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Der Israelit · 1886-03-22 · Heft 23 (22.3.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 23 (22.3.1886)
Date
1886-03-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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der Erlösung*, die an diesem Abende von jedem Einzelnen, Männern nnd Frauen, Knaben^ und Mädchen, getrunken werden müssen. Die „Scdcr- Schüsscl" enthält in ihrem Innern die drei unaesäuerren Drode. Am Sabbat und an den andern Festen genügen zwei Brode rjrs ent'; hcutedcdürscn wir deren drei. Auf der Seder-Schüpel befinden sich üllerlei Tinge, die wir einzeln bclrachren: griu'.c? .Kraut os'Q-und daneben ein Näpfchen mir Lalzwasser oder Essig, ein gebrannter Knochen zum Andenken an das einstige Pcßach-Opfcr, die bitteren Krämer -ms, die zu den Mazzoth gegesicn und das Eharoßeth, in welches sie getaucht werden und endlich das gesottene Ei, ein Symbol der Trauer um das zerstörte HeUigthum in Jerusalem. Alle nehmen Play rings um den Tisch hemm; auch die Dienstboten, selbst wenn sie sonst im Jahre nicht mit der Herrschaft an einem Tische essen. Und nun beginnt der Scder mit dem .Kiddusch, der Heiligung des Festes beim Becher Wein, der diesmal zugleich der erfie der vier Becher der Erlösung ist, entsprechend den Worten Gottes orrv T*«s,m cnsc n^3D mne „und Ich werde Euch hinanssühren, aus dem Lastjoche Mizrajims hilttveg." , Dann naht die Hausfrau, oder wer ihre Stelle vertritt, mit Kanne, Becken und Handtuch und gießt dem Hausherrn Wasser über die Hände; dann derselbe gleicht heute Abend einem Könige, der sich bedienen lästr; dcsthalb ist ihm auch eine weiche „Lehne" bereitet an seiner linken Seite. Und nun kömmt das Grünkram ce~c, getvöhnlich Petersilie ober Kresse, das man in das Salzwasser oder in Essig tunkt, istl und allen Andern davon mitthcilt. Es soll dies die Aufmerksamkeit der Kinder erregen, damit sie fragen, was alle diese Tinge zu bedeuten haben. Tann, nimmt der Hausherr die mittlere Mazzoh, zerbricht sie. in zwei, ungleiche Theile, pv, und legt das größere unter eines der neben ihm liegenden Kissen. Es ist eben cn>, Brod der Amnnb. Ter Aniic tunst sich n:it einem Stückchen Br-od begnügen, twd wenn er ein ganzes Brod besitzt, w bewahrt er die größere Halste für später. Und nun beginnt die Hagadah, die Erzählung, ■ra. Ter Hausherr hebt die Sederschnssel empor und spricht mit lauter Stimme: . .c~>s£"; s:r~2s ibzs n n*jy weni' nh „Dies ist das Brod des Elends, das gegessen haben unsere Väter im Lande Mizrajim-" Da cs imiuciitlid) darauf nilkömmt, die Herzen der Kinder durch schöne Erzählungen, Gleichnisse und Parabeln zu ei freuen. zu ergnicken rtnd heran.- zuzieben, so wollen wir hier gleich eine Erzählung wiedergeben, die sich an das erste Wort der Hagadah knöpft. In manchen Hagadoth steht »1, irr manchen r«7O, in manchen beides, sei heißt „dieses", *co „wie dieses." Es sind verschiedene Lesarten. und der Sinn scheint derselbe zu sein. Vielleicht können wir beide Lesarten rechtsenigen. In alten Zeiten lebte ein rechtschaffener, aber armer Mann, niedergedrückt von Kummer und Sorgen, mit den Seinen im tiefsten Elende. Alles, was er befeffen, war bereits verkauft; sogar die Kinder mußten als Sklaven dienen. Da besuchte ihn ein Jugendfreund, ein überaus reicher Manu, ein Großgrundbesitzer, und sprach zu Ihm: Komm mit mir; ich setze Dich als Verwalter auf eines meiner großen Güter; dann hat alle Deine Roth ei» Ende. — Nun begann ein Leben voll Glück und Freude, voll Wohlstand und Behagen für die früher so unglückliche Familie. Und jedesmal am Jahrestage des frohen Ereignisses, da zog der Vater 311m Andenken an sein früheres Elend seine Men Bettlerkleider an und vertheilte in diesen reiche Geschenke an Frau, Kinder und Gesinde. Das war dann stets eine große Freude, wenn die Kinder den Later in den zerisscnen und beschmutzten Gewändern erblickte». — Da geschah es, daß. der Verwalter den Zorn des Grundherrn auf sich lud, der ihn sorttricb und ihn, alles nahm, was er besessen und ihm nickls ließ als das Bettlergewand, das er mitgebracht. Die.Kinder jubelten, als sie den Vater in diesen Kleidern erblickten. Dieser aber sprach traurig: Arme Kinder! Früher war es nnr eine Erinnerung, ein Andenken; heute aber ist's bitterer Ernst. Der arme Mann, dessen Kinder als Sklaven dienen musste», ist Israel in Mizrajim. Da kam sein Ingeudsrcnnd, der Herr der Welt, der Heilige, gelobt sei Er, und brachte Israel in das Land, das Er den Vätern zngeschworen. Nun hatte alle Noch ein Ende und ant Jahrestage der Erlösung sprachen wir vrap wn'v nto. „Wie dieses war das Brod des Elends; cs ist nur eine Erinnerung, damit wir im Glücke der Zeit des Elends nicht vergessen." Aber wir haben unfern Freund erzürnt und mnsttcn hinwegstchen ans dem herrlichen Asyl, das Er uns gewährt hatte. So müssen wir denn wieder essen das Brod der Verbannung tcjp worfc tcr, „dieses ist das Brod des Elends," das unsre Väter gegessen im Galrtth Mizrajim; und wir müsstn das Brod der Verbannung essen *v:n pta .in :, möge uns der Attgütige recht bald darans erlösen. lFortsktzimg folgt.)

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