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Der Israelit · 1886-03-04 · Heft 18 (4.3.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 18 (4.3.1886)
Date
1886-03-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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aiitrciro, ist das Gehetmniß ttuc* jeden Erftrlges int öficnüichen Leben. Nach dieser Lesart wäre eigentlich die Antipathie Dr. Gotthclls gegen Wise. der Grund des ganzen Aufruhrs und der jetzige Führer in der Opposition gegen Wise, Dr. Kohnt (als Gründer des Eoncurrenzinstitttts) ist erst hineingezogen worden. Das sitld interenante Zugeständnisse, die Dr. Kohnt umsomehr in ein schiefes Licht bringen sollen, als er es war, der kurz vor der Pittsburger Constrenz Sonnenschein von seinem Pulte aus predigen lictz. Doch Kohnt war kurz hier und kann sich in Sonneschein getäuscht haben; er glaubte vielleicht S. und Eons. zu sich hierüber ziehen zu können — eine altdeutsche Denkungsweise. Dr. Gottheil ist der einzige Neutrale im Kampfe der konservativen und Radikalen, der den Namen verdient, den-ich ihm in einer meiner früheren Korrespondenzen beilegte, „der schlaue Diplomat." Auf der einen Seite opponirt er Wise, während anderer Seits seine rcformatorischen Ansichten ihm einen Anschluß an Kohnt, Morais und Konsorten nicht gestatten. Ta sich nun das allgemeine Interesse jetzt um die beiden Parteien coneentrirt, kömmt der Rabbiner der ersten Gemeinde Amcrika's, des Tempels Emanuel, Dr. Gotlheil in Vergessenheit; allein das kann er nicht dulden und so nimmt er denn das Beispiel der Ritter von ehedem, die in Ermanglung richtiger Kämpfe, Scheinkämpfe aufführten. Er gestattet Nichtrabbinen Vorträge während der Woche zu halten und die bieten ihm dann Stoff zu Zuftimmnngen und Entgegnungen, ohne daß er dann angewiesen ist gegen seine Eollegen anfzntreten. So sprach letzten Dienstag Abend im Tempel ein Herr Snlzberger ans Philadelphia, der in wundervoller Rede die Tendenzen des conservativen Indcuthums vor einer zahlreichen Zuhörerschaft vertheidigte und in gelungener Weise die Pittsburger Bestrebungen zurückwies. Solche Vorträge im Tempel Emanuel sind tun: denkbar, wenn man von den vorherstehenden Bemerkungen ausgeht. Die Redner, die Gottheil einlädt, meinen es Ernst und wenn G. es auch, nicht so meint, so kann doch auch hier manche gute Saat ans fruchtbaren Boden fallen. Herr Rabbiner Dr. Sänger in Bingen war so freundlich an meine Berichte anknnpsend einige seiner Eollegen hier zu charalterisiren und sind seine Mittheilnngen bereits in die hiesige Presse übergegangen. Hiezu ergänzend bemerke ich, daß Dr. Schreiber jetzt seine Boniilon in Los Angelas im fernen Ealiforitirtt genießt; derselbe sott, wie ich höre, einen guten Posten haben; er schreibt jetzt öfter für den ..jüdischen Reformer", wo rnan aber bisher seine Ansichten über bat Unterschied der SnpprnrMQ! nicht finden konnte. — Die Mittheilnngen über Sonnenschein find hier nicht neu, wenngleich ferne frLereu Beziehungen zur deutschen Orthodoxie rächt so hzxmmt find. Köhler ist der einzige der Hervorragenden, der schon von Europa radikale GesinuunZ mubrachte. Um nun zu Localneuigkeiten überzugehen, sei zu erwähnen, daß in nächster Zeit die Gemeinde „Likur Ehotim", die bisher ihr Gotteshaus in der unteren Stadt hatte, im oberen Dherl derStadt ein großes Gebäude aufführen läßt, worin Alles nach altem Ritus hergeheu soll. Das projettirte Seminar hat dieser Tage eine erste Gabe von 1000 Dollars erhalten; cm schöner Anfang immerhin. Dieser Tage kam es hier vor, daß einer der vielen Reverends (natürlich einer der weniger Bekannten) ein Paar traute, dessen einer Theil nach der Ecrcnomie sich als Bekenner der chriAichen Religion entpuppte. Der Reverend hatte seine 5 Dollars und die Sache war erledigt. Commcntar überflüssig! Unter der weniger bemittelten Claffe der jüdischen Bevölkerung gewinnt die Colomsationsidee immer mehr Anhänger; diese Woche sind ungefähr 20 Männer nach dem Westen gereist, um sich dem Landbau zu widmen, und eine größere Anzahl soll demnächst folgen. Der hiesige Verein für Eolonifation ist bemüht fein Bestes zu thun, um der Colonisationsidee immer ntchr Freunde zu gewinnen und es wäre zu wünschen, daß diese Agitation auf fruchtbaren Boden falle. Es ist dies um so mehr zu wünschen, als nach alten Anzeichen zu schließen die Einwanderung in diesem Jahre wieder ziemlich größere Ausdehnung annehmen dürste und in den Städten für Arbeitskräfte der Bedarf nicht im Einklang zur Nachftage steht. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutsch!« «b. Frankfurt a. M. Dem Einnndzwanzigsten Rechenschaftsbericht für das Jahr 18^'>dcr „Achalva", Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrcr-Wittwen und -Waisen in Deutschland entnehmen wir: Unserem Lynchte für das abgelaufene Jahr l*K5 können wir zu unserer großen Genugtbunng die Bemerklmg vorausschicken, daß sich die Thätigkeit unseres Vereins immer erfreulicher und jegensvoller entfaltet. An JahreSunterstützungen (Pensionen)

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