Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1886)
- Date
- 1886-02-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449613--23748-2513429- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 198 lm, Gildemessrer in Bons, Dr. Sagarbf m Görüngrn und Nöldecke m Straßbürg vor. Llochs Anwalr, Dr. Kopp, acceptirte BikeL, DiLnann und Nöldecke, Rohlings Vertreter wünschte ©ilkmeifter, Brimanus (alias Justus) und Ecker in Münster. Diümann und - Glldcmeister lehnten rundweg ab, Dr. Lagarde trat gerade eine Studienreise nach Rom an, Bllell refüsirte, well er gegen seinen alten Freund Rohling nur Ungünstiges aussagen müßte, und well die Blutbeschuldigung „der reinste, auf grober Unwisienhell beruhende Schwindelsei. Nöld e ck c allein erklärte sich dazu bereit. Der katholische Rektor der Wiener Universität, Zschokke, schlug als weitere Jnfonnationsquelle Dr. Wünsche in Dresden und Brimanus vor, von denen der Erste acceptirte, der Letztere natürlich fortfiel. Zweiundvierzig gedruckte Foliospalten umfaßten die an die Sachverständigen gerichteten Fragen; 300 Texte aus der talmudisch - rabbinischen Literatur vom 2.—18. Jahrundert mußten dnrchgesehen mnd thells übersetzt werden: Ende Juni 1885 erfolgte das 190 Bogen starke Gutachten, am 11. November sollte der auf 13 Tage berechnete Prozeß seinen Anfang nehmen, die Sachverständigen sollten schon geladen werden — da zog der des wiffentlich angebotenen Meineides beschuldigte Herr Professor die Anklage zurück! Als „Grund" figurirte ein Befehl des Ministers an Rohling, die Judenhetze ruhen zu lassen und das Bedauern, daß Wünsche ein — Jude sei, derselbe Wünsche, der als Sohn des ehrsamen christlichen Gartenbesitzers und Schuhmachers Carl Gottlieb Wünsche am 26. Juli. 1838 getauft worden ist! „Es sollte Licht werden — vor dem Lichte verbarg er sich!" Im letzten Augenblicke hatte sich Rohling durch feige Flucht schuldbewußt der öffentlichen Verhandlung entzogen, und, um nun „die bodenlose und freche Verlogenheit dieses k. k. Universitätsprofessors zu beweisen, hat sich Dr. Josef Kopp als „Mensch, Christ und Staatsbürger" verpflichtet gefühlt, der „Wahrheit die Ehre zu geben" und den Wahrheitsbeweis der Bloch'schen Behauptungen auf Grund der angegebenen Gutachten in der vorliegenden Schrift anzutretcn. Der Verfasser der von einer immensen Belesenheit und dem gründlichsten Studium des Materials zeugenden Schrift unterscheidet einen „Beweis der Wahrheit durch „n i ch theb r ä isch e" Texte" und einen „Beweis der Wahrheit durch heb r ä is ch e Texte." Der Letztere, welcher den grössten Thcil der Schrift umfaßt, behandelt in Anknüpfung an die Rohling'schen Vorwürfe nach den jüdischen Gesctzcsqucücn das Verhältniß der Juden zu den Mchchrden im Handel und Verkchr auf dem Srbrere des Crvllrechtrs und' ter NächstrmiWe, dieser Thell wird trotz einzLrer ernsten die sich erheben, und trotzdem der gleiche -Wahrheitsbeweis schon von jüdis cher Seite firgreich geführt worden ist, gerade und allein wegen dB Glaubens rmd der Stellung des Verfassers das große Aussehen und die bahnbrechende Bedeutung erklären, welche die Schrift des Herrn Dr. Ko pp zweifellos sich erringen wird. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten «ud Correspoudenzen. Deutschland. Frankfurt a. M , 7. Februar. „Das Gutachten Frankels s. A. über Errichtung von Denkmälern — und die Fälschungen der Orthodoxie" so lautet die vielversprechende Ileberschrist eines Artikels des bekannten Reformblattes, dessen Redacteur ein Schüler Frankels ist. An das humane Wort unseres Talmud nxn bv csru m» prr „Keiner kann für dasjenige bestraft werden, was er in seinem Zorne, in seiner Bezweiflung ausspricht", mußten wir unwillkürlich beim Lesen des erwähnten Artikels denken. Und so wenig es der neueste Geueralpächter „der Aufklärung und des Fortschrittes im Judenthum" auch um den Talmud verdient hätte, so wollen wir ihm doch die mildernden Umstände, welche dieser ihm gewährt, gern in Anrechnung bringen. Sein Schmerz bei der Lektüre des Frankel'schen Gutachtens war ja sehr begreiflich. Was hatten doch die Orthodoxen wegen ihrer Stellung in der' Denkmalsfrage zu leiden gehabt, und jetzt auf einmal auch du, mein Brutus? Auch Frankel eia Gegner des Monumentes? Auch er em Culturfeind, Obscurant? der Schlag war so hart, und es dauerte erst geraume Zeit, ehe man sich zu einer Erwiderung aufraffte. Was nun diese an neuen Jnvekttven gegen die Orthodoxen und besonders gegen den „Israelit" enthält, darauf verzichten wir zu antworten, erstens aus jener obigen Rücksicht, zwellens auch, well wir neidlos und offen jenem Herrn auf dem Gebiete persönlicher Injurien unbedingte Superiorität zugejtehen und dcßhalb schon in unserem eigenen Jntereffe unterlassen, ihm auf diese seine eigenste Domäne zu folgen. Einer fachlichen Besprechung des Frankel'schen Gutachtens dagegen ist die betreffende Zeitschrift bisher mit einer Geschicklichkeit aus. dem Wege gegangen, der wir unsere Anerkennung nicht versagen wollen.