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Der Israelit · 1886-02-25 · Heft 16 (25.2.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 16 (25.2.1886)
Date
1886-02-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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270 und entscheidet über casuelle Fragen der einzelnen Mitglieder wie der Grsammtheit. Auch die Autorität des Rabbiners ist durch das Rrligrousgesetz begrenzt und haben sejn Wort, wie sein Wirken nur_bana Geltung, wenn sie mit deu Bestimmungm de^elben sich im Einklänge befinden. 9tur innerhalb der von diesem Gesetze sankttomrten Grenzen hat derselbe zu lehren und zu entscheiden, sowie die seiner religiösen Aufsicht unterstellten religiösen Anstalten zu überwachen und zu leiten. Wir rufen der jüngsten jüdischen Gern e i n d e D e u t s ch l a n d s cm frohes „Glückauf" zu, möge sie zum Stolze und Heile des gesetzestreuen Judenthums blühen, wachsen und gedeihen! Bl. Aus Weftphalen wird der „Volksztg/" geschrieben: Am 18. Februar sollte sich vor der Strafkammer des Landgerichts zn Dortmund der bekannte antisemitische Agitator Dr. Bernhard Förster wegen Beleidigung des Kultusministers v. Goßler verantworten. Er soll dieselbe begangen haben in einer Rede, die er vor einigen Jahren auf einer den Zwecken des Antisemitismus und der von Förster angeblich begründeten deutschen .Kolonie in Paraguay gleichmätzig dienenden Kunstrcise in Dortmund hielt. Er hatte behauptet, daß drei der gegenwärtigen preußischen Minister: Friedberg, Lucius und von Goßler, jüdischer Abstammung seien, und an diese Behauptung, die, soweit sie Herrn von Goßler betrifft, als thatsächlich falsch bezeichnet wird, eine Reihe von Bemerkungen über dessen angeblichen Großvater sowie über seine Amtstätigkeit geknüpft, durch welche sich Herr v. Goßler verletzt fühlen mußte. Zu einer Verhandlung kam cs rüdesten nicht, da merkwürdigerweise die Akten aus Kassel, wohin sie geschickt waren, nicht rechtzeitig zurückgekommen waren. Außerdem theilte im Termin selbst der Redakteur eines in Dortmund erscheinenden antisemitischen Blättchens mit, daß Dr. Förster am 15. d. Ai. seine Rückreise nach Paraguay angctreten habe. Als zuerst von der Anklage verlautete, erklärte Förster, er werde Alles, was er gesagt habt, auch beweisen, und drei Tage vor dem Termine hat er still und ohne die Segenswünsche der „Krcnz-Ztg." und des „Rüchsboten" Deutschland wieder verlassen! Ob er seinen Freund Liebermann v. Sonnenberg, wie früher in Aussicht gestellt wurde, mitgenommen hat, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Kassel, 20 Febr. In einer gestern Abend im Krauß' Saal abgehaltenen „antisemitischen Volksversammlung", wie sie der dazu einladende hiesige »Dcmsche Rrformverein" in ferner ArMMgmzg selbst nannte, trat als Hauvtredner Dr. EsviftrLns oder vielmchr — um das Kind beim rechter Namen zu nennen — Dr. B öekel ans Marburg ans. Zur großen Freude der Kasseler Jndenverrilger wacht Redner vor Beginn seines Vortrages über: „Die Judenfrege als Kamps nm's Dasein für dir drmschr Nation" dm Anwesenden die Mittheilung, soeben davon benachrichtigt woidm zu sein, daß der diesjährige deutsche antisemitische Kongreß m definitive Aussicht genommm sei und zu Pfingsten in Kassel abgchalten werde. 8. Frankfurt a. M, 21. Februar. Gestern Abend hielt der Verein zur Bekleidung armer Knaben (irany stm) seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Bericht war ein recht zufriedmsrellender, und dem großen Eifer, welcher der Vorstand des Vereins für denselben bethciligt, ist die günstige Entwickelung, über welche Miüherlnng gemacht werden konnte, zu verdanken. 450 Mitglieder gehören dem Vereine an. An Geschenken gingen einAt. 3408.40. Die Gesammteinnahme einschließlich des Kassmsaldos von vorigem Jahre betrug M. 12180. 54, die Ausgaben M. 7096.50. Bekleidet wurden 193 Knaben, die vollständigen Anzug nebst Beschuhung erhielten. Besonders muß bemcr!t werden, daß alle Ansprüche, die an den Verein gestellt wurden, befriedigt werdm konnten, und daß eine reichere Thärrgkeitsentfaltung ins Auge gefaßt ist. Durch Wiederwahl der statutenmäßig ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes bis auf eines, das eine Wiederwahl ablchnte, wurde der Verwaltung das Vertrauen der Versammlung ausgedrückt. Honen wir, daß dieser so segensreich wirkende Verein immer mehr Freunde sich erwerben und immer mit einer so günstigen Berichterstattung wie in diesem Jahre vor die Oeffeutlichkett zu ttetm in der Lage sein möge. Leipzig, 22. Februar. Die in diesen Blättern bereits mehrfach besprochene Schrift, den Prozeß Rohling-Bloch betreffend, vom Reichstagsabgeordneten D r. Joseph K op p (Verlag von Julius K l r n k h a r d t) ist schon in z w eit er Auflage erschienen, ein Beweis, welch' großes Aufsehen dieselbe macht und wie fleißig sie gelesen wird. Oesterr.-Ungar.Monarchie. Wien, 26. Febr. Die „Neue Freie Presse" und Wiener Allg. Ztg. wurden heute. wegen ihrer Leitartikel über Minister Pin o konsiszirt. Die Beschlagnahme des letzteren Blattes hatte übrigens noch einen zweiten Grund. Die „W. A. Z." hatte nämlich auch einen Artikel über eine GerichtsVerhaNd-

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