Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1886)
- Date
- 1886-03-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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„Auch eure Zurrst, vrre solche FarSerrklexerel! Seitdem die Wstsgraphie erfunden ist, hat sie gar kernen Werth mehr. Früher war es noch wichtig, das Bild einer griiebieu Persou oder eines bedeutendes Mannes Zu besitzen. Jetzt aber wird das durch die Lichtbilder viel naturgetreuer und ähnlicher hergefteLt als es der Pinsel des Malers vermag. Wer ^wird noch solch ein Narr sein, sich malen zu layen? Auch die nndcrn Bilder haben ganz ihre Bedeutung verloren. Seitdem der Oeldruck erfunden ist, kauft man das schönste Bild für einige Mark, das früher Hunderte oder Tausende gekostet hat. Wer wird so Lhöricht fern, für ein Oelbild viel Geld auszugeben, wenn ein Oeldrnck um den hundertsten Theil zu haben und eben so schön ist? Da ist nun das Bild dort, das so viel Gew gekostet hat — ein Oeldrnck würde dieselben Dienste leisten; das heißt mir nicht; denn für mich ist das eine so überflüssig wie das andere. Ich dm einmal kein Freund von Oelgemälden. Auch für eine Photographie Geld auszugeben halte ich für Verschwendung." „Herr Mendel" sagte eintretend die alte Haushälterin, „ein Fremder wünscht Sie zu sprechen. Hier ist seine Karte." Mendel nahm die Karte und las. ^.Monsieur L. Blum de Paris. Das ist, glaube ich. die Mittelsperson, die Freund B. beauftragt hat. Wenn er mir directe Nachrichten von Alfred brächte oder gar eine Aussöhnung vermitteln wollte? - Er soll rintreten!" Die Magd ging hinaps» und ein junger Mann trat ein. Er wollte dem alten Herrn sich nähern. Da blieb er wie gefesselt stehen. ' „Das Bild," stammelte er, „dieses Bild, wie kömmt dieses Bild hierher?" Erstaunt blickte Abraham Mendel aus seinen Besucher. „Mein Herr," sagte er, „was wünschen Sie von mir." „Ah," rief der Fremde, ,',ich durchschaue jetzt den Zusammenhang.' Mein Vater, mein guter, lieber Vater, kannst Du Deinem ungehorsamen Sohne verleihen?" „Alfred!" jubelte der alte Mann und breitete seine Arme ans, in die sich Alfred, mit den! lauten Ruse: „mein Vater!" stürzte. Lange hielten sich die Beiden umarmt. Beide weinten, Alfred gar sehr. „Mein geliebter Vater," sagte dieser dann, „wie kann ich Dir genug danken! Zuerst für Deine Verzeihung, und dann dafür, daß Dn mir znm! gsritca Male das Leben und mehr als das ge-! gebe». Du hast mich von meinen Verirrungen ab-! gebracht, durch Deinen weisen Rach bin ich auf i den rechten Weg gelangt, habe ich in der Kunst Erfolge errungen." . „^Durch meinen Rath! Kind, ich verstche Dich nicht. Wie sollte ich Rach ercheilen in einer Sache, für die ich gar kein VerstLndmß habe?"" „O, spotte-meiner nur! Wie Unrecht habe, ich doch gethan, Dir das Verständmß für die Kunst abzusprechen! Du hast mir das Sujet für das Bild da angeben und mich auffordern lassen, von dem von mir betretenen Wege abzugehcu." „„Ich verstehe Dich nicht."" „Wie kömmt denn dieses Bild, „der Siegesgesang der Deborah," hierher, wenn Du es nicht bestellt hättest?" „„Ich erfahre erst jetzt, was das Bild darstellen soll. Ich habe mir, seitdem ich es habe, vergeblich den Kopf darüber zerbrochen. Das soll also die Prophetin Deborah sein? Ich glaube ebensowenig, daß Deborah so ausgesehen,' wie ich glaube, daß Ahron und Moschehauf dem Titelblatte meines Amsterdamer Machsors den beiden großen Brüdern ähnlich sehen."" „Aber, lieber Vater, so erkläre mir doch, wie dieses Bild in Deinen Besitz gekommen." - „„Jedesmal, wenn ich hörte, daß es Dir schlecht ging, habe ich Dich unterstützen lassen. I» Düsseldorf habe ich durch Vermittelung von Geschäftsfreunden dafür gesorgt, daß Dir in einigen Familien der Unterricht im Zeichnen übertragen wurde und habe stets Geld daraufgelegt, damit .Tu anständig honorirt werdest."" V „Du guter Vater!" „„Als ich mm vernahm, daß Du mit Deinem Bilde in Paris nicht rcüssirt hattest, so wendete ich mich an Freund B. hier, der Verbindungen in Paris hat, ich selbst mache dorthin keine Geschäfte, und bat ihn, bei Dir für mich ein Bild um '1200 Mark — 1500 Frs. — bestellen zu lassen und Dir die Hälfte gleich vorauszubezahlen. Nach drei Monaten erhielt ich Nachricht, Du hättest ein ganzes Jahr an dem Bilde zu arbeiten und verlangtest 6000 Frs. dafür. Ich gab meine Einwilligung und erhielt vor ungefähr 14 Tagen das Gemälde dort."" - „O, mein geliebter Vater- Du weißt also noch gar nicht, welchen großen Dienst Du mir erwiesen! Herr Blum in Paris, dessen Karte ich Dir vorhin schickte, hat mir angeblich in Deinem Aufträge Nathschlägc ertheilt, für die ich ihm ewig dankbar sein werde." Alfred erzählte mmmehr seinem Vater, welche