Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1886)
- Date
- 1886-03-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449621--23905-2513594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LXVV. Z-LrZ-u-g. ' ' ,/M 20« ----- - ■ ErN . - Kenlrak - Hrgan für das orthodoxe Jüdenthum. Herausgegeben von Dr. LehrrrsÄs in Mainz. Donnerstag, de» N. Marz SS4S (L88S). Leitende Wrtikel. Zum Ultrimfekke. n. Mai uz,.8. März. „Und iu jeglicher Provinz, - au jedem One, wohin das WoN des Königs und sein Gesetz gelangte, war große Trauer den Inden und Fasten und Weinen und Klage, in Sack und Asche hüllte sich die Menge." Herzerfreuend ist, was in dem vorstehenden Save die heilige Schritt über den Eindruck berichtet, welchen der Mordüesch! Hamans auf unsre Väter in der babylonischen Gefangenschaft machte. Plötzlich war es ihnen zum Bewußtsein gekommen, daß wir keinen anderen Helfer haben denn Gott allein. Nicht wird uns erzählt, daß irgend welche Schritte geschehen seien, um Einfluß beim Könige oder bei Hamau zu gewinnen. Die Armen wußten wohl, daß Derartiges vergeblich sein würde. Der. König — wer durste zu ihm sagen: Was thust Du? Ein Selbstherrscher, der unumschränkt über Leben und Eigenthum aller seiner Unrcrtharien verfügen konnte! Und Haman? Ein Minister, welcher 10,000 Kickar Alber, ungefähr 89 Millionen Mark nach unsrem Gclde, wegzuschenkcn hatte, wodurch durste man den zu gewinnen hoffen? Wenn man bedenkt, daß vor circa 2500 Jahren der Werth des Geldes ein ganz außerordentlich höherer war, als heutzutage, so übersteigt die Höhe der von .Haman gebotenen Summe jede Vorstellung. Vor 800 Jahren, kostete die Verpflegung eines Soldaten nebst allem Zubehör ungefähr 4 Thaler für das-ganze Jahr, während gegenwärtig dafür 250 Thalcr berechnet werden. Demnach hatte das Geld vor 800 Jahren einen v'.facherl Werth. Es ist anznnehmen, daß vor 2k»no Jahre» der Werth des Geldes ein noch bedeutend größerer war. Andererseits ist zu berücksichtigen, daß die Gewalthaber in den weltbeherrfchenden Nationen Rerchthümcr befaßen, im Vergleiche mit denen die Besiythümer der reichsten Leute unsrer Zeit nur geringfügig erscheinen. Der. Raub der Nationen floß in die Schatzkammer des großen Königs und wurde von diesem an seine Günstlinge verschenkt. Was konnten die. armen, ans ihrer Heimath vertriebenen Juden aufbringen, was dem Ahaswer oder dem Haman begehrenswertst erschien? Auch der Gedanke lag den Bedrohten fern, sich mit bewaffneter Hand gegen die Vergewaltigung zu schützen. Jede Zufammenschaarnng hätte nur ihre vorzeitige Vernichtung bewirkt! — Dagegen wird uns erzählt, daß „eine große Trauer" än sie erfaßte. Dieser Ausdruck bedarf der Erklärung, Man hätte erwarten sollen, daß Schreck, Angst, Furcht-, Verwirrung sie ergriffen hätte. Wainm trauerten sie? Sie bettauerten ihre» Abfall vom Gottesgesetze, ihre Untreue gegen den Vater im Himmel, ihre Vernachlässigung der jüdischen Pflichten. Die Trauer war ein Ansdruck der Rene, und zu der Reue gesellte sich sofort die Buße. Man enthielt sich der Speise und des Trankes, um fastend desto inniger zu Gott beten zu können. Weinend klagten sie dem Allgütigen ihr unendliches Leid. .In den Synagogen und Lehrhäusern versammelten sie sich, nm gemeinsam zu beten und gemeinsam in Bezug auf die jüdischen Pflichten sich belehren zu lassen. Nur von Gott erwarteten sie Hilfe und Rettung. Selbst Mordechai, als er die Königin Esther veranlassen wollte, sich beim .Könige für ihr Volk zu verwenden, betrachtctc die Fürbitte der Königin nur als ein Werkzeug in der Hand des allmächtigen Gottes, und da Esther anfangs sich weigert, den gefahrvollen Schritt zu thun, verliert Mordechai die Hoffnung nicht und spricht getrost: Freiheit und Rettung wird