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Der Israelit · 1886-02-15 · Heft 13 (15.2.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 13 (15.2.1886)
Date
1886-02-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4v 44 LerLevder MeMÄ. Prozeß MoßKng-MH. Ll. Berlin, 10. Februar. Der Memeidslösterne Prager UniversiLLLsproftssor a. D. und jetzige wohlbestallte Marbeiter an der Berliner „Germania," August Rohling, hatte die These ausgestellt, daß „die Anklage der Juden auf rituellen Chriftemnord durch alle Jahrhunderie gehe;" und diese etwas weitgehende Behauptuug suchte er zunächst aus nichthebräischen Texten zu beweisen. Schon Agobardus, der Erzbischof von Lyon (p. 840) lege, so behauptet Rohling, den Juden dieses furchtbare Verbrechen in seinen beiden Werken .De insolentia Judacorum“ (Die Unverschämtheit der Juden) und ,.ve lluäaicis superstiöombus“ (Indischer Aberglaube) zur Last. Prof. Dr. Weihrich in Wien, vom Gericht beauftragt, diese Schriften zu prüfen, erklärt in feinem sonst nichts weniger als philosenritischen Gutachten: „In den beiden genannten Schriften ist keine Tatsache angeführt oder den Juden zur Last gelegt, welche als ritueller Mord ausgelegt werden könnte." Mit einer Lüge nicht zufrieden, schreibt der antisemitische Clown, daß der getaufte Rabbi Paolo Medici in dem 26. Kapitel seines in Turin erschienenen Werkes: „Elti e costmni degli Ebrei“ es verrathe: „Die Juden suchen am Purimfeste einen Christen zu tödten, zum Gedächtniß Amans; im Rothfalle kaun es auch ein Heide oder Türke sein." Dr. Kopp ließ sich alle nur möglichen seltenen Ausgaben des Werkes aus Turin kommen, er prüfte sie vom ersten bis zum letzten Buchstaben, und „nicht ein einziges Wort fand ich, aus welchen! mit Aufgebot aller Phantasie und Deutungskunst auch nur annähernd etwas den Rohling'schen Citaten Aehnliches entnommen werden könnte" — wieder, so schreibt der Verfasser, „ein Beweis von Rohlings frevelhafter Verlogenheit oder seinem ruchlosen Leichtsinn!" Drei Lügen bilden ein Collegium, dachte sich Rohling, und ließ den Exrabbi Moldavo (1765) in einem von Achille Laurent im „Membre de la ßoriete orientale“ angeblich citirten Buche: „Untergang der heutigen Religion" dieselbe blutige Behauptung aufftcllen; Rabbi Moldavo „enthülle alle Geheimnisse des Blutpaschas der Juden!" man suchte und forschte nach dem famosen Büchlein, und siehe — es war nicht da! Von den getauften Rabbiner! setzte Rohling zu den ungetauften seine Lügenwandenmg fort. Rabbi Mendel aus Kossow hat, so verkündete der ftomme Priester seinen Lesern, in einem zu Lemberg gedruckten und m zwanzig Auflagen erschienenen Werke „Gaunaul* (hortus clausus) gefordert, „daß man Menschenblut besonders in die Mazzen geben solle." Rohling selbst hat sich das Buch nicht verschaffen können, der eine Verleger habe es nicht gekannt, der andere ihm Wcsselly's gleichnamige grammatikalische Schrift gesandt, ja, ein galizischer Jude hätte mit verschmitztem Lächeln ihm gesagt: „O, ich besitze dieses Buch, ich gebe es aber nicht heraus." Was chun? Dr. Kopp ließ alle Bibliotheken Oesterreich-Ungarns' durchspüren, alle Gelehrteu wurden in Bewegung gesetzt, Prof. Strack recherchirte bis nach Oxford s und Cambridge und schloß seinen Bericht mit den Worten: „So bin ich denn überzeugt, daß das Buch überhaupt nicht cxistirt!" Dagegen fand man in dem Städtchen Kossow einen amtirenden greisen Rabbi, Mendel Hager, der allerdings ein' Buch: „AhaTrath sehalom“ (Friedensliebe) geschrieben, sonst aber nie etwas Böses verbrochen hatte. Der erfindungsreiche Blutfabulist mochte nicht ruhen, er schuf eine neue „Entdeckung". Auguste Fab iu s, Oberrabbiner zu Lyon im Jahre 1842, sollte damals eine „Schandpredigt gegen das Christenthum" gehalten und diese Schmähungen in einem Werke: „Ofirande au Dieu de l’umvers Par Aug. Fabius“ veröffentlich: und fortgesetzt haben. DaS Buch war'in Oesterreich nirgends aufzutreiben. Man schrieb nach Lyon, und die Präfekturdieser Stadt antwortete nach langen Nachforschungen dem Wiener Gerichte: Bor 1850 hatte die jüd. Gemeinde von Lyon überhaupt keinen Prediger besessen, 1842 hätte allerdings in Lyon ein Auguste Fabius gelebt, der. Herr wäre aber ein überspannter und gedächtmßschwacher Strickwaarenfabrikant gewesen, der französisch sehr schlecht gesprochen, nie eine Predigt gehalten und nie ein Buch verfaßt hätte. Trotz eifrigster Bemühungen hätte sich keine Spur von einem ähnlichen Werke aufsinden lassen. Nunmehr behauptete Rohling, der mecklenburgische Hofrath

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