1886)
- Date
- 1886-03-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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l zu vcrautworren. Am 24. November v. I. warm die Mitglieder der Kommission des FachvercnS der Tischler im O. Hoummsschen Lokal, Drcsdencrstraße 27, versammelt und besprachen die Aussichten betreffs der an demselben Tage stattgefundencn Kommunalwahlen. Paechnatz gesellte sich zu den Tischlern und mischte sich in deren Gespräch ein. Gr fing an, aus die beiden genannten Abgeordneten auf die ordinärste Weise antisemitischen Stils zu schimpfen. Die Tischler nahnien ein Aergerniß daran und forderten den Paechnatz wiederholt auf, sich der beleidigenden Aeußerungen zu enthalten. Ta er nicht aufhören wollte, so wurde ein Schutzmann hcrbcigcholt, der das Nationale des Beleidigers fcststellte. Im gestrigen Termin bestritt der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Beleidigungen, behauptete vielmehr, er sei betrunken gewesen und wisse von gar nichts, und kenne die als Zeugen vernommenen Tischler nicht. Auf die Bemerkung des Vorsitzenden, warum er, Angeklagter, so viel trinke, antwortete dieser, er sei 25 Jahre Brauer gewesen nnd könne schon etwas vertragen. Die Tischler Furchtbar rmd Heese bekundeten auf das Bestimmteste, daß der Angeklagte die beleidigenden Aeußerungen gethan habe und durchaus nicht betrunken gewesen sei. Der Vertreter der "im Termin nicht erschienenen Klager, Rechtsanwalt Freudenthal, stellte die Festsetzung des Strafmaßes dem Gerichtshof anheim, bat aber um Publikationsbefngniß im „Berliner Tageblatt" und im „Deutschen Tageblatt." Der Gerichtshof erkannte schließlich auf eine Geldstrafe von dreißig Mark und sprach den-Beleidigten die Befugniß zu, den Tenor des Erkenntnisses auf Kosten des Angeklagten im „Berliner Tageblatt" zu veröffenüichen. Wolfenbüttel, Mitte März. Ihr hundertjähriges Stiftungsfest feiert am 4. Juni d. I. die Samsonschule zu Wolfenbüttel. Eine Anzahl früherer Schüler dieser Anstalt hat sich aus diesem Anlaß zu einem Comittz. dem die Herren Dr. Leop. Jung und Dr. Herm. Jacobson als Ehrenpräsidenten angehören, vereinigt und einen Ausruf erlassen, der die Gründung eines Fonds in Anregung bringt, der im Prmcip dazu bestimmt sein soll, ehemaligen hilfsbedürftigen Samsonschülern, bezw. solchen Zöglingen. welche die Anstalt verlassen, und sich einem Handwerke, einer Kunst oder einer ihren besonderen Einlagen entsprechenden Earriäre widmen wollen, ttttterstttvnng zn gewähren. —^ Tarnowth, io. März. Ans Anlaß m Stiftungsfestes des hiesigen israelitischen Jungflauen-Pereins hielt Herr Lehrer Eisenberg von hier am 13. d. M. im Saale, des Herr« Herda einen durch die edle Sprache und vollendete Form in gleicher Weise ausgezeichneten Borttag über das Thema: „Die Würdigung der Frauen im Judeuthuln." Das leider nur spärlich erschienene Publikum folgte den hochinteressanten Ausführungen des Redners mit regem Jnterepe und zeichnete zum Schluß der Vorttageuden durch lebhaften Beifall aus. Bromberg, 15. März. Tie Strafkammer des hiesigen königlichen Landgerichts veruttheilte heute fünf Mitglieder des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde (von denen Einer bereits ans dem Vorstande geschieden war und feinen Wohnsitz in Berlin hat) zu je einer Geldstrafe zu 60 Mark, well zur Anstellung eines Ausländers als Kultusbeamten f. Z. die Genehmigung der königlichen Regierung nicht cingeholt worden war. Hamburg. Unlängst hielt der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder seine Generalversammlung im Pattiotischen Gebäude ab. Erfreulich ist, constatircn zu können, daß derselbe in der kurzen Zell seines Bestehens (erst 2 Jahre) schöne Fortschritte gemacht. Nicht allein, daß der Verein schwachen Kindern im Sommer Landaufenthalt gewährt, hilft derselbe auch kranken und gebrechlichen Kindern währenddes ganzen Jahres und hat sichdas edle Ziel gesteckt, ein Kmderhospital zn schaffen. Es ist daher sehr wünschenswert, daß man erhöhtes Interesse diesem so segensreich wirkenden Verein zuwende, denn ttotz des beretts recht guten Erfolges kann derselbe lange noch nicht allen wirklich Hilfsbedürftigen helfen. Altona. Der verstorbene Polizeiknspector a. D. Joh. Diedrich Brumm senior hat als Geschenk 300 Mk. zum Besten verschämter Bedürftiger der hiesigen jüdischen Gemeinde vermacht. Ein gleiches Geschenk soll auch den Armen der christlichen Gemeinden zugefallen sein. Der israelitische Kranken-Unterstützungsverein „Brüderliche Hülfe" hatte Sonntag eine Vorstands- Versammlung. Das Vorstandsmitglied Herr Daniel hatte dem Verein eine prachtvolle Lade ans Ebenholz, mit Mahagoniholz im Innern und äußerlich mit Sllbcrschlöst'ern ausgelegt, zum Geschenk gemacht. Nach der Abrechnung, die sehr günstig kautet, ist ein Easscnbeftand von 2tttt0 Mk. vorhanden, die bet der Sparkasse des Nntersttttzungsittftllttts belegt worden. Nachdem 3 Teputirte gewählt waren, wurde ein Beschluß gefaßt, das wöchentliche Krankengeld au erhöhen. Ter Präses, Herr Brannschwetger,