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Der Israelit · 1886-02-15 · Heft 13 (15.2.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 13 (15.2.1886)
Date
1886-02-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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MW Prof, der Theologie, Tychsen, habe es in einem Gutachten offen ausgesprochen, „das Gut und Blut der Christen stehe zur freien Verfügung der Juden Las GkgkMheil wurde nachgewiesen; Tychsen tritt in seiner Schrift warm für den Talmud gegen boshafte Verläumdungen ein.. Und jener Hetzpricster durfte es wagen, diese wahrhaft bestialischen Lügen in 100,000 Exemplaren umer die urthcilsloseu, leicht erregbaren Massen zu werfen, jener elende Charakter durfte es unter den Augen seines Ministers wagen, die infamste Glaudcnshctze zü treiben und so die poutinischeu Sümpfe zu schaffen, deren verpestender Gifthauch noch heute unfern Athem bannt, er durste es ungestraft wagen, auf verlogene Fälschungen gestützt, durch einen Meineid das Leben Schuldloser zu bedrohen! O, du stolzes neunzehntes Zahr hundert! - Die Erfindungen, Verdrehungen und Fälschungen Rohlings nahmen jedoch geradezu sensationellen Umfang an bei seiner Behandlung der hebräischen Literatur und in erster Linie des Talmuds. Die beispiellosen Fälschungen dieser Art, welche im „Talmudjudcu" ihre ausgeprägteste Vollendung fanden, übten einen geradezu verheerenden Einfluß aus. Gegen diese richteten sich vornehmlich die zornsprühcndcn Angriffe Blochs, und zu ihrer Entkräftung sollten Nöldckcs und Wunsches Gutachten diene«, welche Tr. Kopp in gedrängtestem Auszuge in seiner Broschüre mitthcilt. Es bleibt mehr als fraglich, ob das Mitgetheilte die ausführlichen Abhandlungen der Sachverständigen entbehrlich machte; die Haltlosigkeit der Rohling'schen Behauptungen leuchtet allerdings aus der Broschüre vollständig ein. Der Vers, theilt seinen „Beweis der Wahrheit durch hebräische Texte" nach einer allgemeinen Einleitung in 9 Abschnitte. Dr. Kopp behandelt, immer anknüpfend an die Voewürfe des Gegners 1) die Schädigung des Vermögens der Christen, 2) die Schädigung der Christen an Leib und Leben, 3) die Schädigung der Christen durch jüdische Richter, 4) Bezeichnung der Christen als Thiere, 5) den. Eid der Juden, 6) den Juden als Zeugen, 7) die Juden gegen die Christen in Sachen des sechsten Gebotes, 8) die Heuchelei der Juden, 9) die Unfehlbarkeit der Rabbiner. Es ist wahr, der Verf. operirt nur auf Grund . des Gutachtenmaterials, aber es ist gleichwohl staunenswerth, wie sehr sich der Vers, den Inhalt der Gutachten zu eigen gemacht hat. Man glaubt das Werk eines gewiegten Fachgelehrten zu lesen, wenn man diesen Spruchreihcn von Belegstellen aus Bibel, Mischna, Talmud und seinen Commentaren, Midrasch, MaimonideS, Schulchan Aruch und zahllosen anderen hebräischen «chriften begegnet. Der Verf. führt eine Legion von Eiterten ans der gesaurmien talmudisch-rabömischen Literatur vor, „um m den äußersten Umrissen den Gedaukeugaug darzulegen, auf welchem die Führer der Juden unter denkbar ungünstigsten Verhältuiffen sich bemüht ihr Volk ans dem eng begrenzten düsteren Horizont des geistigen Ghettos, in das sie gepfercht waren, zu einer freieren und edleren Auffassung der Welt und der Menschen hinübergeleitet, ohne durch einen Bruch mit dem Gesetze Mosis eine gefährliche Krisis heraufzubeschwören, welche sie jedes sittlichen Haltes beraubt hätte." Im Einzelnen werden nun die Angriffe auf unsere Religtonsquellen widerlegt und u. o. auch in einem des. Artikel die bekanntlich von Dr. Hoffmann m Berlin zuerst bemerke überraschende Thatsache betont und erörtert, daß unter „Akum" im Schulchan Aruch nicht entfernt die Christen zu verstehen seien, daß vielmehr dieses ominöse Wort erst von der christlichen Censur in unsere Religionsbücher hineingcttagen worden ist. Viele herrliche ethische Lehren und Aussprüchen der Talmudisteu geben ein kleines Bild von der sittlichen Tiefe des jüdischen Gesetzes^ Im klebrigen muffen wir darauf verzichten, auf diesen inhaltlich wichtigsten Thcil der Broschüre an dieser Stelle emzuaehen; derselbe erfordert eingehende Prüfung und wird noch später Gegenstand weitreichender Diskussion sein. Doch sei uns in unserem Berichte, der mehr der Außenseite der Schrift gilt, gleichwohl eine Bemerkung gestattet. Wir wollen denr Verf. nicht grollen, wenn er die Göttlichkeit—der-H-. Schrift leugnet und unfern Lehrer Moses nach berühmten Mustern zum unmittelbaren Gesetzgeber und Staatenbegründer stempelt; was uns heiligster Glaube und riefinnerste Uebcrzeugung ist, ist der Nichtjude keineswegs verpflichtet, anznerkenncn. Ganz energisch aber müssen wir ein für allemal Einspruch erheben gegen das schmückende Beiwort der „Albernheit" und „Lächerlichkeit", welches man unseren großen Gesetzeslehrern so gern zu verleihen pflegt. In einem sehr bemerkenswerthen Kapitel verweilt der Verf. bei dem „Blutritual", dem Schoßkmde Rohlings. Nach einer glänzenden Zurückweisung der Anklage, welche wiederum auf einer groben Fälschung beruht, bespricht der Verf. den Ursprung und das Motiv der Vlutfabel und kommt zu dem Resultate, daß dieser Vorwurf zuerst von dem alten Rom gegen die Christen erhoben wurde. Wiederholt mußten sich die Kirchenväter gegen die furchtbare Anklage, daß die Christen bei gewissen Ceremönicn ein Kind tödten und dessen

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