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Der Israelit · 1886-03-18 · Heft 22 (18.3.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 22 (18.3.1886)
Date
1886-03-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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384 Brüder redjncn fonmen, stauben f!c fest gänzlich vereinsamt und verlasicn da, denn ihre früheren Wohl- Lhätcr und Beschützer wohnten zerstreut in der ganzen Stadt, in prächtigen Palästen rmd großen Zins- Häusern und mochten oder konnten sich nicht mehr idrcr ehemaligen Leidensgefährten so erinnern, wie früher. Ter Mängel eines jüdischen Krankenhauses, der früher, solange die römischen Juden in einem Viertel beisammen wohnten und eine einzige große Familie bildeten, nicht so fühlbar war, trat icBt desto schärfer hervor, zumal in den hiesigen städtischen Krankenhäusern, obgleich dieselben unter der Aussicht und Verwaltung einer höchst liberalen und toleranten Regierung stehen, noch die größte Intoleranz herrscht, da in denselben Mönche und Nonnen ganz nach Veliebcn schalten und walten, und mehr als ein Kranker, der dort seine Gesundheit wicdcrgcsundcn, hat dafür seine religiöse Ueberzeugung zurücklassen müssen. Da erkrankte plötzlich im Oktober 1880 hier in einem christlichen Gasthause ein jüdischer Geschäftsreisender, Namens Emannelc di Capua, der sich entschieden seiner Ueberführung in ein städtisches Spital widcrsetzte. Als sich sein Zustand verschlimmerte, ließ seine Wirthin einen Lohnwagen kommen und den Schwerkranken hmeinsetzen, damit er ihn nach einem öffentlichen Spitale bringe. Unterwegs verschied jedoch der Kranke, und so wurde dessen Leiche sogleich wieder nach dem Ghetto zurückgebracht, um nach jüdischem Ritus beerdigt zu werden. Dieser tragische Todessall rief in den Straßen des Ghettos eine große Bestürzung hervor, und allgemein wurde die Klage erhoben, daß cs doch eine Schmach sei für eine so große Judengemeinde, wie cs die von Rom ist, daß sie nicht einmal ein Krankenhaus für arme Glaubensgenossen besitzt, damit dieselben dort mit beruhigtem Herzen und Gewissen ihrer Genesung oder ihrer Auflösung entgcgensehen können. Noch am selben Tage ttaten einige fromme und gottesfürchtige aber mit Glücksgntcrn leider nicht allzusehr gesegnete Mitglieder unserer Gemeinde zusammen, eröffnetcn eine allgemeine Subscription und brachten so einen Geldbetrag zusammen, der gerade hinreichte, um dafür eine Kammer micthcn und in derselben drei Betten anfftellen zn können. Diese .Kammer wurde stolz „Krankenhaus der jüdischen Gemeinde von Rom" genannt. Die Gründer dieses primitiven Krankenhauses waren die Herren: Alberto Fanaro, David Terracina, Abrqmo Pipermo (Vorsteher der hiesigen Trödlergenossenschaft), Gicomo RabelLo. Leone Fanaro nnd Giovanni Moscaio. Jndeß, der Anfang zu einem Kranleuhause war hiermit gelegt. Seit damals sind drei Jahre vergangen und das hiesige Ghetto besitzt nun ein Spital mit zwanzig Betten, in dem sich gewöhnlich zwölf bis fünfzehn Kranke befinden. Arzt dieses Spitals ist der Doctor, Rabbiner Alberto Toscano, während als Verwalter desselben der Ingenieur Angiolo Tagliacozzo fungirt. Mehrere verstorbene reiche Glaubensgenossen haben auf ihrem Todtenbette dieses Krankenhaus mit Legaten bedacht und auch sonst wendet sich demselben die Theilnahme unserer Glaubensgenossen zu. Wir dürfen daher hoffen, daß die wann p"p baldigst ein ihr würdiges Spital besitzen wird, zu dem freilich einige arme Glaubensgenossen den Grund gelegt haben. Möge nun Gottes Segen ans diesem Hause ruhen, damit es auch von ihm heiße: rrm "iss -n’Tixi 1x82 *jnm „Dein Beginn wird klein, dem Ende aber erhaben sein." T ü r k ei. Adrianopel. Durch eine große Ueberschwemmung hat namentlich das Iudenviertel großen Schaden gelitten; viele Juden sind um ihre Habe gekommen. Öst-Jndiem . Calcutta. Die hiesige jüdische Gemeinde hat durch den Tod eines ihrer geachtetsten und einflußreichsten Mitglieder des Herrn Elias Ezra einen großen Verlust erlitten. Er war der Sohn, des verstorbenen Herrn David Esra und gleich seinem Vater ein freigebiger Beschützer der jüdischen Unterrichts- und Wohlthätigkekts-Anstalten. Jur Jahre 1884 erbaute er zum Andenken an feinen Vater eine prachtvolle Synagoge, die eine der schönsten Gotteshäuser der indischen Hauptstadt ist. Maro c c o. Aus Demnat wird berichtet, daß die Nachricht, wonach der frühere Gouverneur, der die Juden so grausam behandelte, gestorben ist, eine falsche rvar. Derselbe befindet sich am Hofe des Sultans und scheint dort Günstling zu sein. Sein Einfluß auf den neuen Gouverneur in Demnat macht sich vielfach gellend.

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