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Der Israelit · 1886-03-01 · Heft 17 (1.3.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 17 (1.3.1886)
Date
1886-03-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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296 mathematische Frage» behandelt Verden. Das Interesse für. Mathematik war überhaupt damals in Prag, wo die größten, christlichen Mathematiker und Astronomen der Zeit, Tychc da Brehe und Kepler lebten, nnd auch umer den Juden R. David Gaus sich mit Vorliebe diesem Studium gewidmet, sehr rege. Tie Kennmnze R. Lippmann Hellers auf mathematischem Gebiete, bekunden sich auch darin, daß er zu dem im Allgemeinen wenig behandelten Abschnitte des maimonidischcn Werkes: „Ueber die Heiligung des Neumondes" einen Kommentar schrieb. In dieser Beschäftigung, an die sich dann noch der Beginn eines sehr eingehenden Eommentars zum Aschen anschloß, waren R. Lippmann Heller 28 Jahre verstrichen. Da wurde er im Jahre 1625 als Rabbiner zunächst nach Nicolsburg und ein halbes Jahr später nach Wien bcnrfen, wo er sich um die Gemeinde dadurch verdient machte, daß er die Einräumung eines besonderen Bezirkes für dieselbe, der Lcopöldstadt, erwirkte. Daß dieses als Wohlthat anerkannt wurde, ist bezeichnend sur eine Zeit, in welcher der allein unter den Ehristcu wohnende Jude vollkommen der Gesetzlosigkeit prcisgegeben war. .Schon im Jahre 1627 erhielt R. Lippmann Heller den Ruf als Rabbiner nach Prag. Hier, in schöner, geachteter Stellung, vollendete er seinen Commcntarznm Aschen und mochte, im Besitze einer liebenden Gattin, von hoffnungsvollen Söhnen und Töchtern.,umgeben, der, glücklichsten Zukunst entgegensetzen, als plötzlich ein jäher Umschlag eintrat. Der schon 10 Jahre wölbende dreißigjährige Krieg hatte die österreichischen Finanzen sehr erschöpft, und, wie immer, wann auch jetzt die Juden in erster Linie zur Bestreitung der Ausgaben herangezogen worden, nnd zwar so, daß der Gemeinde eine Kriegscontribution anferlegt wurde, die sie dann unter ihre Mitglieder zu repartiren hatte. Der Rabbiner wurde Mitglied der zu diesem Zwecke eingesetzten Eommission, und einer der angesehensten Männer von Prag, dessen Namen uns R. Lippmann in seiner Sclbsibiographie ans Schonung verschweigt, glaubt sich zu hoch cingeschätzt. Um sich zu rächen, demmzirte er den Rabbiner bei der Regierung. Am 5. Tamus 1629 wurde R. Lippmann gefangen genommen, nnd damit er nicht in Ketten sortgesnhrt werde, mußte sich die ganze Gemeinde Prag's verbürgen, daß er in 6 Tagen in Wien erscheinen werde. Gchiz wie von den Jndenseittden unserer Zeit wurde von seinen Richtern alle Ailssprüchc des Talmud über Heiden auch auf (5husten bezogen, ja, er wurde sogar -dafür veranlwortlich gemacht, daß er den von mehreren Päpsten vcrurthciltcn Talmud in der Einleitung zum Ascherrcomrnentar gelobt hatten Natürlich blieb er auf diese Angriffe die Antwort nicht schuldig mrd wies nach, daß der Talmud unmöglich au der betreffenden Stelle Ehristcu gemeint haben könne, und daß es ihm, der ja als Lehrer des Talmud berufen sei, doch nicht zum Vorwurf gemacht werden könne, daß er denselben schätzt. Vergebens, er wurde, obgleich er, wie ihm eröffnet wurde, verdient habe, an Leib und Leben gestraft zu werden, zu der für jene Zeiten ungeheuren Geldbuße von 12006 Thalcrn verurtheilr, welche Summe erst nach langen Unterhandlungen auf 10000 Gulden ermäßigt wurde, die man ihm gestattete, in Raten abzutrage». Dadurch war sein früher nicht unbedeutendes Vermögen erschöpft, und außerdem wurde ihm auch noch verboten, in den österreichischen Erbstaaten ein Rabbinat zu . bekleiden. 1631 erhielt er dann einen Ruf als Rabbiner nach Nemyrow in Polen nnd einige Jahre darauf nach der größeren Gemeinde Ladomir, wo indeß sein Eifer gegen die Erkauftrng der Rabbinatswürde von den christlichen Behörden ihm auf's Neue Denunziationen und Gefahren zuzog. Endlich 1644 wurde er nach Krakau berufen, und hier glaubte er nun Ruhe für immer gefunden zu haben. Und wie er einst den Tag seiner Einkerkerung zum Fasttage für sich und seine Nachkommen eingesetzt harte, so bestimmte er den Tag seiner Berufung nach Krakau zu einem Freudentag. R. Lippmann sollte auch noch die schweren Verfolgungen mitcrlcben, welche das Jahr 1648 über die polnischen Juden brachte, von denen, freilich die Stadt Krakau verschont blieb, die jedoch sein Gemüth auf's Tiefste erregten, nnd über die er in verschiedenen Selichoch seinen Schmerz ansdrückte. Im Jahre 1654 schied er ans dem Leben. Ein schöner Grabstein auf dem altehrwürdigen Friedhofe zu Krakau erzählt von seinen Verdiensten um die jüdische Literatur; ein dauerndes Denkmal haben feine Werke ihm gesetzt, in der Erinnerung des jüdischen Volkes, welchem der cp nsow ^jn unsterblich sein wird. — Der Vortrag wurde von allen Anwesenden lebhaft applandirt. — Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 23. Februar. Abgeord. Bloch hat mit Jnftizmimster Dr. Prazak über das Verhalten des Znaimer Gerichtspräsidenteu Smutny, Rücksprache gepflogen, welcher bekanntlich bei der öffentlichen Schlußvcrhandlung gegen zwei Angeklagte israelitischer Konfession als Vorsitzender dieselben verspottete, indem er verschiedene Aeußerungen „mauschelndzum Besten gegeben haben soll. Gleichzeitig machte Abgeordneter Bloch auch dem Polrnklub hiervon

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