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Der Israelit · 1886-03-04 · Heft 18 (4.3.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 18 (4.3.1886)
Date
1886-03-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Tode inner seinem Volke fortlebe. *rrr«2 n> ua Um seinen frommen und wohlLSLigen Werken jedoch die Krone auftufetzen und sich ein die Zeiten und Geschlechter überdauerndes Denkmal zu errichten, erbaute er hier die nach ihm benannte Synagoge, stattete sie aufs Herrlichste aus und schenkte ihr auch einige c-es, die er auf seine Kosten hier, in Pumbedüha und Nabardeah schreiben hatte Lassen. Isak fand auch hier seine Ruhestätte, doch schmückt kein Denkstein sein Grab, da es in unserer Gemeinde nie üblich war und es noch heutenicht ist, den Todtcn ncss (Grabsteine) zu errichten: :c:rc; an arrrycT cmn a-p-vrrvr?j rr-.y „Den Frommen errichtet man kein Denkmal, da ihre Lehren und Tharen ihre Denkmäler sind." Er wurde mit fürstlichen Ehren zu Grabe getragen, Vs"*" b H rsD’i und ganz Israel im Khalifenreiche weinte um ihn. Auch seine Nachkommen sind alle weggesiorbcn und nur das non ihm erbaute Gotteshaus cxistirt noch und wird fortbestehen, so lange Juden in der Kalifenstadt wohnen werden. Auch wird noch heute sein Name bei den maasm (Seelengebetcn) am Vorabende des Versöhnungstages in den hiesigen Synagogen erwähnt. Israel war ja immer dankbar seinen Wohlthätcrn. Aber nicht nur sein Volk, sondern auch die Mohamedaner hier halten das Andenken Ifak's hoch in Ehren und ist cs bei denselben noch heute Gebrauch, daß, wenn eine Mutter zwei oder mehrere Kinder dnrch den Tod verloren hat, so widmet sie ihre nächste Leibesfrucht dem „Schcikh Isak", damit er dieselbe unter seinen Schutz nehme. Dieses Kind wird dan von einer großen und festlich gekleideten Menge, der mehrere Fahnenträger vorausschrcitcn, unter Trompetenschall und Trommelgewirbel in die nach diesem Gottesmanne benannte Synagoge getragen, um hier nach islamitischen Ritus beschnitten zu werden. Die draußen vor dem Gottcshause harrende Menge feuert nnterdcffcn zu Ehren Jsak's zahlreiche Rcwolver- und Pistolenschüsse ab. Ein solches Fest hat erst vor einigen Tagen hier ftattgefunden und kostete dasselbe dem Vater des Jungen etliche tausend Piaster nebst einigen Pfund Pulver. Nach mündlichen Hebcrlicstrnngen in der hiesigen Gemeinde soll dieser Gebrauch dadurch entstanden sein, weil Isak auch für seine Zeit große mcdicinische Kenntnisse besaß nnd so hier manches Kind vom sichern Tode gerettet hat. Jedenfalls ist dies ein höchst eigemhümlicher Gebrauch, und verdient er daher auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden. So lebt Isak im Gedächtnisse der hiesigen jüdischen und moliamedauischen Bevölkerung noch fort, und Tank dem „Israelit" wird sein Name mm auch der großen und anfgettärtra deutsche» Rsttsn wieder ms Gedächtniß xurückgerufen werden. Feuilleton. Aer Waker. . ix. Wenige Monate nachher finden wir Alfred und Rosette ans der Reise nach Deutschland. Ihr nächstes Ziel war Düsseldorf, wo Alfred seine ehemaligen Lehrer anfsnchte. Sie hatten schon von den großen Erfolgen ihres früheren Schülers vernommen, und beglückwünschten ihn auf's Herzlichste. Dann fuhr das junge Ehepaar rheinauswärts. Nicht allein für Rosette, auch für Alfred waren die herrlichen Rheinufer von Bonn bis Mainz etwas ganz Neues. Sie boten dem Künstler viele Anregung, und sein Skizzcnbnch füllte sich. Sie wollten noch einige Tage in Mainz verweilen und von dort aus Ausflüge nach den umliegenden, schönen Badeorten machen. Da aber wurde Alfred plötzlich von heißer Sehnsucht nach seinen! Vater erfaßt; sie benutzten den Courierzug, um schon anderen Tages in B. anzukommen. Abraham Mendel fühlte sich sehr, schr einsam.. Er hatte es nicht über sich gewinnen können, sich wieder zu verheirathen, nnd nach der Flucht seines Sohnes hatte er fast ausschließlich seine» Geschäften gelebt. War er schon zuvor ein reicher Mann gewesen, so hatte in den jüngstverflossenen Jahren sein Vermögen sich ganz bedeutend vermehrt. Aber was half ihm sein Reichthum? Sein Sohn war fern, und er konnte ihm die Flucht aus dem Vaterhause und die Widersetzung gegen die väterliche Autorität nicht verzeihen. _ Er saß eben beim Mittagsmahle, das er allein verzehren mußte. Wenn sein Sohn seinem Willen gemäß geratheu wäre — jetzt war er in dem Atter, daß er heirathen könnte, und neues Leben wäre in das einsame Haus eingezogen! Sollte er ihn zurückrufen? Er hatte sein einziges Kind nie ganz aus dem Auge verloren, sondern immer Nachrichten über ihn einzuzichen gewußt; er kannte daher seine Adresse. Aber nein, der Junge hatte ihn heimlich verlassen — er mußte zu seinem Vater zurückkehren. O, wenn er znrückkehrcn wollre, es sollte Alles vergessen, es sollte ihm Alles verziehen sein! — Aber die Künstler nnd besonders die Maler sind ein eigenthünllichcs Volk, die ihren eigenen Codex haben und nicht wie andre Menschen sein wollen! Was gilt ihm der Kummer eines alten, vereinsamten Vaters? Er jagt nur seinem Phantom nach, das er die Kunst nennt.

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