Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1886)
- Date
- 1886-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Nach dem, was Srr oben dargelegt haben, ist der eigentliche Sinn des in Rede stehenden Ausspruches der Weisen unschwer;u finden. Wir haben oben Lllseinandergtsetzr, daß jede Erfüllung riues Gottesgkbotcs sich aus Gedanke und Lbar Msammcusctzt, daß es Menschen gibt, welche die Thaten gcdaukenlos vollbringen, und daß andererseits viele gute und edle Gedanken nicht zu Thaten werden. Nun entspricht das inpi, „und sie sollen nehmen," der That, während das tsP, 7 anordnet, daß die That von dem reinen, zweckentsprechenden Gedanken eiugegeben und begleitet werden soll. Diese Erklärung ist auch dem Sprachgebrauche unsrer Weisen durchaus conform und har auch in der Praxis ihre Anwendung gefunden, da die Frommen, welche die Mizwah vollkommen zu üben bestrebt sind, vor der Erfüllung derselben dieseul Gedanken Ausdruck verleihen mit den Worten: wrnp w Lrrb . . . . rnra L-pb pio* piD '2:1 * :wn 713 „Siche, ich bin bereit, die Mizwoh zu erfüllen zur Ehre des Namens des einzigen Gottes, des Heiligen, gelobt sei Er." Kehren wir nunmehr zu dem Midrasch (Jalkut) o^rück, den wir beim Beginne dieser Abhandlung unfern Lesern vorgesührt haben. Dort heißt es: *>6« po 3'ro p t 12111 mpi 'kiep '23 hu 131 : 5*3,1 111 ct>lj?3 'b 13 12X22 131 ^3 ,12111 7 llp'l „Rede zu den Kindern Israels, und sie sollen nehmeu eine Hebe, steht nicht da, sondern sie sollen nehmen Mir eine Hebe; das Wort „Mir" verheißt den Lohn für diese und die zukünftige Welt." Wir haben oben dargclegt, daß in dem Worte Tipi, „und sie sollen nehmen," statt 1211 „und sie sollen geben", angedeuter ist, daß wir durch den Bau des Helligthums und durch die damit verbundene Gottinnigkeit den größten Ncichthmn an Sicherheit, Zuversicht, Ruhe und Frieden gewinnen. Die getreue Beachtung des in dem Wörtchen 7 Ausgcdnickten. 7, daß wir nämlich unsre Thatcn in reiner Absicht, lediglich zur Verherrlichung des göttlichen Namens vollbringen — die genaue Beachtung und Befolgung dieser Vorschrift, erhebt uns hoch über das irdische Leben und vereint uns mit unserem Vater im Hinnncl. Dadurch erlangt unser Leben und Wirken schon hienieden die vollkommenste Rcindcit und Vergeistigung, so daß unser irdisches Dasein das wird, was c§ sein soll, eine Vorbereitung für die künftige Welt. Es isi schon oft die Frage aufgeworfen worden, und sogar , wie unsre Weisen erzählen (Berachoth 7 a.), bereits von unsrem Lehrer Moscheh, warum eö vielen Frommen in diesem Leben schlecht ergeht. Es gibt vrauäerlrr Antworten «ms diese Frage, und eine davon ist (am üsgefü§net Orte), daß T22 irxsr p-s P P11 p*"s, daß der FrsuwZ^ dem es hienieden schlecht gehr, ein nndoMomLen Fwmmer fei. Auch dieser Ausspruch der Weifen erscheint der Erfahrung >u widersprechen. Ofünäls hat man Gelegenheit, Mitleid zu eDpsinden ob der trüben Verhältnisse so mancher edler Männer und frommer Frauen, die uns als vollkommen Fromme erscheinen. Man könnte zwar entgegnen, daß wir Niemandem iri'aHerz schauen und demnach nicht benrthcilen können, ob Jemand vollkommen fromm sei oder nicht. Dagegen erscheint es jedoch nicht angemessen, die Vollkommenheit eines Mitmenschen nach den äußeren Umständen zu beurtheilen und zu sagen: Weil dieser Mann arm und krank ist, so kann er nicht vollkommen fromm sein. Wie wir oben dargelegt haben, können wir diesen Ausspruch unsrer Weiseu ganz anders erklären. Ern 1122 pis, ein vollkommen Frommer ist ein solcher, welcher Gedanken und Thaten in rechter Weise zu verbinden versteht und sich dadurch die Gottinnigkeit erringt. Dieser kann niemals unglücklich werden. 1122 pns ,fi> 3121 pns. Der vollkommen Fromme, welcher sich der Gegenwart und des Beistandes des allmächtigen Gottes stets bewußt ist, der fühlt sich immer wohl und glücklich, selbst wenn er arm und krank sein sollte, wie nach der Deutung im Midrasch der Psalmist sagt: Jung bin ich gewesen und schon alt geworden, und niemals habe ich gesehen, daß ein Frommer sich verlassen fühlte, selbst wenn feine Kinder gezwungen waren, an fremder Leute Thüren ihr Brod zu erbettelu. Das jedoch sind Ausnah mm. Die Regel ist, daß der vollkommen Fromme, welcher Thaten und Gedanken in rechter Weise zu vereinen sich bemüht, in dieser wie in der künftigen Welt des allgütigen Gottes reichen Segen empfängt, v* »snst X^2X oi'nnsixi, der hienieden sie nicht wird Mangel leiden lasten und sie erben lassen wird des künftigen Lebens unermeßliche Wonne. Literarischer Mericht. Der Pentateuch für den Schulgebrauch. Von Dr. H. Sondheimer, Bczirksrabbiner in Heidelberg. Frankfurt a. M. 1886. Kauffmann. 8. Die Grundlage alles jüdischen Religionsunterrichtes isi die Kenntmß des Pentateuch im Urtext; wünschenswerth wäre cs, wenn mit Ausnahme weniger, nicht zum Jugendunterricht sich eig-