Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1886)
- Date
- 1886-03-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Personen, denen eine Satzung heilig ist, im Auge haben dürfte, noch um eine Abwehr, wie sie früher jüdischen Philosophen aufgcdrängt wurde; was hier von Katholiken und Protestanten gesagt, wird, ist rein dom Zaune gebrochen,, und warum? — der Beweggrund ist ersichtlich — eine captaüo benevotentiac den fteidenkenden Christen gegenüber, die die Schmähungen des Vers, über die oNhodoxcn Juden in jenen Kreisen noch wirksamer macken sollen. Wenn der Herr Vers, sich aber nur nicht verrechnet! Wissenschaftliche, ernst gehaltene Nntersnchnngen über den Dogmeninbalt seiner Religion vcrttägr auch der positiv Gläubige von Andersgläubigen, scheinen ihm die Resultate falsch, so können sie ja widerlegt werden: ein Urtheilsällen über die Bekenner ihrer Religion, eine Erörterung darüber, wieso die Leute so etwas glauben können, vertragt auch der fr« Denkende nickt, sobald dies von einem Andersgläubigen geschieht, das sieht man als ein unberechtigtes Sicheindrängen in die Angelegenheiten Anderer und, wenn dieses Urtheilen nicht frei von Spott ist, als unanständige Frivolität. Was soll man aber gar zu folgendem Satz sagen? „Ein altes Sprichwort sagt: wie fich's christelt, so jüdelt's sich. Und je freisinniger sich die christlichen Religionslehren entwickeln, je mehr sie sich -herausarbeiten,aus der Dreieinigkeit zum reinen Monotheismus, aus der Erbsünde zur Willensfreiheit, aus deui Wunderglauben und bloßen Predigen vom Gott der Liebe zur Innerlichkeit und wirkichcn Dcthätigung der Menschenliebe — nm so deutlicher zeigt sich die Verwandtschaft und das gleiche Ziel des freisinnigen Christemhums. Beide haben zum Endzweck: Gottvertrauen, Menschenliebe, sittliche Veredlung und gemeinnützige Wirksamkeit." Muß es nicht den Christen empören, wenn ein Jude ihnen gegenüber mit der Lehre austritt, daß sie sich aus ihrem Drogmcnglauben herausznarbeiten hätten, wenn sie sich sittlich vervollkommnen wollen? Wir werden im zweiten Thcil unserer Betrachtung auf diesen Satz in anderer Beziehung noch einmal zuruckzukommen haben. Herr Lehmann begeht also mit diesem Thcil seiner Expectorationcn einen doppelten Verstoß: Er wirft sich zum Meister über die Glanbensansichtcn Andersgläubiger auf, er schreibt ihnen vor, was sie glauben sollen oder nicht, er verletzt damit die heiligsten Gefühle derer, deren religiöses Thun und -Lassen ihn gar nichts angelst und zieht als Inde feine Glaubensgenossen in Mitleidenschaft, da er wohl weiß, daß man gewöhnt ist, sobald es sjA um Juden handelt, für die Ausschreitungen drs Einzelncn die Gesammcheit verantwortlich zu machen. Wir find uns wohl bewußt, daß es ssa gewisser Seite an Anklagen gegen uns nicht fehlen wird, daß ein Jude durch einen andern den Christen deunnzirr worden sei; wir werden das ruhig hinnchmen. Wir mußten hier öffentlich Protest einlegen gegen ein Verfahren, das wie kein anderes geeignet ist, dem Judenhaß neue Nahrung zuzuföhrcu; cs soll durch Stillschweigen unsererseits nicht erscheinen, als ob das Vorgehen des HerrnEmil Lehmann in jüdischen Kreisen BÄignna fände, wir wollen hier laut documentircn, daß die Acußernngcn des Herrn Lehmann über gläubige Christen und den Christenglauben er allein zu verantworten habe, daß die Juden dieses Gebühren des Herrn Emil Lehmann vernrrhcüen. Die Angriffe dieses Herrn auf das orthodoxe Judenthum werden wir in einem zweiten Artikel beleuchten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. P er s i e n. ■ ' * Teheran. (Schluß.) Statten wir nun jetzt dem gemeinschaftlichen Grabe von Esther und Mordechcn einen Besuch ab. Dasselbe liegt auf einem freien Platze in der Mitte der Stadt und ist von einem niedrigen Ziegelbau, der die Form einer Moschee hat, umschlossen. Das Gebäude ist durch eine Thür abzusperrcn, entbehrt aber gänzlich der Fenster. Die Schlüssel zu diesem Bau, nennen wir ihn Gruft, befinden sich in den Händen des Schames <Synagogendkeners), der zugleich auch den Führer beim Besuche dieser interessanten Stätte macht, was ihm ein kleines Nebeneinkommen verschafft. Betteten wir nun die Gruft. Da dieselbe gänzlich finster iß, so müssen wir die Wachskerze, die uns der Schames schon früher zu diesem Zwecke übergeben har, anzünden. Gleich beim Eingänge erhebt sich die schon erwähnte Kuppel ans Sandelholz, ein wahres Meisterwerk persischer Schnitzkunst. Hier also sollen die große Königin und ihr frommer, seinenr Volke, so inniglich zugethancr Onkel, ruhen! Wir küssen die Fußseite der Kuppel; stellen' auf derselben die brennende Wachskerze nieder und beten dann: „£, Herr, der Du voller Barmherzigkeit bist und in den höchsten Sphären thronst, gewähre eine würdige Ruhe im ewigen Leben unter den Flügeln Deiner Majestät und ans jenen Höhen, wo die Heiligen und »iciitcn stehen, die wie der Abglanz des Himmels strahlen und lenchten, der Seele der Esther, der Tochter Abihajil's, und der Seele Mordeckai's,