Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 15 (22.2.1886)
- Date
- 1886-02-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVILS2§2gCF4-;J:K LerLsLdeL ürtEfeL .'.; Litsrarischer Wericht. Geschichte Der fub. Siteroinr.* Bon Gustav K a rpeles. Berlin 1886. - Verlag von Robert Oppenheim. Dieses Werl, das wir Leim Erfchemm der ersten Lieferungen bereits besprochen haben, liegt jetzt in zwei stattlichen Bänden vollendet vor uns. Die Ausstattung ist eine vorzügliche. — Was nun das Werk selbst betrifft, so beben wir mit Vergnügen hervor, daß der Verfasser sich stets bculüht hat, eine objective Beurtheilung platzgreifeu zu lassen, was namentlich bei der Behandlung der jüdischen Literatur der Gegenwart anzuerkennen ist. Wiewohl man unschwer erkennen kann, dass der Verfasser auf dem Standpunkte Seigers steht, so lässt er doch auch z. B. Herrn Rabbiner Hirsch, »"j, volle Gerechtigkeit widerfahren. Wir können uns nicht versagen, den betreffenden Passus hier wicder^ugcbcn: „Tie Kühnheit und Lrfbsrständigkcit, mit der Hirsch zu einer Zeit, wo allgemein der Ruf nach Fortschritt ertönte, mit seiner Rechtfertigung und Dertheidigung deS alten Iudenibums austrat, mußte selbst den Gegnern Achtung abringen. Die Begeisterung für eine Sache, die man für eine verlorene gehalten, mußte wieder Begeisterung erwecken.. Und der Tort, der in den „Neunzehn Briefen überIudenthum* angeschlagen wurde, fand einen mächtigen' Widerhall im Lager der Frommen. Dieses Judenrhum war auf Pietät und Liebe, aber auch aus Erkenntniß und Lhatsreudigkeit gegründet. Und _ darum war der Erfolg ein außerordentlicher. Nicht zum Wenigsten war es die kernige Sprache, die glühende Begeisterung.- die eigenthümlich anheimelnde Darstellungsweise, die dieser wie allen folgenden Schriften Hirschs wunderbar zu statten kam. Den „Neunzehn Briefen'' ließ Ben Ustel, — so nannte sich Hirsch — bald ein Werk folgen, das eine positive Darstellung des Iudenthums bieten sollte: „Horeb* und dann begann er mit frischem Muth den Kampf gegen die Verfechter 'der Reform. Auch. er hat später in verschiedenen wissenschaftlichen Werken für die Richtung, die er zuerst mit Kraft. und Begeisterung vertreten, Bedeutendes geleistet. —* Auch sonst ist das große Thema nicht allein mit unendlichem Fleiße, sondern auch mit Liebe und Begeisterung behandelt und durchgeführt. Daß bei der fast unübersehbar großen Aufgabe gar Manches nicht genügend gewürdigt wurde, liegt in der Natur der Sache. So vermissen wir rmgern die Erwähnung des berühmten Forschers JuliüsOp p ert, der auf dem Gebiete der Ässyriologie und Aegyplologie Bedeutendes geleistet nnb sich auch sonst vielfach um die Forschung aus dem Gebiete des jüdischen Mtertzums verdient gemacht hat. — Was wir tu dieser nnb ähnlicher Beziehung nuszusetzeu haben,-ist nur wenig, und würden wir gern dem Verfasser unsre volle und ungetheilte Anerkennung aussprechen, wenn sein Werk aus dem Fundamente des echten Judenthums, dem die Bibel das Wort Gottes ist und das im Talmud die Wiedergabe von Gott stammender Tradition erkennt, anserdant wäre. — . Zeitrmgsrrachrrchterr vrrd Correfporrdeuzen. De u t s ch l a u d. Worms. Dem Bericht über die fünfundzwanzigjahrige Thätigkeit des israelitischen Unterstützungs- Vereins zu Worms (1861-1886) entnehmen wir: Der Verein verfügt über ein Capital von Mk. 7924, 3 Synagogeustühle, capitalisirtzu700Mk., zusammen also Mk. 8624. Die Einkünfte aus den Zinsen desselben ermöglichten es dauernde Berpflich- 'Lungen für alte, erwerbsunfähige Personen aus dem Umkreise unserer Stadt zu übernehmen. Allmählich gelang es den Haus- und Straßcnbettel fast vollständig zu beseitigen und wenn unsere Mitglieder durch denselben nur noch wenig behelligt ^werden, so ist dieses ein erfreulicher Erfolg der Thä- Ligkeit unseres Vereins. . Die Fürsorge für Arme aus unserer Gegend und ganz besonders für erwersunfähige, altersschwache Leute war im Laufeder Zeit immer mehr ausgedehnt worden; man bestimmte denselben monatliche Gaben, auf deren pünktliche Auszahlung sie mit Bestimmtheit rechnen konnten. Galt es eine augenblickliche vorübergehende Nothlage zu beseitigen, so wurden einmalige größere Gaben, früher bis Mk. 36, seit diesem Jahre bis zu Mk. 50, bewilligt. Wenn Eltern nicht in der Lage waren, für die Ausbildung ihrer Kinder die nöthigen Mittel auszubringcn, so suchten und fanden sie bei uns wirksame Beihülse. Wir können somit, gewiß mit vollem Rechte behaupten, daß unser Verein, die weiter ihm zugewiesene Aufgabe: für die würdigen verschämten Armen Sorge zu tragen, nach Kräften in hohem Maaße gelöst hat. Wir sagen nach Kräften; wir wollen eS nämlich durchaus nicht verhehlen, daß die Mittel, die unserm Vereine zu Gebote stehen, nach mehreren