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Der Israelit · 1886-02-25 · Heft 16 (25.2.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 16 (25.2.1886)
Date
1886-02-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ganze Route zu Fug zurückkegte — wenigstens ergibt sich dies aus dem Aufauge und Ende seiner Reiseschllderung — so dürfte er, wenn man auf den Tag fünf Merlen rechnet, ungefähr einen vollen Dtonar unterwegs gewesen fein. Ei» Glück für ihn war es noch, daß er auf dieser Wanderung kein Gepäck mir sich trug, :rnn pm ra* %rrcjp tpa „mit meinem Stade dm ich über diesen Zordan gegangen", sagt uns der Patriarch selbst, woraus man sehr leicht schließen kann, daß er weder euren Rcisekogcr noch eine Handtasche mit sich trug. Es wäre dies auch für ihn unter der sengenden syrischen Sonne und im glühendheißen Wüstensande eine zu große Qual gewesen. Begleiten wir nun ein wenig in Gedanken unsern Stammvater auf seiner Reise. Die Stelle, wo er sich ein Nachtlager aus Steinen bereitet und auch das Traumgcsichr gehabt hatte, lag selbstverständlich noch diesseits des Jordans, in Palästina; denn der Herr sagte zu ihm: ^Das Land, worauf du liegst, werde ich dir und und deinen Nachkommen geben. Von hier aus ging er dann „in das Land des Ostens", „das heißt, nach Mesopotamien L-n) DTu), das östlich von Syrien liegt. Zwischen dem Enphrath und dem Städtchen Haran stieß er auf den Brunnen tnt Felde, um den die Hirten lagerten und wo er bald darauf auch das Glück hatte, seine Cousine Rachel begrüßen und umarmen zu können. Dieser Brunnen liegt ungefähr eine halbe Stunde südlich von Haran und ist noch heute mit einem großen, runden, altersgrauen Steine zugedeckt. Dieser Stein wird noch immer des Abends, wenn die Hirten dort Zusammenkommen, um ihre Heerden zu tränken, weg - und dann wieder zugerollt. Leider ist dieser Stein, wie alle seine Brüder, stumm und so kann er uns nicht sagen, ob er noch derselbe ist, den Jakob weggerollt oder ein Kind jüngeren Datums ist. Nahe bei Haran und zwar ungefähr dreihundert Schritte von dem Städtchen entfernt, liegt die Quelle, an der Elieser die Bekanntschaft unserer Stammmutter Rebekka gemacht hatte. Die Quelle liegt tief in einer Felsenspalte und wird von einem Vorsprunge des Felsens überdacht. Einige natürliche oder künstlich geschaffene Stufeu in dem Felsen, man kann das heute nicht mehr genau unterscheiden, führen zur Quelle hinab, die hier crystallhell fließt. Die letzte Stufe ist sehr lang so eifrig dem Studium oblag, daß er während der ganzen Zeit selbst die Nachtruhe sich bedeutend verkürzte. Dar LehrhauS lt'oer'L driand sich wahrscheinlich in Salem, dem später« Jerusalem. Daun erst zog Jacob nach Haran, und gleich beim Beginne dieser Wanderung schlief er fest — zum ersten Male nach 14 Jahren — mtb haue im Traume die Erscheinung der Himnttlftlciitr. breit und auf dieser stchen immer dir Mädchen wrd schöpfen gebückt mit ihrem Kruge das Waffrr aus brr Quelle. Es ist dies zweifellos noch derselbe Stein, auf dem Rebekka gestanden und Wasser geschöpft hat. Die Scencrie dort hat sich seit der Zeit der Patriarchen nicht geändert, aber auch das Leben nnd Treiben an dieser Quelle ist noch heute dasselbe, wie vor viertausend Jahre«. Noch heute gehen die Mädchen, die noch immer Almas (rs£?) heißen, des Abends, wenn cs kühl wird, zn dieser Quelle hinaus, um dort ihren Krug, den die chaldäische Bevölkerung Harans noch immer Ked (-o) nennt, mit dem kühlen Naß zu füllen. Der Krug, der an seinem engen Halse zwei Henkel hat, wird zur Abwechslung, bald auf der rechten, bald auf der linken Schulter getragen. Rechts und links von dieser Quelle stehen steinerne Tröge, in die mau Wasser schüttet, damit auch die Kameele und Pferde hier Labung finden sollen. Diese Troge waren gewiß Augenzeugen, als Elieser der freundlichen Rebekka einige goldene Schumcksachen überreichte. Jedes Mädchen in Haran, ohne Unterschied des Glaubens, kennt die Geschichte von Elieser und Rebekka und ist es daher höchst eigenthumsaefährlich, sich von denselben bei der dezeichneten Quelle, einen Schluck Wasser zu erbitten. Leider war auch ich so naiv, mir bei dieser Quelle von einer hübschen Tochter Harans dm Wasserkrug reichen zu lassen, und da ich gerade kein goldenes Armband in der Tasche hatte, so reichte ich ineiner Rebekka als Trinkgeld ein Fünsparastück (vier Pf.) hin. Sie betrachtete nun aufmerksam dieses Geldstück, und sagte dann lächelnd: „Dafür werde ich mir schwerlich ein goldenes Armband kaufen können." Schlagfertig erwiderte ich darauf: „Jeden Tag kommt kein Elieser, ebenso wenig, wie jeden Tag eine Rebekka geboren wird." - In Anbetracht dieser meiner Knauserigkett war es baher kein Wunder, wenn das Mädchen nicht die geringste Lust zeigte, zu seiner Mutter zu laufen und sie von meiner Anwesenheit an der Quelle zu verständigen. Da ich aber die Häuser Harans schon mche vor mir sah, so wartete ich gar nicht, bis mir irgend ein Laban entgegen kommen wird, sondern ließ die Karawane bei der Quelle zurück und ging fürbaß in das Städtchen hinein. Voller Weihe und gehobener Stimmung betrat ich Haran. Ist es doch der Ort, in dem unser Stammvater Abraham gelebt und wo auch dessen Vater Terach gestorben ist; des Letzteren Grab ebenso auch das Haus, in dem unser Stammvater feine königliche Gastfreundschaft au allen Menschen ohne Unterschied des Standes und des Gkandens ausgeübt, zeigt man

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