Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1886)
- Date
- 1886-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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197 hervorragendes Juristen asb ParlsWentarkers, du Serk VW epoHeDüchWdQ-, bchnörechender Lcdeutnng.4) Der Verfüger stellt auf Errmd Lucrruüdkicher, wahrhaft bewMderrwqswürdiger Forschungen m der 196 Druasertm umfassende Arbeit ^däs eLreumäßige Ergeöniß des Prozesses Kshliug contra Bloch, zusammen, welcher bekanntlich einen so überraschende« Verlauf genommen hat. Seitdem derVerlemn- Lungskauipf gegm das Jüdische Aeligionsgesetz eröffnet wurde, ist von keinem Judenfeinde, Eisenmenger nnd seine Trabanten nicht ausgenommen, die Wahrheit zu dm niedrigstm Zwecken schamloser gefälscht worden, als von dem Jesuiteupatcr Ängust Rohling, bis vor Kurzem k. k. Professor an der ältesten deutschen Universität; aber noch niemals hat die rächende Nemesis den Uebelthäter schneller ereilt, noch niemals hat der strafende Blitzstrahl den Sünder Zäher getroffm, als es bei diesen! Helden der Lüge und Verleundung geschehen. Rohling, der vergötterte Liebling und die wissenschaftliche Autorität der Antisemiten, ist gerichtet und vernichtet; das Brandmal des Meineides auf der Stirn, hat er ms der Moldaustadt sich flüchten müssen,, und die vorliegende Broschüre ist'der Todesspruch über den literarischen Heil der antisemitischen Bewegung und die siegreichste Abwehr aller Angriffe, die Ze Verlcumdungssucht und Äerfolgungswuth gegen unsere Helligen Religionsquellen ersonnen. In einer „Einleitung" erörtert der Verfasser das Alter und die Motive des Antisemitismus. Dieser sei genau so alt als das Ehriftenthum; der ftomme Glaube, die blldende Kunst und die Aufrcizungm der Häupter der neuen Christengemeinde hätten ihn genährt, und so habe sich in unseliger Wechselwirkung der Haß durch den Haß gesteigert. Der ungeheure Erfolg der Rohlingschen Hetzschriften „Der TalmudZude", (welcher acht Auflagen in je 160,000 Exemplaren erlebt hat.) „Meine Antwort an dm Raböiner oder, fünf Briefe über den Talmudismus und das Blutrituale der Juden (1883), „Ter Katechismus des 19. Jahrh. für Juden und Protestanten (1877)", das Salomon'sche Spruchbuch (1879)" ist dem populären Ton, den zahllosen gefälschten, einer urtheilslosen Masse imponircnden Talmudcitaten und der Stellung Rohlings als katholischer Priester zuzuschreiben. Doch der Erfolg machte ihn noch verwegener und beschleunigte seinen Tturz. Auf die beispiellos cynische Verleumdung Rohlings im „Talmudjuden", daß „der Tal- •*) Zur Judenfrag«, nach den Akten des Prozesses von Rohling-Bloch von Dr. Joseph §ropp, Hofnnd «cklLadvokat, Abgeordneter des n. ö. Landtags und des österreichischen ReichLrathS. Leipzig. Verlag von Julius Klinkhardl 1886. mudismus die gänzliche Vernichtung des Sitterrgr» setzes" in sich schließe, und daß „ber Jude v o » Neligisuswegeu besagt sei, alle Rkchtjudm auf jede Weise auszubeutm, sie physisch und moralisch zu vernichten, Leben, Ehre und Eigeutzum derselben zu verderben ossm und mit Gewalt wie heimlich und meuchlings, um das jüdische Volk zur irdischen Weltherrschaft zu bringet — auf diese wahnsinnige Verleumdung eutgegnete Fra uz Delitzsch in einem von edlem Zorne dnrchglühtea Proteste und wies Rohlings „llnwissenhell und gänzliche Unfähigkeit, den Talmud zu verstehen", nach. Rohling zog sich vor Delitzsch, den er einen „gefeierten lucherischen Heologe" nannte, den er „ehre, ja liebe" zurück, titulirte ihn aber kurz darauf in mehreren Hetzartikeln in der,Tribüne" als „Fälschet und ,Ludengenosscn", wie er auch in seiner Schrift „Der Antichrist und das Ende der Welt Luther und Calvin als Schurken ohne persönliche S itt li ch k e i t e n" und die Anhänger ihrer „Schandlehren" als „Ungeheuer bezeichnete. Zugleich erklärte er, daß „von dem Blutritnal zwar nichts Sicheres im Talmud stehe, daß aber laut dem Zeuguiß der Geschichte die schaurige Sache , eine Geheimlehre sei, die oft befolgt wurde." Bezirksrabbiner Dr. Bloch nannte ihn in einer scharfen Entgegnung in der „Wiener Allg. Zeit." einen „Lügner, Fälscher, Verleumder nnd Meineidigen. Als nun aber gar Rohling in zwei Prozessen als Sachverständiger, die Blutfabel amteidlich zu erhärten sich bereit erklärte und beim Beginne des Tisza-Eszlarer-Pro- - zesses „mit anwidernder Beflissenheit Gcza Onody; in einem Schreiben vom 19. Juni 1883 mitthcilte, - daß nach einem hebräischen Werke das „Vergießen des Blutes einer nichtjüdischen Jungfrau für die Inden eine überaus heilige Handlung, daß daS vergossene Blut dem Himniel sehr angenehm sei und den Juden Gottes Erbarmen verschaffe", und daß er diese Behauptung mit einem „heiligen Eide" belegen wolle, richtete Dr. Bloch in der Wiener Morgcnpost vier flammende Artikel (1.—4. Juli 1883) unter der Spitzmarke „das Angebot des Meineid es" gegen den verlogenen Fälscher; zahllose Be- ' leidigungen sollten den Herrn Professor zur Klage zwingen, und die List gelang. Am!0. August 1883 reichte Prof. Dr. Rohling gegen den ReichSrathsabgeordneten und Rabbiner Dr. Bloch die Klage ein. — Ein heftiger Kampf entspann sich nun um die Nominirung unparteiischer Sa ch v erstän dtger. Die „Deutsch - Morgcnländische Gesellschaft" schlug „als Informationsquelle" die Professoren Bikell in Innsbruck, Delitzsch in Leipzig, Dillmann in Beri