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Der Israelit · 1886-03-11 · Heft 20 (11.3.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 20 (11.3.1886)
Date
1886-03-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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da Las liebe! schon »eitere Kreise ergriffen hat. Um so anerkcnnenswender sind daher die Bestrebungen der Wenigen, die der Strömung zuwider es sich zum Ziele sexe». die Heiligung des Sabbats zu erhalten und zu fördern, was aber hauptsächlich dadurch geschehen kann, daß den jungen Leuten, die sich dctn Kaufmannsstande widmen, Stellen verschafft werden, au denen idnen die Beobachtung des Sabbats ermögiicht wird Rußland. Petersburg. Nach den lepten hier vorliegenden Nachrichten aus Bokbara läßt sich die 3!cgiernng des neuen und jungen Emirs Abdul-Ahad in Betreu der Inden seines Landes so ziemlich gut cn, indem er denselben bisher keine neuen Beschränkungen aurcrlegr und auch keine neuen rmu t Verordnungen) gegen sie erlapen har. Jndcß haben dieselben noch an ihren alten vom Later und Großvater des Emirs ihnen anferlegten Beschränkungen und Gebote genug zu tragen nnsn by n. nrrscr* und bedarf es daher für sie nicht noch neuer Leiden und Äusuahmsordonnanzen. So müssen dir Juden Bokharas noch heute, wenn sie über die Straßen gehen, einen Strick um ihren Leib binden und -ein Stück davon hinten nachschleppen lasien. Abgesehen von der Schande und Schmach, die damit verbunden ist, wenn ein Theil der Bevölkerung eines Landes sich durch ein besonderes Abzeichen, das noch dazu das Symbol der niedrigsten Sklaverei ist, kenntlich machen muß, ist dies auch noch von den übelsten Folgen für den Handel und Verkehr begleitet, da man sich ja förmlich schämt, in den Laden eines .Kaufmannes zu treten oder mit diesem ans der Gasse zu sprechen, der mit einem Zeichep der Schande gebrandmarkt ist. Und welchen Gehorsam kann nun ein Herr von seinen Dienern fordern und erwarten, wenn dieser, als Mohamedancr, cin freier Alaun ist, jener dagegen, als Jude, noch wie ein Paria behandelt wird und überallhin den Strick mit sich schleppen muß. Unterläßt es aber der Jude dieses Schändlichen auznlegen, so wird er sogleich von den Zaptiehs (Häschern) des Emirs ergrinen und auf das nächste Polizeiamt geschleppt, wo er dann zur Strafe einen größeren Geldbetrag zu erlegen hat, und es dabei noch als ein großes Glück betrachten darf, wenn er nicht zugleich auch einige Kuutcnhiebe erhält. Die fanatische Bevölkerung Bokharas wartet indes; gar nicht bis die Polizei den Juden an seine Pflichten erinnert, sondern spielt oft selbst Polizei, prügelt den Juden durch und zwingt ihn zuletzt, irgend einen faulen, schmutzigen Strick mit der, Leib zu legen. Der Jude darf dann selbstverständlich nicht zzrszt eine gerichtliche Klage gegen seine Angreifer ergeben. Von dem Tragen dieses schmZHUHrn Abgelchens sind nicht einmal die Hoflieferanten des Emirs oder die Vorsteher und Ehachamim der demtbht befreit. Das zweite Leiden der Juden BokharaZ besteht wieder darin, daß sie von den eingeführteu fremdländischen Waaren um I5ö°/0 mehr Zoll entrichten müssen als die Mohamedancr. Zahlt nämlich der Bokharese von irgend einer importirten fremdländischen Waare vier Rubel Zoll, so muß der Jude davon zehn Rubel zahlen, wodurch dieser natürlich gezwungen wird, seine Waare bedeutend thenerer zu verkaufen als der mohamedanische Geschäftsmann. eine Zollpolitik, mit der Letzterer selbstverständlich vollkommen eitwerstanden ist. Da es nun in Bokhara keine Zollschranken gibt , so wird der Zoll von den cingeführteu Waaren im Hause des betreffenden Kaufmannes selbst eingehoben, wobei derselbe oft auch den größten Chikanerien ansgesetzt ist. Unterläßt es aber der Jude, die Behörde davon zu verständigen, daß er fremde Waaren importirt habe, so hat er, wenn dann sein Verbrechen entdeckt wird, statt 150°/0 600°/o an Zoll zu entrichten. Ein solches Verbrechen bleibt aber selten unentdeckt. Jeder Bokharese nämlich ohne Unterschied ob er Mohamcdaner oder Jude ist» der die Behörde wonirgend einem stattgeftlndenen Schmuggel benachrichtigt, erhält von der Straffnmme, die der Schmuggler zu erlegen hat,.ein Drittel, während die übrigen zwei Drittel dem Fiscus zusalleu. Diese schotte Remuneration vermag aber auch manchen Inden zu verlocken, nur an seinen Glaubensgenossen, oft sogar auch an seinem nächsten Anverwandten, zum Lerräther zu werden. Viele jüdische Kaufleute Bokharas haben daher oft irgend einen mohamedanische» Handwerker oder Lastträger zum Eompagnon, selbstverständlich nur nominell, damit er die cingeführteu fremden Waaren übernehme und für dieselben de» landesüblichen Zoll erlege. Man sieht, auch die grüßte und schmählichste Knechtschaft vermag den Geschäftsgeist der Juden nicht zu tödten. Das dritte Leiden unserer Glaubensgenossen in Bokhara besteht wieder daritt, daß' sie ihre alte Synagoge (nrn rossy r?2) in der Hauptstadt, die schon längst baufällig uttb dabei auch zu klein ist für die Zahl ihrer Besucher, nicht niederreißen und durch eine nette ersetzen lassen dürfen. Die Hofastrologen haben nämlich schon vor Jahren ihr Veto gegett bcn Umbau dieses Gotteshauses eingelegt, indem sie verkündeten, daß ein solcher Umbau den Tod des jedesmaligen Emirs herbeiführen würde. Wenn man nun erwägt, daß der Schah von Persien wäh-

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