Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1886)
- Date
- 1886-02-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Fleisch Verzehres, verteidigen und TerLullms ruft Mwsl m seiner ZrdränZniß aus: ,J2rgo sat eniite. s creditis ant nolite credere. qci hob endstis**. (Bewnst es, wenn Ihr cs glanbt, aber glaubt es rächt, wenn Ihr es rächt beweisen könnt). Bei der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion sind dle Beschuldigungen gegen die Christen verstummt und bei der Menge m Vergessenheit geraten, und cs lag nafyc, die Fabel dann rnutato nomine auf die Juden anMwenden. Der Glaube an die Blutsabcl entspricht nicht nur der Lust am Grausigen und Abenteuerlichen, sondern ist auch ein gutes Vehikel zur Schürung des Klassen- und Rassenhasses, dieses Lebenselementes des Antisemitismus. Die größten Männer der Wissenschaft (die Professoren Dillmann, Ebers, Fleischer, Kalkar, de Lagarde, Müller, Riehm, Sommer, Stade, Strack, Marx, Siegstied, Baumgarten, Köhler, Schlortmann, der Bischof Dr. Kopp von Fulda, der altkatholische Bischof Reinkensund vier Universitäten (Amsterdam, Leyden, Utrecht, Kopenhagen) haben laut ihre Stimmen gegen die Blutbeschuldignng erhoben und diese Anklage in das Reich der Märchen verwiesen. Wer weiß, ob in der bevorstehenden neuen Verhandlung desProzessesRitlerder Sturz Rohlings und die Broschüre Kopp nicht einen wesentlichen Einfluß auf den Ausgang des sensationellen „Blutprozcsscs" üben wird!—- - . In einem interessanten „Schlußwort" theilt Dr. Kopp mit, daß die Sachverständigen auch die Religions- und Gebetbücher der Juden einer genauen Prüfung unterzogen, ob Rohlings Anklage, daß diese christenfeindliche und unsittliche Stellen enthielten, begründet sei, und es ergab sich, daß nirgends auch nur eine Spur von Gehässigkeit gegen Andersgläubige, oder einer unredlichen Anschauung zu treffen wäre. Allerdings erscheine den Christen die Tcxtirung einzelner Gebetsstücke (zumal des Versöhnüngstages) barock und könne der Unwissende oder Böswillige dieses oder jenes mißdeuten, das sei aber eine interne Angelegenheit .der Juden. Eine Religionsgenossenschast halte erfahrungsgemäß au nichts so fest, als an alten Formen, jede Aendcrung derselben verletze die Pietät, und wolle ein „N arr oder Böswilliger rituelle Formeln bekritteln oder mißdeuten, so finde er wohl bei allen Konfessionen willkommenen Anlaß." Nach einigen allgemeinen Bemerkungen über die gegenwärtige Bedeutung des Talmuds als Nclkgionsquelle, Bemerkungen, die wir keineswegs durchgehends unterschreiben können, schließt der Lcrfasscr mit den Worten: „Wenn cs mir gelungen sein sollte, meine Leser von der Wahrheit des Satzes zu überzeugen, daß, sowie ein unehrlicher Christ ein Mensch ist, nicht weil, sonders obgleich er sich Zur christliches Religion Matzt, so such eia Mischer Mor^r, Betrüger, Dieb oder Dreöshchler rächt deshalb moralisch verkomm« fei. weil, sömrdern obgleich er sich zur jüdischen Religion bekenne, dann ist das bescheidene Ziel dieses Büchleins vollkommen erreicht." „Bescheiden" nennt der Vers, das Ziel fernes Werkes, aber diese Bescheidenheit wird es nicht hindern können, daß das Büchlein trotz seiner Schwachen vielleicht einen unmeßöaren Einfluß und eine gewaltige Bedeutung erringen wird. Zum Men Male hat ein katholischer Christ von der Stellung eines Dr. Kopp auf Grund der Gutachten von zweier der hervorragendsten Fachgelehrten vor aller Welt den Beweis der Wahrheit angctretcn, daß unsere Rcligionsguellen stei sind von allen jener Bosheiten und Gehässigkeiten gegen Andersgläubige, welche die Unvernunft von zwei Jahrtausenden ersonnen. Die Schrift wird die Wahngebilde längst verwehter Zeiten zerreißen, und Keiner, der vor der Lüge und Verleumdung noch zurückbcbt, wird es fürder wagen dürfen, frechen Antlitzes den Stab in unser Heiligtum zu tragen. Für uns war der Beweis überflüssig, aber der betörten und aufgehetztcn Masse mußte ein Spiegelbild ihres Heiligen und seiner Lehren vorgehalten werden. Nun, der Talmnd hat die Feuerprobe glänzend de-' standen, unsere heilige Religionssatzung ist der unerschütterliche Fels, an dem die brandenden Wogen des Hasses machtlos zerschellen müssen. Dem kühnen Schiffer aber, der mit dreifach gepanzerter Brust es gewagt, die stürmische Fluth erfolgreich zu durchschneiden, gebührt unser innigster Dank; die Söhne bc§ jüdischen Bekenntnisses und alle Freunde der ‘ Wahrheit werden den verdienten Lorbeer ihm reichen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr.-Ungar.Monarchie. Pefth, 8. Februar. (Abgeordnetenhaus.) Bei Berathung des Titels „Schnlinspectoren" erwidert Minister Trefort auf die Lcnierkungen des Antisemiten Komlossy, die finanzielle Lage des Landes gestatte gegenwärtig nicht die Aufbesserung der Gehalte des Lehrpersonals. Er wolle sich hinsichtlich der Schule absolut nicht in Gegensatz zu irgend - welcher Konfession stellen; denn er hält jeden Conflict zwischen Staat und Kirche für unheilbringend. (Lebhafte Zustimmung.)