Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1886)
- Date
- 1886-02-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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236. das gesetzmäßige Recht dazu nicht haben; demnach in es mehr als wahrscheinlich, daß die Umgehung des Gesetzes auch für diejenigm, welche sie gestatten, vsrchcilhaft ist. Die Commission des Grafen Pahlen konnte sich daher auch unmöglich der Erwägung verschließen, daß ähnlichen Mißbräuchen, welche aus der Rechtlosigkeit mehrerer Millionen steuerzahlendcr Bürger emaniren, kein Gesetz einen Riegel vorschieben kann. Dieser Ansicht schließen sich auch die meisten Gutachten der localen Autoritären über die Judenfrage an. Rur die Erweiterung der Rechte der Juden, so lauten diese Meinungen zusammcngefaßt, können die Zahl der Gesetzes - Uebertretungen durch Juden vermindern, doch ist aus vielfachen Gründen nur eine allmähliche Emancipation wünschenswerth. - Dessenungeachtet plaidiren die localen Autoritäten für die Beschränkung der Gewcrbefrcihett der Juden auch in den Provinzen, wo sie das Aufenthaltsrecht genießen, und zwar soll ihnen die Beschäftigung mit der Landwirthschaft, mit dem Gctränkehandel und überhaupt mit dem Kleinhandel erschwert werden, der sie in enge Beziehung zur Landbevölkerung bringt. Betreffs des Landerwerbes durch Juden gehen die Gutachten bedeutend auseinander. Die Einen sprechen sich kategorisch dagegen aus, Andere wieder wollen den Landerwerb zulasscn, von der Landpachtung durch Juden aber nichts wissen, und die Dritten endlich stehen für vollständige Gleichberechtigung der Juden ein, umsomehr, als der Landerwerb selbst Ausländern nicht verboten ist. Die Revue Rußkaja Myffl macht die ganz richtige Bemerkung, daß der Tenor der Gutachten um so größeres Erstaunen Hervorrufen müsse, als unter dem Regime des Grafen Jgnatiew die localen Autoritäten in den Judcnhetzen nur die Rückwirkung der Ausbeutung der Volksmassen durch die Juden erblickten. Nur der damalige General-Gouverneur von Wilna, Graf Todlcben, war anderer Meinung und, während dicht an der Grenze seines Gebietes eine Judenhetze der andern folgte, blieb dieses von Ausschreitungen des Pöbels bewahrt. Noch bemerkcnswerther ist das Factum, daß mit dem Umschwung in den Anschauungen der localen Autoritäten auch die Judcnhetzen von der Bildfläche verschwanden. So genügte denn die kurze Spanne Zeit von drei Jahren, die localen Autoritäten nicht allein trjrc Meinung betreffs des ungünstigen Einflusses der Juden auf die wirthschaftlichen Verhältnisse der unteren Bolksklasscn vergessen, sondern auch für die, wenn auch nur stufenweise Emancipation der Juden plaidiren zu lassen. In (Gouv. Psttawa) war das bei dem Inden Koplänossky in Diensten stehende chriftüche Mäd^n, welches bei ferner Herrschaft gestohlen Harte, des andern Tages verschwunden. Alsbald wurde das Gerücht verbreitet, daß bk Inden es geschlachtet hätten. Eine christliche Frau äußerte sich sogar ihrem Geistlichen gegenüber,. daß ihr das Mädchen im Traume erschienen sei und sie aufforderte. „sein Blut an den Juden zu rächen." Glücklicherweise wurde dasselbe bald darauf in einem Nachbardorfe ausgefnnden. Das Gericht hat eine Untersuchung eingeleitet und die Mutter des Mädchens und noch mehrere Andere in Anklagestand versetzt. * Amerika. Woodville. (Miss.) Auf Veranlassung unseres Rabbiners Henry Cohen aus London, früher in Kingston (Jamaica) haben sämmlliche jüdische Kauflcute beschlossen, fernerhin am Samstag ihre Geschäfte geschlossen zu halten. Diese segensreiche Wirksamkett unseres Rabbiners und sein Einfluß ans die Gemeindemttglieder sind um so anerkenncnswerthcr, als Samstag Markttag am hiesigen Platze ist. F e n i 11 e t o b. Ier WaNr. v. ' Alfred Mendel arbeitete fleißig an seinem Gemälde. Rosette kam in Begleitung ihrer Mutter täglich in das Atelier. Frau Durand hatte, seitdem ihr Mann, durch Alfred veranlaßt, am Sabbat das Geschäft geschlossen, den jungen Maler sehr lieb gewonnen. Und Rosette? Wenn sie in das Atelier kam, so mußte sie ein phantastisches Kostüm anlegen, welches die Schönheit ihrer Gestatt erst recht zur Geltung brachte. Der junge Maler betrachtete sie dann mit liebevollen Blicken und bemühte sich, das Konterfei des lieblichen und doch so hoheitsvoll darcinschaucnden Mädchens mtt der größten Sorgfalt auf die Leinwand zu bringen. Das erforderte aber viel Zeit. Die bestimmten drei Monate gingen dahin, und es war noch lange keine Aussicht vorhanden, daß das Gemälde bald vollendet sein würde. Alfred suchte seinen Auftraggeber in dessen Wohnung auf. „Ah, Monsieur Mendel," rief ihm Herr Blum entgegen, „Sie komnren gewiß, mir anzuzeigen, daß >v°