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Der Israelit · 1886-03-01 · Heft 17 (1.3.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 17 (1.3.1886)
Date
1886-03-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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2LVL Jahrgang. BerlageUr. 17 Les Israelit. ZettrurgsrrachrrchLe» a«d Sorrespsrrdesze«. Deutschland. Nlsbach (an der Bergstraße), 24. Februar. Eine zahlreiche Menschenmenge aus Darmstadt, Frankfurt a. M. und aus der ganzen Ilmgegend hatte sich heute auf dem isr. Friedhöfe eingefunden, um dem verewigten Rabbi Salomon Boden- Heim er -y*2 aus Biblis das letzte Geleit zu geben. Am Grabe sprachen Herr Director Dr. Barnaß und Herr Jeidel aus Pfungstadt zu Ehren des theurcn Dahingeschiedeuen. n"2"sVn Berlin, 11. Febr. Die Unterrichts-Commission des Abgeordnetenhauses verhandelte in ihrer Sitzung vom 10. Februar über Petitionen.. Zu einer Petition aus Viersen, das Statut der-dortigen Realschule dahin abzuändern, daß auch jüdische Glaubensgenossen in das Curatorium derselben cintrctcn könnten, wurde Uebergang zur Tagcsordung beschlossen, da bei Festsetzung des bereits 10 Jahre alten Statutes ein Recht nicht verletzt sei und auf die städtischen Behörden kein Zwang ausgcübt werden dürfe. Frankfurt a. M., 25. Februar. In der jüngsten Sitzung des Vereins für j üd ische Geschichte und Literatur hielt u. A. Herr Dr. H. Heinemanu einen Vortrag über R. L i p p m a u n Heller, Verfasser des Toßaphot Jom Tob. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher Redner darauf hkenwies, wie oft Zwiespalt und Uneinigkeit in Israels eigener Mitte die durch äußere Feinde verhängten Leiden noch erhöht hätten, begann er das Leben eines Mannes zu schildern, in dessen Geschick sich diese Wahrheit am deutlichsten bekundet. R. Lippmann Heller war im Jahre 1579 in Wallerftcin geboren.' Sein Vater war schon vor seiner Geburt gestorben. Sein Großvater R-. Moses Wallerstein, dem er selbst eine große Verehrung bewahrte und den er als einen 'der hervorragendsten Gelehrten bezeichncte, führte ihn in die jüdische Wissenschaft ein. Er setzte dann seine Studien unter dem Fricdbergcr Rabbiner, R. Jakob Ginsberg, fort. Welch' Hobe Kenntnisse er sich hier angeeignct, geht am deutlichsten daraus hervor, daß er schon 1595 zum Rabbinalsafsessor in Prag ernannt wurde, wo n jener Zeit die bedeutendsten Männer Deutschlands im RabbinatskoLegium thatig Laren. Achtundzwanzig Jahre lang bekleidete er dieses Amt, und Männer wie R. Salomo Ephraim Lentschitz (Verfasser des Olaloth Ephraim") R. Jesaja Horovitz („Scheloh") und R. Löwe den Bczalcl wären feine Kollegen. Letzterer, den die Sage mir einem Strahlenkranz umgeben hat, der aber desselben wahrlich nicht bedarf, um zu den glänzendsten Erscheinungen^ der jüdischen Geschichte zu gehören, hat namentlich nach einer Richtung hin bedeutungsvoll auf R. Lippmann Heller gewirkt. R. Löwe war nämlich ein entschiedener Gegner der Ausschreitungen der pilpulisrischen Richtung im Talmudstudium, die in seiner Zeit zu überwuchern drohte und die in der talmudischen Diskussion nur ein Material zur Uebung des Witzes und Scharfsinns erblickte; die oft in kühner Weise Schlüffe auf Schlüsse baute und Luftschlösser errichtete, deren Fundamente wankend und schwankend waren. Ihm, wie auch den anderen Männern der Zeit, war die Thora die ewige göttliche Wahrheit, an deren Erfassung man nur mit sittlichem Ernste heranschreitcn, die man aber nicht zu einem Spiclball des Witzes erniedrigen dürfe, und darum legte er das Studium der ersten Quelle der mündlichen Lehre, der Mischna, mit Wärme und Entschiedenheit seinen Zeitgenossen an's HeH, dabei aber einschärfend, auch die Resultate der talmndischen Diskussion, wie sie in den Commcntaren des R. Obadjah die Bartinura nicdergelcgt sind, sich zu vergegenwärtigen. Es bildeten sich in Folge dessen in Präg und in vielen anderen Gemeinden Deutschlands Vereine zum Studium der Mischna und des Vartinura, und R. Lippmann Heller wurde nun hierdurch veranlaßt, das Werk.zu schreiben, welches seinem Namen in jüdischen Kreisen die Unsterblichkeit verschafft hat, den Toßaphot Jom Tob. Wie die talmndischen Toßaphot den Raschi-Commentar, so begleitet er denjenigen des Bartinura, ergänzend, berichtigend, in geistvollster Weise Schlaglichter auf das Verhältniß zwischen Mischna und Gemara werfend, und dabei mit ganz besonderer Maßhaltung alles das.vermeidend, was außerhalb des vorgesteckten Zieles liegt. Besonders ist herorzuhebeq die Sorgfalt, mit'welcher abweichende Lesearten verschiedener Handschriften und Commentare berücksichtigt werden, die R. Lippmann selber sich mit schweren Kosten verschaffte, und die lichtvolle Art, in welcher allgemein wissenschaftliche, besonders

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