Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1886)
- Date
- 1886-03-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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stets eia Gefühl der Sehnsucht nach des Stätten, ws die Wiege Mfsrr Ration gestanden, ws allenL- Lalbeu die Spuren unserer Urahnen vor Augen arten. Werden, wie ich von vielen Säten zu hören Las Vergnügen habe, Weine Berichte auch mit nicht geringerem JrirereM wie diese gelesen, so glaube ich denn doch immer, daß die Dinge, die ich zu berichten habe, sehr oft für das religiöse GeMl des werchen Lesers nicht so angenehm wie die Berichte aus dem Orient find. Doch ländlich — sittlich; im fernen Palästina erwartet und erfleht man mit aller Inbrunst die Ankunft des rrrc; hier sehen die meisten Leute in der Erlangung des Vergänglichen die Ankunft ihres rwv, und da sie keinen Einblick in das Jenseits thuu können, so unterhalten sie sich manchmal damit, daß sie ans eigener Phan- . tasie cm Bild des Jenseits Herstellen. So hat die „Debora" in den letzten Wochen sich erzählen lassen, wie sich die guten Geister im Jenseits unterhalten und in diesen „Mitthcilungen aus dem Jenseits" werden die Herren Rabbinen Einhorn, Lilienthal, Hübsch und Vidaver vorgeführt, die ihre Ansichten über die Zustände in dem Amerikanischen Judenthum austauschen. DasJntcressäntesic in diesenZwiegesprächen ist unbedingt die Aeußerung, die Dr. Wise dem verstorbenen Dr. Hübsch in den Mund legt und die zeigt, aut die Pittsburger Conferenz entstand. Da Dr. Wise, das Haupt der Pittsburger und der Verfasser der Jenseitsdepeschcn ist, sind die Mittheilungen doppelt lesenswerth, wenngleich die darin nicdergclcgten Anschauungen nicht immer der Wirklichkeit entsprechen. Da Dr. Einhorn zn Lebzeiten ein Gegner Dr. Wise's war, darf man ihn nicht als Hauptredner anführen und da hat denn Dr. Hübsch es unternehmen müssen, die Pittsburger Vcrthcidigung zu leiten. 'Ich lasse den letzten Theil der diesbezüglichen Unterhaltung hier folgen: „Einhorn: Unbegreiflich ist's mir doch, wie dieser Pittsburg-Donncrkeil so plötzlich in das scheinbar so ruhige Lager Anschlägen konnte. Da lagen sie alle so friedlich beisammen, das orthodoxe Lamm neben dem radikalen Löwen, der conservative Ochs neben dem reformirten Bären, der Himmel so blau, der Sonnenschein so mild. Da fährt mit einem Male aus heiterer Luft der Pittsburg-Krgch drein und stöbert und stört das ganze Lager ans. Ich bin doch neugierig, wer diesen Sturm eigentlich heraufbcschwören! Hübsch: Das kann ich Ihnen erzählen. Der Sonnenschein ist'S gewesen. Er war im Oktober ans dem Wege nach Baltimore. Er wollte es versuchen, eine Verständigung zwischen gewissen immer fchrrmer sich zuspitzendrn Gegensätze emzeLner leitender westlicher und Micher Persönlichkeiten und Interessen wenigstens anzubahnen. Um das eigentliche Terrain vorerst zu sondircn, reist er überKew-Iork und blieb dort über Sabbat. Schon glaubte er auf dem besten Wege zu sein, das erwünschte Friedens- Werk mit Aussicht aus. bleibenden Erfolg durchführen zu können. Es war ihm über alle Maßen schnell gelungen, Kohnt und Köhler miteinander in ein wahrhaft fteundnachbarlichcs Verhältnis zn setzen. Er, der radikale Sonneschein, hielt sogar von der Kanzel' des als Reformmäßigkeitsapostel berühmten Kohut (oder, wenn cs den Herren so besser gefällt: von meiner Kanzel) eine Frieden und Einigkeit athmcnde Gastprcdigt. Am Sonntag darauf sollte er mit beit andern Herren College» nachBaltim orcabreisen. Am Abend vorher machte er im Hause des Dr. Gottheil „Hawdolo". Er wollte die ganze Tragweite seiner freiwillig übernommenen Mission übersehen. Dabei waren, außer ihm und dem jovialen Hauswitthe, auch noch die Herren Kohut und Köhler. Freundlich und interessant floß das Gespräch stundenlang. Was man am Sonnenschein gar nicht gewohnt ist:-ein ruhiges Beobachten und cin aufmerksames Stillschweigen, das fand diesmal' ausnahmsweise. von seiner Seite statt. Und er machte auch wirklich „Hawdolo", indem ihm der Gastfteund Gottheil nach und nach klaren Wein einschenkte. Sonnenschein fand es „aus, daß ein Zusammengehen in der Sabbatschulfrage und auf andern eben so wichtigen Gebieten mit den ihre eigenen Pläne verfolgenden Sonderbündlern ' noch ans manches Jahr hinaus eine Sache der Unmöglichkeit sei. Er fand cs aus, daß Gottheil, so sehr - cs dieser auch zu vertuschen suchte, ein ausgesprochener Gegner der „Union" und des „College" sei. Erlernte es aber auch gleichzeitig kennen^ daß Köhler mit Leib und mit Seele sich als „Unwmst" und als treuer Verfechter der „College"-Jntereffen bewahre. Kohut hielt sich neutral. Er konnte natürlich seine Freunde und Gesinnungsgenossen im konservativen Lager nicht förmlich desavouiren. Aber er zeigte auch ganz deutliche Sympathien für die „Union". Sonneschein ging nicht nach Baltimore. Er brachte ein paar Tage mehr in New-Aork zu, und das Resultat nun:: die von Köhler und Wise nach Pittsburg einberufene Conferenz. Vor!» tont! : Vidavar: Seht! Seht! Das hätte ich dem ' Sonneschein gar nicht zngctrant. Kampfhahn und Friedensstifter in einer Person! Lilienthal: Warum nicht? Zur rechten Zeit versöhnend und zur rechten Zeit verpönend auf-