Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 17 (1.3.1886)
- Date
- 1886-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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vul Seit dem Beginn unsrer Erzählung war ein Jahr verflossen, und die Gemäldcaüsstälung war auf's Neue eröffnet worden. Seine junge Frau am Arme fiihrend, trat Alfred Ln den Salon, und schon von ferne bemerkte er, daß sich viele Leute um die von ihm ausgestellten Bilder gruppirt hatten. Ta hing das Bild, das sich im Besitze des Dichters D. befand und dort das, welches dcr Herzog von R. erworben hatte, und noch viele andere Genrebilder, die Alfred im Verlaufe der jüngsiverflossenen Monate gemalt und sämmtlich gut verkauft hatte; inmitten all der kleineren Gemälde prangte „der „Sicgessang Deborah's" und zog die Aufmerksamkcit aller Besucher der Ausstellung auf sich. „Ah, sich da, unser genialer Meister, mit feiner jungen Frau.'" rief den sich Nähernden Alexandre D. entgegen. „Ich wünsche Ihnen Glück, Madame, zu der Verherrlichung, die Sie auf diesem Meisterwerke erfahren haben. Lieber Mendel, ich glaubte bisher, das Genre sei Ihre Force; jetzt sehe ich, daß Sie in der Historie Großes zu leisten vermögen. Sie haben sich selbst übcrtroffen! Diese wunderbare Auffüllung! So ist die Prophetin noch nicht gemalt worden: in jugendlicher Schöne und doch voll Hoheit und Geiftesadel. Kraft und Milde vereinigen sich in dieser Gestaltung: die Besiegerin der Feinde, die starke Heldin und die liebliche Spenderin klangvoller Melodien, himmlisch-schönen Gesanges. Wie kamen Sie nur dazu, die Heldin sich jung und schon vorzustellen!" „„Ich habe es so,"" entgegnete Alfred, „„aus der Bibel und den hebräischen Commentarm herausgelesen. Die letzteren offenbaren manches Gehcimniß, welches den Fernstehenden'verschlossen bleibt. So haben Sie, Monsieur D., in einer Ihrer Schriften der Bibel eine Jnconsequenz vorgeworsen. Sie fragen, wieso Eva für den Gennß der verbotenen Frucht bestraft werden konnte, da das Verbot, dem Wortlaute der Bibel nach, nur an Adam ergangen sei. Als kleines Kind, als ich anfing, die hebräische Bibel zu lesen, warf ich dieselbe Frage auf. Da nfr liwfc* Sarer, ist &&&&*) das Sefprefe werde. Bdmu war nämlich besLf. tragt wr-rderr, den Brfchl der Eva' und die Mnckrn Grammatiker beweisen das auch aus hm Wortlautder heiligen Schrift.""** ***)) „Das ist mir fchr interessant. Wird auch die andere von mir angeregte Frage, woher Kajür sein Weib genommen, im Talmud erörtert?" „„Gewiß; es war eine ZwÄrngsschwefter, die mit chm war geboren worden. Auch das wird aus der heiligen Schrift erwiesen."""**) „Sie muffen mir das einmal spater genau erklären." Eine Menge Leute hatte sich um die Beide« versammelt und lauschte aufmerksam ihrer Unterhaltung. Unter ihnen befand sich auch der Kunsthändler Allemand. „Ah, Monsieur Allemand!" sagte der Dichter. „Wie gefällt Ihnen das große Bild unsres jungen Freundes, das er bisher allen Blicken so sorgfältig entzogen?" . „ „Ich bin entzückt davon,"" entgegnete der Angeredete. „„Es überttifft Alles, was unser Meister dis jetzt gemalt hat. Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll: die sorgfältige Zeichnung oder die prachtvolle Farbengebung, die herrliche Prophetin oder die Gestaltung des Barak, in welchem Heldenmuth im Verein mit Unterordnung unter die überlegene Prophetin zum Ausdruck gelangt. Und die andern Figuren! Jede einzelne ist ein Meisterstück; sowohl der Chor der Israeliten und Israelitinnen als auch die gefesselten Kriegsge- * fangenen. Wer ist die Frau, die nächst den beiden Hauptfiguren das Interesse des Beschauers erweckt?"" „Es ist," sagte der Maler, „Joel, die Gattin des Keniten Cheber, die den feindlichen Feldherrn Sißra erschlagen hat." ' „„Ha, mein Freund,"" rief der Dichter, „„das ist ein Fehler! Das ist nicht das Bild eines Weibes, das feige und hinterlistig, den hilfesuchenden Flüchtling erschlägt!"" „Verzeihen Sie, Monsieur D., ich bin auch hier der Auffassung der Alten gefolgt. Der fliehende Sißra wollte das Weib, das allein zu Hause *) Aboth di Rabbi Nathan. **) vr; w. DaS Zeitwort rr.s wird mit dem Dativ (h* oder V), mit dem Arcusativ oder mit Vy constnürt. Im letzteren bedeutet eS; für ihn und all die Seinigen. ***) n:5’ i-n Vergleiche S. B. M. Q. 80. 17.