Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 15 (22.2.1886)
- Date
- 1886-02-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seiten hm nicht entsprechend erschcme». Wenn in den ersten Jahren, als die Gemeinde vm ein Drittheil kleiner war als heute, durchschnittlich Mk. 3000 — also etwa Mk. 500 mehr, als durchschnittlich in dcu letzten 5 Zähren — verausgabt werden konnten, wenn außerdem der Verein bei seiner Gründung — trotz der geringeren Zahl von Gemeindcmitgliedern, — 160 Mitglieder zählte, während er heute, bei der weit größern Zahl von Gemeindemitgliedern, 170 Vereinsmitglicder zählt, so muß diese Thalsache um so mehr bedauerlich erscheinen, als dadurch, daß viele hiesige Zsraeliten dem Vereine ganz fern bleiben, sowie dadurch, daß viele Mitglieder nur geringe Beiträge entrichten, die Verwaltung zuweilen genörhigt isi, die Wirksamkeit des Vereins einzuengen und berechtigte Ansprüche nicht in dem Grade, wie sie es verdienten, zu berücksichtigen. Wenn wir gleichwohl für die weitere gedeihliche Entfaltung unseres Vereins die besten Hoffnungen hegen, so werden wir hierzu durch die erfreuliche Wahrnehmung veranlaßt, daß sich alle Zeit Männer fanden, die hochherzig und opferwillig ihre Zeit und Kraft unfern Bestrebungen gewidmet haben. Berlin, 16. Februar. Die von Prof. Meßner herausgegcbene „Nene Evangelische Kirchenzeitung" dringt mitsichtlichem Behagen einen längeren Artikel: „Die Juden einst und jetzt", dem wir die folgenden Sätze entnehmen: „In Dresden hat sich vor einigen Jahren ein Verein gebildet, dessen Mitglicderzahl zum weitaus größten Thcile aus Israeliten besteht und die kittflußreichsten Männer aus der Syuagogengemeinde kittschließt. Obgleich auch Andersgläubigen der Eintritt in den „Brüdcrverein" frcifteht, so werden in den regelmäßigen Vereinigungen durch das Mittel des Vortrags doch wesentlich jüdische und verwandte Interessen gepflegt. Nachdem vor Kurzem der R abbiner der Dresdener Synagoge dem Verein einen Vortrag gehalten, sprach dann der frühere Vicevorsreher der Dresdener Stadtverordneten, Advokat Dr. E. Lehmann, ein hervorragendes Mitglied der israelitischen Gemeinde zu Dresden, über „die Juden einst und jetzt". Dem Vortrag, dem von' bethciligter Seite mit lebhaftester Spannung entgcgcngcsehen wurde, wohnte eine zahlreiche Lersammlnng bei." Nachdem der Redner im ersten Theile seiner Siede die Gegenwart geschildert und es als die Aufgabe des Zttdenthums erklärt, die idealen Momente weiter zu entwickeln und bcdentnngslose äußere Formen zu beseitigen, um so Nathans Gleichniß von den Ringen in Wahrheit zu erfüllen, knüpfte er au diese mehr theorüifchen Erörterungen im ZweitenThci! einige prskrifche Vorschläge. Zunächst müne der Sitz der Alliance JsraeWe, „dessen Mitglieder meist Derttsche find-, nach Berlin verlegt werden. „Ebenso seiden drängenden Zeitmächten gegeuüber für den religiösen Eultus eine Reihe von Reformen dringend nörhrg. Biele Gebrauche, das Schächten, die Beschneidung u. s. D. feien keineswegs jüdischen, sondern altheidnischeuUrsprungs, deshalb nnwesenttich für die jüdische Religion. Sie müßten eben darum beseitigt werden. Ferner müye danach gestrebt werden, daß ans dem jüdischen Gottesdienst die hebräische Sprache verdrängt und ein deutscherGottesdienst eingerichtet werde. Weder der jüdische Sabbat, noch die jüdischen Feste seien festzuhalten, sondern „müßten mit dem Sonntag und den christlichen Festen zusammengelegt werden. Erst dann werde die jüdische Religion geeignet sein, in einer materialistisch gerichteten und pessimistisch angehauchten Welt die Herzen zu erwärmen und die Geister zu erleuchten." Dann werde die messianische Zeit der reinen edlen Menschenliebe kommen zmd dafür müßten beide sorgen die Juden und die Christen. Dieser Vortrag wurde von der Versammlung, welche von einem Synagogenbeamteu als Vorsitzenden geleitet wurde und in welcher auch der Rabbiner anwesend war, mit lautem Beifall ausgenommen. Ein Widerspruch erfolgte in der Versammlung nicht, doch liegen Anzeichen vor, daß außerhalb derselben abweichende Ansichten sich unter der Dresdner JuLenschaft gellend machen. —" So schreibtLriumphirend die „NeueEvangel. Kirchenzeitung." Wir wollen nur hinzufügen, daß der Advokat Dr. Emil Lehmann, der mit so dankenswerther Offenherzigkeit die Ziele gewisser Kreise enthüllt, ein stets mit großer Emphase reklamirter Vorkämpfer der Reform ist, und daß Herr Dr. Landau der Rabbiner der Dresdener jüdischen Gemeinde zu fein, die Ehre hat. Ein weiterer Commentar dürste sehr überflüssig erscheinen. — Trrchel (Westpreußen), 15. Febr. Am 5. Adar verstarb. Hierselbst der in weiten Kreisen durch feine Wohlthätigkeit bekannte Rentier Juda Jordan im Alter von 96 Jahren. Er war ein Vater der Wittwen und Waisen, gab vielen armen Mädchen eine ansehnliche Ausstattung und war ein pn -röo. Insbesondere aber förderte er die Erbauung von Synagogen in unbemittelten Gemeinden durch großmüthige Unterstützung. Die zu Ezensk und Cammk» (Weftpreußen) sind fast nur durch ihn errichtet vor-