Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-03-15 · Heft 21 (15.3.1886) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 21 (15.3.1886)
Date
1886-03-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449622--23943-2513633
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

still. Da kamen die zwei Gesellen, die ich früher | durchs Fenster herein neigen ''ah, auf unser Bert zu; j die Lampe bräunte noch, und ich konnte die Gestalten ganz gut sehen; der Kleine hatte einen weißen Lcinwandkittcl an, einen Srrohhut, weiß und schwarz geflochten, mit einem Baude und nach unrcn hängenden'Streifen und am Hemde einen glänzenden Srahlknopf. Der größere Mann ergriff meine Schlasgenvssin (Sbaje mit starker Hand; ne sprang ans dem Bette, kniete vor dem Mörder flehte ihn an, ihr das Leben zu lapen, sie sei nur als Gast gekommen, habe ein kleines Kind zu Hause — umsonst, er drückte sie nieder und erschlug sie wie einen Hund. In demselben Momente wurde auch der Bclfcr ermordet. Als die Mörder zu uns eintratcn, verkroch ich mich unter den Strohsack, den Kopf unter das Kissen — so ließen sie mich üegen, denn sie dachten, es sei niemand mehr im Bette. Tie Mörder packten alle Habe ein und gingen sott. Als es zu tagen anfing und Alles längere Zeit ruhig war, hörte ich meine jüngere Schwester sagen: „Lea, du lebstUnd ich antwortete ihr. Sie hatte das zu todt venvundete Kind auf dem Arme; wir kleideten uns schnell an, liefen ins Dorf und erzählten alles Erlebte dem Dorfschulzen und dem Gendarmen Friedrich." Als uian den Mclnik und Jymczyszlm arretirte, fand man bei Erstercm auch die von Lca beschriebene Kleidung, den weißen Kittel, mit Blut gefärbt, den Hut und das Hemd mit dem bekannten Stahlkuopfe. Diese Sachen wurden gestern im Gerichtssaale einzeln bem Melnik vorgezeigt und von diesem als die seinigen anerkannt. . Auch die nenn Jahre alte Schwester Hude erzählt, was sie in der Todesangst gesehen, in folgender Art: „Ich hörte spät in der Nacht einen Leiterwagen vor dein Fenster anlangen, ich blickte hin und sah den Gorasz, den ich von früher kannte, durchs Fenster ins Zimmer schauen. Auf dem Wagen saßen noch zwei Männer. Ich versah mich nichts Bösen und schlief wieder ein. Als ich wieder erwachte, rief ich: Vater, ich will Wasser! Aber er antwortete mir nicht (er war schon todt); da kam Einer auf mein Lager zu und erschlug mit Einem Schlage seines Mordinstruments mein neben mir schlafendes fünfjähriges Brüderchen Wolf. Ich verkroch mich hinter die Decke, und so entkam ich glücklich dem Verhängniß. In der Decke war ein Loch, und durch dieses sah ich deutlich den Schmigl bei der Schublade und den Melnik beim Koffer Kleider heransnchmen." Die genannten drei Mörder wurden in andere Kleider gesteckt, aber von Hude mit den fünf Angeklagten sogleich erkannt. Auch der Lauer Dawl Sawzik, bei dem iLchmigk und Esraz nach der Mordchat die par Stunden, bis es Tag geworden, von der Nachtarbeit ansgcrubt haben, erscheint mitangcklagt. Ter Gendarm Friedrich saut aus, daß er bei der Verhaftung Schmigl's dcyen Kock und Beinkleid und auch die Hand mit Blut befleckt fand. Die Mörder jedoch verharren im Leugnen. Das Zcugenvcrhör ist geschloffen. Heute war Rctenverleürng. Morgen folgen die Plardsyers und das UUIflU. _ Tarnopol, 9. März. Das Urtheil über die Mörder, welche in der Nacht vom 28. auf den 29. August v. I. in der Schänke zu Glemboka den Schanker Haller und sechs Familienglieder desselben grausam ermordeten, ist heute gefällt worden. Tie Gcschworucn bejahten die Hauptfrage auf^ den begangenen meuchlerischen Raubmord, wobei sieben Personen ums Leben kamen, bezüglich Iwan Schmigl's mit 9 Stimmen Ja, Iwan Mielu i k's mit 12 Stimmen Ja, Wasyl Tymczyszyn v mit H Summen Ja: Semen Gorasz wurde der Thcilnahme am Raubmorde schuldig erkannt. In Folge dieses Berdictes wurden Iwan Schmigl, Iwan Mielnik und Wasyl Tymczyszyn zum Tode durch den Strang und Semen Gorasz zu 15 Jahren schweren Kerkers verurtheilt. Die Justificirung geschieht in der Reihenfolge: Schmigl, Mielnik, Tymczyszyn. A m e r i k a. ' Sau Francisco, 15. Februar. Hr. Adolph Sutro, der berühmte Ingenieur und Erbauer eines der größten amerikanischen Tunnels durch die Silbermmen von Nevada, läßt zu Purim an die Zöglinge des Hebrew Orphan Asylum 50 Biographien von Sir Moses Montefiore austheilen, welche von Dr. I. Fiebermann in Frankfurt a. M. veröffentlicht wurden, um auch hier im fernen Westen das gesegnete Andenken an den unvergeßlichen und unsterblichen Philantropen stets frisch'und lebendig zu erhalten. Bei dieser Gelegenheit wird auch an die Kinder, eine paffende Ansprache gehalten werden mit Hinweis auf den letzten Vers der Megillah, dessen Inhalt (Wort für Wort) auch auf Sir Moses angewandt werden kann, wie er bekanntlich seinen großen Borfahr Mordechai für alle Zeiten verherrlicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.