Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1886)
- Date
- 1886-03-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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uns in anderer Werse erstehen.' Da entschließt sich die Königin, ihr Leben zu wagen Hr ihr Volk; nicht ober vertraut sie ihrem Einfluge, sondern lediglich der Hilfe und dem Beistände des allmächtigen Gottes. Sie laßt ein dreitägiges Fasten anordnen, dem sic selbst mit ihren Hofdamen sich nicht entzieht. : Der allmächtige Gort erschauet gnädiglich die Buße und Rückkehr des bedrängten Volkes. „Siebe, es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels!" Gr, der treue Wächter, verscheucht den Schlaf vom. Lager des Königs Ahaswer, erhebt den verfolgten und verachteten Mordcchai, dcmüthigt den blutdürstigen Haman. Was dieser gegen Israel geplant, kömmt auf sein eigenes Haupt; er und seine Söhne erleiden den vielfach verdienten Tod. Die Mordbefehle werden znrückgenommen, und Mordcchai tritt an die Spitze der Negierung des großen persischmedischen Weltreichs. Ein gewaltiger Umschwungs vollziehet sich in Bezug auf den Zustand der Juden. Sie, bisher verhöhnt, verachtet, verfolgt, dem Tode prcisgegeben, werden jetzt hochgeschätzt und geehrt als Stammesgenossen des großen Mordcchai. Aber dieses unerwartete Glück, diese plötzliche Erhebung macht sie nicht übermüthig und läßt sie nicht vergessen, daß sie Gott allein ihre Rettung verdanken -ipn prw nnsn rrns* nrvn „Den Inden ward Licht und Freude, Wonne und Würde." mw min „Licht, das ist die Gotteslchrc." Sie hatten nunmehr erkannt, daß die Thora das Licht ihres Lebens ist, und daß Finsterniß Israel nnchüllt, wenn es die Thora verläßt. 2D vi' n nn2L' „Freude, das ist Festtag." Die vorher vergessenen Sabbate und Feiertage wurden wieder in ihr altes Recht eingesetzt. Nachdem ihr Leben in so großer Gefahr geschwebt hatte, waren' sie gern bereit, einen Theil ihrer Leit dem Dienste des Ewigen zu widmen. r6*o n pircn „Und Wonne, das ist die Beschneidung." Die Beschneidnng ist ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und Israel. Gott hatte es wieder einmal bewährt, daß- (St treu festhalt an dem Bunde mit seinem Volke?ma wr> ]ru *pe. Wenn Er auch manchmal gestattet, daß die Seinen — zu ihrem eigenen Heile — in Notb und Gefahr gerathcn, so wird Er doch ewiglich Seines Bundes gedenken und nicht zulassen, daß sie irr der Gefahr umkommen. Diese Ucberzcngung erwirkte, es, daß die Inden nnnmehr wonniglich sich des BmldcSzcichens freuten, welches sie mit Zuversicht erfüllte für alle Zeiten. tw „Und Würde, das sind die Tepbillin." Die Tcphittin auf unserem Arm, betn Herzen gegenüber, hadert die Bestimmung, die Kraft unsres Armes und die Empfindungen unsres Herzens unsrem GE zu unterwerfen; die ThcphiLin auf unsrem Haupte, dem Gehirne, dem Siye unsrer Gedanken gegenüber, sollen alle unsre Gedanken dem Dienste d^ Ewigen weihen. Und das ist die höchste Würde» die wir verlangen können, zu sein erkorene Diener des Mmächtigen Gottes, des Schöpfers ^dcs Weltalls. Er» der das große Universum geschaffen hat» es lenkt und leitet, vor dem die mächttgsten Herrscher kaum mehr sind als ein Stäubchen, das im Sonnenstrahl sich wiegt. Er der die Throne erschüttert und die mächtigsten Reiche in Nichts zerfallen läßt. Er hat unauflöslich Seinen Namen verbunden mit dem mrserigen und zum Zeichen dessen uns den Tephillm- ' schmuck verliehen, „auf daß sehen alle Völker» daß der Name Gottes genannt wird über uns." Gibt es eine größere Würde? (Fortsetzung folgt.> Literarischer Bericht. O'2-Q "iTrr O2I2L72. Da wird uns zu unsrer Erheiterung eine gedruckte Predigt zugeschickt, deren Verfasser den stolzen Titel Oberradbincr Dr. H. L. Reich zn Bonyhad kn Ungar» führt. Ein wahres Bajazzo-Product. Man kömmt aus dem Lachen nicht heraus. Schon das Motto: Tor n:j? stimmt heiter; wenn man liest, wie auf 18 Seiten die Narrheit fich breit macht, so ist das in der Thai ein köstlich gewähltes Motto. Aus 11 Seiten rühmt und lobt der Mann die Demuth und fängt dann an, sich in maßloser Wesse zu überhcben und auf die jüdische Orthodoxie seines Vaterlandes zu schimpfen; namentlich auf die Bachurim hat er es abgesehen, nennt sie „von einer cgyptischen Plage hcimgefucht," bespöttelt ihren Anzug, und die orthodoxen Rabbinen Ungarns bezeichnet er als „die Jncarnation der raffinirtestm Verworfenheit." Wie stolz mag dieses Doctorchm und Oberrabbinerlein auf die Fülle der von ihm gebrauchten Fremdwörter sein! — Dabei citrrt er selbst die Aussprüche der heiligen Schrift und des Talmuds, die cs verbieten, den Nebenmenfchen zu baffen, zu verleumden und öffentlich zu beschämen! Wir haben jetzt dein vom Verfasser gewählten Motto entsprochen und „dem Thoren nach seiner Thorbeit geantwortet." Noch länger sich mit dieser Harlekins-Schrift zu beschäftigen, hieße derselben zn viel Ehre erweisen.