Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 17 (1.3.1886)
- Date
- 1886-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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MLLtheiÜWg. Vkrurfter Prszak erklärte, daß er über die Angelegenheit einen Bericht bereits abverkangr habe und nach Prüfung des SachverhÄLes wertere Verfügungen treffe» werde. M esopotawieu. Hararr. (Schluß.) Ich las irgendwo im Talmud oder Midrasch, daß das gastfreundliche Haus Abraham's an Men vier Seiten Thüren -Hane, so daß der Reisende, mochte er aus welcher WelLgegeud immer kommen, geradewegs in dasselbe eintreten konnte, und nicht erst einen Umweg bis znrLhüre machen mußte. Könnten wir nun Thüren als Jdentificirungszcugen für geschichtliche Ueberlicfcrungen aufrnfen, so hatten wir in dem Lezcichnctcrr Hause wirklich das traute Heim unseres Erzvaters und seiner Gattin gesunden. Dasselbe hat nämlich richtig an seinen vier Seiten Thüren, eine Einrichtung, die sich indeß noch bei vielen anderen Häusern Darans, ebenso auch anderer Städte Mesopotamiens vorfindet. Die Häuser in jener Gegend sind gänzlich aus Lehm gebaut und dabei auch noch sehr nicbrig, so daß sie Licht und Luft zumeist durch die Thöre — Glassenster sind dort noch nicht allgemein verbreitet — her empfangen. Man bringt daher an dem Hause so viele Thüren als nur möglich an und zwar an allen vier Seiten desselben zugleich,, damit Licht und Luft ungehindert, von Ost und West, von Süd und Nord, zugleich cindringen kön- ^mx. Das Haus, das uns nun heute als das des Abraham gezeigt wird, liegt in der Mitte eines großen von einer hohen Lchmmauer umfaßten Hofes rmd hat acht verschiedene Räumlichkeiten, eine Küche, eine Vorrathskannncr, ein Mehlmagazin, zwei Frauengemacher und drei Wohn- und Schlafzimmer. Zur Rechten des Hauses steht ein Schaf- und Ninderstall' und zur Linken ein langer hölzerner Schuppen, dessen Räumlichkeiten zur Aufbewahrung der Ackcrgeräthe und als Gesindezimmcr dienen, während dessen Boden als Kornkammer benützt. wird. Der gegcwärtige Eigenthümer des Hauses ist ein kurdidischer Bauer, dessen Familie dasselbe schon seit Jahrhunderten besitzen soll. Nach den Angaben der heiligen Schrift sind ursprünglich nur Terah mit seinem Sohne Abraham rmd seinem Enkel Lot nach ihrer Auswanderung aus Ur-Kasdim, dem heutigen Ursah, das acht Stunden nördlich von Haran liegt, nach letzterem Orte gekommen und haben sich dort niedergelassen, während der zweite Sohn Terah's, Rachor, mit seiner Familie ciufÜDcilcn noch in lliv Kasdim zuriickblicb. Später übersicdeltc auch er nach Daran, so daß Elicscr, als er auszog, eine Braut für Jsak zu suchen, geradewegs nach letzterem Orte ging. Zn der heiligen Schrift wird Zwar nicht ausdrücklich erwähnt, daß er nach Haran ging, sondern rwr nach der Stadt Nachor; wir können aber mit voller Gewißheit annchmen, daß dies Haran war. Als später Jakob nach der Heimath seines Großvaters flüchtete, da ging auch er nach Haran und nicht nach Ur-Kasdim, da in letzterem Orte damals kein Mitglied der Familie Terah's mehr wohnte. Bettachten wir uns nun die heuttgen Bewohner. Harans, so bestehen dieselben ans Kurden (Nachkommen der alten Chaldäer), Arabern, Türken, Griechen und einigen Juden. Elftere sind durch ihre Schlauheit und List noch heute allgemein bekannt, und wir irren daher nicht, wenn wir annehmen, daß auchLaban einem Kurden geglichen, in dessen Hause das Chaldäische die Umgangssprache war. Er benannte daher den von ihm im Vereine mit Jakob errichteten Steinhaufen, den dieser „Galcd" nannte, mit „Jcgar Sahadutha" eine Bezeichnung , wie sie noch heute der gelehrteste Kurde nicht besser geben könnte. Jakob hat volle zwanzig, Jahre m Haran geweilt, worauf er sich entschloß, mit seiner Familie nach seinem Vaterlaude Kanaa.n zurückzukchrcn, und zwar diesmal nicht nach Bcrseba, solidem nachDebron, wohin sein greiser Vater unterdessen übersicdelr war. Er ging daher von Haran wieder nach Rakka zurück, übersetzte hier den Euphrat (mn nt« -nayn) und nahm dann seine Züchtung nach Damaskus und Obergalrlae, oder wie die Gegend damals hieß, Gilead, Laban dürfte daher seinen Schwiegersohn m der Gegend zwischen Tajibeh und Palmyra — nach einem Marsche von sieben Tagen (dt* ryDE* •p’i) Ijcifjt es in der Bibel — eingeholt haben. Da aber Jakob von hier aus geradewegs nach Sichern zog, so scheint cs, daß er diesmal den Jordan nicht unterhalb, sondern oberhalb des Tiberiassces überschritten und dort haben wir auch die Jabokfurth (py -oyo) zu suchen. Von Sichern zog dann der. Patriarch, Palästina durchkreuzend, nach Hebron. Von den Enkeln Jakob's leben heute blos einige wenige in Haran, wo sie eine kleine und armselige Synagoge besitzen. Nördlich von Daran liegt, wie wir schon erwähnt haben, Orfah oder Ur-Fah (Ur-Kasdim), der Geburtsort Abraham's. Dieser Ort hieß noch unter .den Römern, die dort einen bcfcsiigtcn Thurm hatten, Nr (Castellnm llr), welcher Narne unter den byzantinischen Kaisern durch den griechischen Edcssa ersetzt wurde. Die Türken stellten den biblischen Narben Ur-Fah wieder her. Die Juden Urfahs und Harans betrachten sich daher als die engeren Landsleute Abraham's. und am liebsten verschwägern sic sich untereinander. Wenn nun Aleppo mit seiner Um-