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Der Israelit · 1886-03-18 · Heft 22 (18.3.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 22 (18.3.1886)
Date
1886-03-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Wechamaß. IV. Unter de» vielen jungen Leuten, welche sich ehedem auf -cu Jeschiboch dem Talmudsmdinm widmeten, waren stets einige,, die den dargebotenen wissenschaftlichen Stoff nicht -Zu bewältigen vcnnochmi.' Da gab es denn so manchen alten Bachur, der sein Lebe» kümmerlich fristete, wohl fleißig lernte, aber trotzdem nicht recht vorwärts gelangte.. Als Daniel von Gernsheim vom Kaiser veranlaßt wurde, seinen ständigen Aufenthalt am Kaiserlichen Hostager zu nehmen, war es seine erste Sorge, einen Mann zu engagiren, der ihn, wenn er in Gegenden verweilen mußte, in denen Juden nicht wohnten, mit jüdischer Kost versorgen tonnte. Er veranlaßte daher den Bachnr Nubcu, der um zehn Jahre älter als er selber war, zu ihm in ein dienendes Verhältnis zu treten. Rüben, der eingesehen hatte, daß sein längerer Aufenthalt auf d§r Jeschibah ihn nicht fördern tonnte, hatte sich entschloffen, in irgend einer Landgemeinde als Lehrer, Vorbeter und Schächter emen Dienst zu suchen. In Folge dessen hatte er das Handwerk eines Schächters gründlich erlernt. Daniel veranlaßte ihn, während der Monate, welche der Kaiser noch in Frankfutt blieb, sich gründliche Kenntnisse in der Kochkunst zu erwerben, und siehe da — ein bis dahin unbekanntes Talent hatte in Rüben geschlummert, und er entwickelte sich in kurzer Zeit zu -einem Kochknnstler ersten Ranges. Daniel besaß in dem treuen Menschen nicht aLein einen unentbehrlichen Diener, sondern auch einen Freund und Gefährten, mit dem er täglich mehrere Stunden dem Talmndstudinm oblag. Daniel war eine lehrhafte Natur und bemühte sich stets mit großer Geduld, den, ein wenig schrverbegreifenden Rüben in die Tiefen' des Talmndmeeres zu versenken und sicher wieder heraufznfnhren. Dafür hing Nnben mit unendlicher Liebe au seinem Herrn und wäre in jedem Augenblicke gern bereit gewesen, sein Leben für ihn zu opfern. Schon seit langer Zeit hatte Rübe» seinen Herrn zn veranlassen gesucht, sich ein Weib zu nehmen. Wie jubelte er daher auf, als dieser ihm verkündete, daß sie jetzt gemeisschafMch nach Worms reisen sollt«. - -- „Da wird sich auch« sagte er, „unter ben Töchtern der Stadt eine paffende Lebensgefährtin für Euch finden!" - ' . „„Und auch wohl eine solche für Dich,"" antwortete Daniel lächelnd. „Vielleicht.- doch das ist Nebensache. Die Hauptsache ist, daß ein Mann m Eurer Stellung ein Haus gründe in Israel." - > Der Kaiser gab seinem Berather ein sicheres Geleit mit, wie es damals nothwendig war in deutschen Landen, wo Stäuber in den Wäldern hausten und auf den zahlreichen Burgen Raubritter saßen. Alle traten hoch zu Roß die Reise an und waren, auch Daniel und Rüben, bis an die Zähne bewaffnet. Als Daniel sich vom Kaiser verabschiedete, reichte dieser ihm ein Diplom, in welchem er ihn zum kaiserlichen Rath ernannte. Es war ein wundervoller Maientag, als Daniel mit seinem Gefolge sich auf den Weg machte. Sie ritten von Tyrol aus, wo damals sich des Kaisers Hostager befand, au den Bodcnsce und folgten von dort dem Lause des Rheins. Ueberall, wohin sie kamen, wurden sie mit großen Ehren empfangen, wie cs sich für emen kaiserlichen Rath .und dessen Gefolge ziemte. In Speyer fanden sie die erste, große jüdische Gemeinde und hielten dort einige Tage Rast, um von den Strapazen der Reife auszuruhen. Das war ein großes Ereigniß für die Juden von Speyer, den berühmten Glaubensgenossen von Angesicht zu Angesicht zu sehen, der bem größten Herrscher der Welt so nahe stand und' der für die Juden des deutschen Reiches schon so .viel Gutes erwirkt hatte. Daniel und Rüben mußten beim ersten Vorsteher der Gemeinde, Michael, ans der weitverzweigten Familie Tryfus (Dreifuß) einkehreu, wahrend das übrige Gefolge bei ändern Gemeindenntgliedern einquartirt wurde. Im Hause Michaels versorgte Bella, eine arme Verwandte des Hausherrn, die Küche. Mit ihr schloß Rüben bald innige Freundschaft und lehrte sie Meisterwerke der Kochkunst, die dem Mädchen bisher unbekannt gewesen waren. Bella war eine gelehrige Schülerin und gewann sich das ganze Herz de» fremden Kochkünstlers. Als der Tag des Abschiedes herankam, sprach Nnben zu Daniel: . *; „Herr, Ihr habt mir gestattet, auf dieser Reise, ein Weib zu wählen. Nun, ich habe gefunden, was ich suchte. Bella ist mir gewogen, und auch ihr Verwandter, der Herr dieses Hanfes, ist damit

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