Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 17 (1.3.1886)
- Date
- 1886-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Mynsssr ßs§ Köln, Namens KssrnftrauÄ, cm getaufter Jude, bereift schon feit Jahren die Ortschaften rrugsum, um die jüdischen Gemsuden zu betaßrgen. Br. Oefterr.-Ungar-Mouarchie. Irr Preraa m Mähren war vor einigen Tagen wieder das alberne Gerücht verbreitet, daß im Hanfe eines Juden ein Mädchen zu rituellen Zwecken geschlachtet worden sei. Das Gerücht verbreitete sich unter der ungebildeten Bevölkcrungs-Claffe, und bald wurden nicht blos Dctalls des angeblichen Mordes erzählt, sondern es wurde sogar behauptet, der Leichnam des ^ermordeten Mädchens sei in dem Keller des betreffenden Hauses gefunden worden. In Folge dessen fanden Ansammlungen vor dem Hause statt, die Menge redete sich durch gegenseitige Mittheilung der absurdesten Erfindungen in eine Aufregung hinein. Um aber eine Wiederholung dieser Ansammlungen zu verhindern, schritt die städtische Polizei-Behörde dagegen ein, und die Menge zerstreute sich, ohne daß cs zu irgend einer Ausschreitung gekommen wäre. Ueber die Entstehung des erwähnten Gerüchtes wird uns aus Prerau vom 18. d. Mts. geschrieben: Die Familie des israelitischen Oberlehrers Pollak, der fett länger als zwanzig Jahren in Prerau thätig ist, hatte eine Dienstmagd, welche sich am letztverflossenen Samstag unter Mitnahme ihrer Effekten unter Rücklassung des Dienstbuches heimlich entfernte. Frau Pollak zeigte dies unter Deponirung des Dienstbuches der Polizei-Behörde an, und es wurde sofort die Heimathsgemcinde des enttvichenen Dienstboten hievon verständigt und aufgesordert, bekanntzugeben, ob der Dienstbote sich nicht etwa nach Hause zu seinen Wem begeben habe, was aber nicht der Fall war. Die Mutter des Dienstmädchens machte sich Sonntag Früh auf den Weg nach Prerau und begab sich dortselbst zur Polizei, wo ihr bedeutet wurde, ihre Tochter sei aus dem Dienste entwichen und sie möge sich um die Ursache der Entweichung bei der Dicnstgeberin erkundigen. Daselbst wurde dem Weibe'gleichfalls bedeutet, daß ihre Tochter aus dem Dienste ohne Grund entw.ichen sei. Dies wollte aber das Weib nicht glauben, sondern behauptete steif und fest, man habe ihre Tochter ermordet und deren Leichnam im Keller verscharrt. Das Weib verfügte sich sodann weinend auf die Sttaße, wo sich sofort Leute mn sie sammelten. Dadurch entstand eben das Gerücht von einem rituellen Morde und wurde mit Blitzesschnelle in der ganzen Stadt verbreitet. Durch das rasche und energische Eingreifen unserer Sicherheits-Behörde ist aber eine weitere Wirkung des Gerüchts glLLich vechrftet worden. Prersrr. Wie dem »Mährischen Eorrespoudenteu" aus Prerau geschrieben wird, dauern daselbst die Hetzereien mit Hilfe der blödsinnigen Erfindung von einem LbgeschlachLetev Dienstmädchen trotz der strengen Aussicht der Polizei und Gendarmerie noch immer fort. So fand mau zum Beispiel in der vorigen Woche an den Straßenecken in Prerau aufreizende Plakate mit dem Bilde eines Frauenzimmers, das wahrscheinlich das. angeblich ermordete Dienstmädchen vorstellen sollte. Heute sind uns aus Prerau Mittheilungen zugekommen, aus denen hervorgcht, wie leichtsinnig und gewissenlos der Sachverhalt, der dem Vorfälle zu Grunde lag, entstellt worden ist. Das Gerücht, daß das Dienstmädchen des Oberlehrers Pollak verschwunden und angeblicherweise ermordet worden sei, verbreitete sich Montag den 15. d. Aber das Mädchen war nicht erst, wie cs anfänglich hieß, seit dem vergangenen Samstag abgängig, sondern es hatte schon fünf Wochen vorher, am 10. Januar d. I. seinen Dienstplatz im Pollak'schcn Hause unter Rücklassung ihres Dienstbuches verlassen, das dann zwei oder drei Tage später von Frau Pollak beimMmeindeamt deponirt worden war. Fünf Wochen lang kümmerte sich Niemand um das Mädchen, und Niemand zweifelte daran, daß es durchgegangen sei. Auch scheinen seine Anverwandten cs gar nicht vermißt zu haben und vielmehr recht gut zu wissen, wo sie sich aufhält, denn nicht die Mutter des Mädchens^'war es, die sich Montag den 15. d. im Geschäfte der Frau Pollak nach ibr erkundigte, sondern ein ganz fremdes Weib, welches dem Dienstmädchen angeblich ein Wintertuch gegeben hatte und für dasselbe von Frau Pollak einen Ersatz verlangte. Als ihr das natürlich verweigert wurde, fing sie vor dem Hause zu lärmen und zu schreien an und gab dadurch Anlaß zu den Ansammlungen der Menge und zu dem Entstehen des die ungebildete Klaffe allamirenden Gerüchtes. So anerkennenswert!) auch das energische Einschreiten der städtischen Behörden war, so scheint aber gerade das einzig richtige Mittel, den Hetzereien ein Ende zu machen, nicht angewendet worden zu sein. Das trotz seiner Absurdität; geglaubte Gerücht mußte amtlich widerlegt und als erlogen nachgewicscn werden. Würde^man den Namen sammt dem Nationale und der Personsbefchreibung des, Mädchens veröffentlicht^'und dasselbe ausgeforscht haben, so hätte sich Nachweisen lassen können, wo sich die Abgängige befindet. Das Dienstbuch liegt bei der städtischen Behörde; demselben ist also zu