Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1886)
- Date
- 1886-02-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Rumänien. Die Regierung hat der Kammer einen Gesetzentwurf vorgeLegt, wonach die FsZMttiou der Spirituosen. der LichM und SpielkartM monopvlrsirt werden soll. Durch dieses beabsichtigte Monopol sind namentlich viele Zuden, die einen großen Theil dieser Waaren fabrrciren, in ihrer Existenz bedroht. Bratiano trachtet immer mehr darnach, seinen vor Jahren gcthanen Ausspruch: „Man muß den Zuden nach und nach alle Existenzmittel entziehen, so verlassen sie freiwillig das Land," in Erfüllung zu bringen. Ni e d er lande. Amsterdam, 12. Febr. In Tilburg starb ein hochachtbarer, angesehener Glaubensgenosse, Herr Samuel Catz Bei seinem Begräbnisse am 31. Januar kam es zu bedauerlichen, antisemitischen Excessen. Hunderte von jungen Leuten begleiteten den Lcichcnzug, Spottlieder singend, bis zum Friedhose, traten die Umfriedung des letzteren nieder und warfen mit Erdschollen nach dem Sarge. Die Bevölkerung von Tilburg ist meistens katholisch, und ihr geistlicher Oberhirte ist der Bischof Godschalk zu 's Bosch. Dieser ehrwürdige Geistliche hat in Folge der erwähnten Excesse ein Schreiben an den Tecan von Tilburg gerichtet, in welchem er seiner Entrüstung lebhaften Ausdruck verleiht und zur Sühne des Geschehenen auf den 14. d. M. einen allgemeinen Bet- und Versöhnungstag anordnet. Wir geben in Folgendem einen Auszug aus dem erwähnten Schreiben: „Hochehrwürdiger Herr Decan und Bruder! „Es hat mein Herz mit tiefem Kummer erfüllt, wahrnehmen zu müssen, daß in Ihrem „Decanat die Leiche eines hochachtbaren Israeliten nur deßhalb ist beleidigt worden, weil der „Verstorbene nicht dem Christenthume angehörte. „Die häßlichen Vorgänge schmerzen mich um „so mehr, weil sie nicht allein von Römisch-Katholischen Glaubensgenossen ausgegangen, sondern „größtentheils von ehemaligen und gegenwärtigen „Schülern der Bruder- und Schwesterschulen in „Tilburg. „Ist das die christliche Liebe, die man der „Jugend einprägt, ist das die Verträglichkeit, die „der Stifter der christl. Religion empfiehlt? Zst „das die rechte Art und Weise, Andersdenkenden „Achtung vor dem christlichen Glauben einzuflößen? . „In meiner oberhirtlichen Sorge für meine „Diöccsanen habe ich ans Sonntag den 14. Fe- „brrmr erneu allgemeinen Bet- und VersohMNZZ- „wg bestimmt, m welchem Zhr zu Gott um „BäzeihWg stehen sollt, ob des großen LeW, „das einer achtungswerchen isr. Familie ist Zu- „grsügt worden. „Nicht kann iß mein Befremden unterdrücke, „daß Zbr im Religionsunterrichte nicht genügend „den Grundsatz betont: „Liebe Deinen Neberr- „menschen, wie dich selbst." Durch diese Vcr- „nachlässiguug fällt cm großer Theil der Schuld „an der Schandthat auf Euch! „Ich hoffe — und damit schließe ich — daß „Ihr und alle Geistlichen, Mönche und Nonnen, „die unter Eurem Befehle stehen, in Zukunft „lehren werden, daß alle Menschen Kinder desselben Gottes sind, daß keinem Menschen das „Recht zusteht, seinen Nebenmenscheu zu verdammen, „well er Gott in anderer Weise, als er selbst, „verehrt, und endlich, daß alle Religion einge- „schloffen ist in den zwei Worten: Liebet „einander! Gezeichnet: Godschalk, Bischof zu's Bosch." Ehre und Ruhm diesem" edlen Priester! — Frankreich. Nizza. Baron Arthur v. Rothschild lag jüngst mit seiner Jacht „EroS" in Villefranche bei Nizza vor Anker. Er benutzte die Anwesenheit des Oberrabbinen von Frankreich, Herrn Isidore in Nizza, um denselben zu bitten unter Mitwirkung des Localrabbiners sein Schiff einzuweihen. Unter Anderm wurde Psalm 57 recüirt und Herr Isidore hielt an den Baron und das Schiffspersonal eine zündende Anrede. Diesem Akte folgte ein kleines Gastmahl. Wochen-Kalender. Freitag, 19. Februar, 14. Adar I. p? c*nc Samstag» 20. Februar, 15. Adar I. kot .pp s*nc pc Sabbat-AuSgang 6 Uhr 15 Min. (Mainzer Uhr). Brieflasten der Redaction. Herrn Benjamin in F.: Betrachten Sie den Schluß des en'ten heutigen leitenden Artikels als die Beantwortung Ihr" Anfrage.