Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1886)
- Date
- 1886-03-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3 Üi. I g« 1' 367 31 Jahren, also ein Menschenalter hindurch seines Lmrcs als Seelsorger des hiesigen Bezirks uiü> seit einigen Jahren war auch die Verwaltung eines crlüngren Bezirkes in seine Hände gelegt. Von weirer Kerne strömten Freunde und Bekannte herbei, um dem verehrten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Tie außerordentlich große Thcilnahmc der beiden chrißlichen Eonsessioucn aus dem Bearmennnd Börgerstande beweist, welch hohes Ansehen der Hingeschiedene auch in diesen Kreisen genoß. Am Grade sprachen die Herren Rabbiner Dr. Sondheimer Namens des Gr. Overraths und Herr Dr. Eschelbachcr ans Bruchsal in gediegenen Vorträgen, in welchen sie ein getreues Lebensbild des trefflichen Beamten entwarfen. Die Worte unserer Weisen L'-Q'i npte by znzn rfaüz bp mnyn by rr«nn zy i&y chjn auf drei Dingen steht die sittliche Wcltordnung, auf Thora, auf Gottesdienst, auf Ausübung der Wohlthatcn haben sich an dem Dahingcschicdenen in glänzender Weise bewahrheitet und dieses Zeugniß, dem sich Alle anschlicßen werden, die ihm. im Leben nahe gestanden, sichert dem Verblichenen ein bleibendes Andenken. Möge die trauernde Familie in diesem Bc- Wußtscin ewigen Trost finden. Möge man an maßgebender Stelle dafür Sorge tragen, baß für das verwaiste Nabbinat recht bald ein würdiger Nachfolger gefunden werde. Berlin, 10. März. Die „Wahrheit" der Antisemiten, welche schon früher auf sehr schwachen Küßen stand, ist nunuiehr vollends c i n g e g a n g e n. Wer den Schmutz kennt, den das genannte „Witzblatt" bei Lebzeiten an das Tageslicht befördert hat, wird den Schmerz der Hinterbliebenen Antisemiten, zu würdigen wiffen. Der Siegener Stöckerproceß, der Sturz Rohlings, die Kopp'sche Broschüre, die steckbriefliche Verfolgung des Herrn v. Zerboni, der Proccß Ritter, wld das Eingehen jenes edlen Organs — mehr kann man in 4 Wochen gewiß nicht verlangen! Berlin, 10. März. Das Rcpräsentantcncollcgium der hies. jüdischen Gemeinde beschloß in seiner letzten Sitzung die Berufung eines 'vierten Predigers für die Kaiserftraßensynagoge, in der jetzt täglich Gottesdienst stattfinden soll. Eine neue geistliche Kraft ist mn so dringender nothwcndig,. als Herrn Rabbiner Dr. Frankl zn allgemeinem Bedauern seit langer Zeit ein schweres Nierenleiden seiner anrtlichen Thätigkeit entzieht und auf eine baldige völlige Genesung leider keine Aussicht vorhanden Ist. Öesterr.-Ungar. Monarchie. Tarrropol, 7. März. Die Schänke zu Glemboka bei Tluste bot anr Morgen des 29. August vorigen Jahres einen erschreckenden Anblick dar. Da lagen sieben Personen gräßlich hmgemordet mit gespaltenen Schädeln in Blutlachen, an den blmgefärbten Wänden klebte verspritztes Gehirn. Schranke und Koffer waren erbrochen und ihres Inhalts entleert. 3:i der Nacht vorn 28. auf den 29. August,: waren die Mörder mit Aexten und anderen Mordwcrkzeugen eingcdrungeu und batte» zuerst deu Schanker Mcchel Haller erschlagen, dann dessen Frau Golde, ihre l 6jährige Tochter Perl, den l 9jährigen Sohn Moses sammr dem fünf Jahre n alten Söhnchcn Wolf, ferner die 21 Jahre alte Anverwandte Ehajc Jütte und endlich den I6jährigen Kindcrlehrcr Mechel Leib Bar o n. Das einjährige Kind Pmi starb bald darauf an den erhaltenen Wunden. Als dringend verdächtig w^deu am selben Tage schon die Bauernburschen Iwan S ch migl und Semen Gorasz, der Schuster Iwan Melnik und der Koch Wasyl Tym czyszp n gefänglich emgezogen und stehen jetzt vor den Schranken des Gerichtshofes, um sich wegen , des besagten Verbrechens zn verantworten. Keiner von ihnen kann ein Alibi Nachweisen, und fand der Gendarm Friedrich bei der Verhaftung dieser Mordgesellen an deren Kleidern Blutspuren. Während die anderen drei Riesengestalten sind, ist Mielnik ein kleines, dürres Männlein von 30 Jahren, das kaum fähig erscheint, eine Fliege zu ködtcn. lind doch ist dieser unscheinbare Zwerg, den die wie durch ein Wunder am Leben gebliebene 13jährige Tochter des ermordeten Schankers, Lea, mit noch einem Andern durchs Fenster ins Zimmer kühn hineinfteigen sah, einer derHauptthätcr bei dieser traurigen Affaire. Ebenso wunderbar blieb ihre 8jähngc Schwester Hude am Leben. Erftere erzählt die schaudervolle Scene folgendermaßen: „Im Schankzimmer lagen mein Vater, meine Schwester Hude nnd die Brüder Michel und Wolf, in der Küche meine Mutter mit dem Kinde Pini, im dritten Zimmer ich und die Anverwandte Ehaje Jütte im Bette und der Belfer (Kinderlehrer) Mechel Leib aus der Erde bei der Thür aus einem Strohsackc. Ich erwachte durch ein Geräusch am Fenster und sah durch dasselbe zwei Männer einen großen und einen kleinen, hereinsteigensie schlichen" hin, wo der Vater und die Mutter schliefen, ich hörte Beide ermorden; der Vater ächzte: „Golde! Golde!" Dann ermordeten sie meine Brüder, welche Todcsschreic aussticßen, und dann — war Alles rv'-y>«