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Der Israelit · 1886-03-01 · Heft 17 (1.3.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 17 (1.3.1886)
Date
1886-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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290 KkLeKMVhr m 5JHtt?Ifran?ca. Wenn bis jetzt kerne Berichte vom hiesigen Platze jnr Veröffentlichung im „Israelit" kamen, so ist dieses mehr der Bescheidenheit zuzuschrerberr, da z. B.!m vorigen Jahre dahier eine Thoraweihe stattfand, die sich derartigen Feierlichkeiten an größeren Vlätzen zur Seite hätte stellen können, sowohl hinsichtlich der frommen Absicht, als auch des äußerlichen Vollzugs derselben. Eine goldene Hochzeitsfcier, die am 17. d. M. dahier stattfand, verdient jedoch zur Offcnkunde in einem jüdischen Blatte gebracht zu werden, schon wegen der Feier selbst, als auch wegen der regen Bcrhciligung, die damit verbunden war. Der isr. Handelsmann Vers Flink von hier, ein Greis von nahe 80 Jahren feierte an der Seite seiner Ehehälfte ans Anregung trculiebender Söhne und Töchter dieses Fest. Der Jubilar versieht seit langen Jahren den Posten als rfc en tya an den heiligsten Festtagen, wozu ihm das Organ und das richtige Verständnis des Wortlautes befähigt und der cs auch versteht, die Andacht der Zuhörer zu erregen und zu erheben. Ter Jubilar war selbst in beschränkten Lcbensverhältnisscn ein treuer und hilfreicher Sohn seiner Eltern und findet sich dadurch der Schlußsatz des fünften Gebotes bewahrheitet -py in* ]jn£. Von Seite des Herrn Rabbiners Grünbaum in Ansbach wurde dem Feste eine besondere Weihe verliehen, indem er das Jubelpaar in die Synagoge begleitet, wobei zuerst das nmv-Gebet verrichtet, einige Psalmen rccitirt, dann die Fcstpredigt mit Zugrundelegung des Textes n&y ovn nr gehalten und wurde der Sinn des Verses in meisterhafter Weise erklärt. Hierauf folgte eine Nccitation zweier anderer Psalmen nebst einem Schlußworte des Herrn .Kanzelrcdners, womit die dem Tage entsprechende religiöse Feier ihren Abschluß fand. Das Gotteshaus war, obwohl die Feier-Mittags um 1 Uhr stattfand, festlich beleuchtet und von den Gläubigen aller Konfessionen von hier und nächster Umgebung so angesüllt, daß Kopf an .Kopf stand. Ein herrliches Mahl versammelte die Festthcilnehmer; Alles verlief in fröhlicher Stimmung, wobei aber auch eine Sammlung für eine Wohlthätigkcits-Anstalt vorgenommcn wurde. Möge dem Jubelpaare noch eine lange Zeit zur Erinnerung dieses Tages gegönnt werden. . Wiesbaden, 24. Februar. Im hiesigen „Anzeigeblatt" wird für Freitag Abends 7 Uhr zu einem Eoneerte in der Synagoge ekngeladen. Das Programm ist ein sehr reichhaltiges, und verspricht mau sich großen Genuß von den Gesangsvorträgen der Frau Dr. Maria Wilhekm; und der König!. Oprrmängrri» Fräulein Anna Rade cke. — Am Schlüße der Einladung heißt es: „Der Reinertrag wird dem Moses Mendelssohns» Denkmal in Dessau und dem Franz Abt-Denkmal hier zugewendet. Die Synagoge ist geheizt und ftftlich erleuchtet." Bei solchen Anlässen tritt es deutlich hervorwie zweckmäßig eine Orgel für die Synagoge istdenn ohne diese könnte ja ein so reichhaltiges Concert gar nicht ansgeführt werden und den beiden Denkmälern würde ein ansehnlicher Beitrag entgehen!!! Daß dieses Conccrt am Freitag-Abend stattfindct, paßt zu dem Ganzen. Es ist wohl nicht nöthig, weitere Erörterungen daran zu knüpfen. Der geehrte Leser wird sich selbst ein Urtheil über die Zustände in der hiesigen Resormgemeinde bilden. Mülheim am Rhein, 23. Febr. Wie die Seeelcnfängerei von Missionsgesellschasten auch in Deutschland auf allen Wegen und Stegen betrieben wird, darüber folgendes Beispiel. Am verfioffenen Donnerstag fanden die Nachtwächter auf einer Straße einen halberstarrten 15jährigen Knaben und brachten ihn auf die Wachtftube. Bei seiner Vernehmung stellte cs sich heraus, daß er ein jüdisches Kind war. Die Eltern haben in London gewohnt und waren Dlumenmacher; der Vater hatte sich vor 3 Jahren nach Paris begeben, die Mutter war jüngst gestorben und der in der Riesenstadt alleinstehende Knabe raffte seine Habseligkeitcn zusammen nnd begab sich ans ein Schiff, um seinen Vater in Frankreich zu suchen. Verschiedene jüdische Gemeinden lösten ihm Eiscnbahnbillets und so war er in der genannte» Nacht von Bielefeld mit dem letzten Zuge hier angekommen. Nachdem ich durch hebr. Lesenlaffe» mich von seiner Glaubensgenosscnfchast überzeugt hatte, verschaffte ich ihm eine angemessene Unterstützung von unsrer Gemeinde, gab ihm zu egen und empfahl ihn der Kölner Unterstützungskaffe, wo man ihnt auch wieder die Mittel für eine größere Strecke gab. Einen Tag später reprodueirten die Kölner Zeitungen den Polizeiberkcbt aus der„Mülh. Ztg." und gestern erschien bereits hier ein Missionar ans .Köln, um über den Verbleib des Knaben Nachforschungen anzustcllen. Der Mann wurde an mich gewiesen und erklärte auf Befragen, er wolle den Verlassenen „glücklich" machen. Meine Auskunft befriedigte ihn selbstverständlich nicht und um de» Weg nicht umsonst gemacht zu haben, begann er in meinem Hanse mit Bekehrmrgsversuche, bis ihm das Hausrecht bemerkbar gemacht wurde. Ein anderer

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