Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1886)
- Date
- 1886-02-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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bringen. Wir übersetzen diesen Gottesnamen, nach Mendelssohns Vorgänge, mit „Ewiger," entsprechend dem darin enthaltenen Begriffe, /rr. (sr war. Er ist. Er wird sein. Ader auch diese Uebersetzuug ist nicht ganz zutreffend. Der Begriff dieses erhabenen Gottesnamens ist weit umfassender und überdaupt nur annähernd zu begreifen. Er ist der Inbegriff alles Seins, alles Werdens und alles Gewordenen; er bezeichnet, daß nicht nur Gott in der Welt, sondern daß die Welt in Ihm ist; zugleich ist er der Inbegriff der Milde, Liebe und Freundlichkeit, der vor der Sünde schützt und nach der Sünde gnadenvoll Barmherzigkeit übt. Mit diesem allumfassenden Gottesnamen ist in unsrem Verse der Name rwcs, Zebaoth, eng verbunden. Die Nichtjuden übersetzen gewöhnlich diese zwei Namen mit: „Herr der Heerschaaren" und verbinden dann damit eine nicht richtige Vorstellung. Wohl ist der Ewige der Leiter und Lenker der Kriege und der kriegführenden Mächte, wie es heißt: ncr&o etn 't „Der Ewige ist der Herr des Krieges," aber mit den erwähnten zwei Gottesnamen wird dieser Begriff nicht zum Ausdruck gebracht, mos ist vielmehr der Inbegriff aller Naturkräste und aller Wesen, und zwar jedes Einzelne in seiner Einzelheit gedacht und dann zu einer Gesamuitheit zusammcngefaßt. So heißt es auch: ceiot fcn d?os „Und es waren vollendet die Himmel und die Erde und das ganze Heer der Einzelwesen." Die großen Weltenkörper, die der allmächtige Gott geschaffen und in den uns unendlich scheinenden Raum gestellt hat, wo sie in unveränderter Jugend und Schöne ihren Kreislauf vollenden und wieder beginnen, sie sind die Heerschaaren des Weltenschöpfers; aber nicht sie allein, die reingeistigen Wesen, die Engel, die Seraphim, die Cherubim, die Ophanim, die Chajoth, sind die Henschaaren Gottes. Im großen Universum ist die i^rbc, die wir bewohnen, nur ein kleiner Punkt. Auf ihr die in den Himmel ragenden Berge, die Wälder und Seen, die volkreichen Städte und großen Ebenen, die Menschen und Tbiere und die Bewohner der Lüste, das gewaltige Meer und die zahllos in seinen Gewässern lebenden Geschöpfe — sie alle gehören zu den Heerschaaren Gottes. Wer zählt die Pflanzenartcn, die den Erdboden bedecken! Auf der Weltausstellung in Wien hatte das österreichische Ministerium ans der kleinen Provinz Kram allein 80,000 Pflanzenarten sammeln lassen und zur Darstellung gebracht. Und jede Einzelne Pflanze ist ein in sich vollendeter, aus vielen einzelnen Beftandtheilen bestehender Organismus, der mit der größten Regelmäßigkeit und durchaus zweckentsprechend aufgebaut ist. Nehmcu wir die Ziffer emer Baumrinde und bringen sie unter ein millioueufach vergrößerndes Mikroskop, wir werden nicht die geringste Unregelmäßigkttt zu entdecken vermögen. Thun wir dasselbe mit dem Stachel einer Mene, so wird dir dickere Seite so umfangreich wie der Stamm einer ausgewachsenen Eiche erscheinen, während trotzdem die andere Seite in fortlaufender Abnahme zu kaum bemerkbarer Dünne ausläuft. — Edr in Fäulrriß übergegangenerWassertropfeu, in ein solchesMikroskop gebracht, zeigt uns eine unzählige Schaar von lebenden Wesen, die sich darin tummeln, verfolgen, verschlingen, Geschöpfe, die uns in dieser Vergrößerung so groß wie Elephänteu und Nashörner erscheinen, während man mit bloßem Auge in dem Wassertropfen keine Spur von Leben zu entdecke» vermag. Alle diese Wesen, die größten wie die kleinsten, gehören zu den Heerschaaren Gottes, und der allmächtige Gott, der Allumfassende, der Alles lenkt und leitet, usp, Er ist mit uns, vb aara. Er ist uns eine feste Burg, Er ist unser Beschützer, unser liebevoller Vater, rbo apjr »-fr«, der Gott Jakobs immerdar.- Können wir noch zagen und bangen, wenn wir von diesem Bewußffein durchdrungen sind? Wenn auch der Erdball wankt, wenn auch die himmelhochragenden Berge erzittern, wenn Stürme des Meeres Wogen gar gewalüg aufregen, wenn auch die Völker in blinder Wuch die Kricgsfurie entfesseln — der Ewige Zebaoth ist mit uns, eine feste Burg ist uns der Gott Jakobs, Selah. — (Schluß folgt.) Wrozeß H!oMng-Woch. Bl. Berlin, 8. Februar. „O, Du stolzes neunzehntes Jahrhundert! Die gütige Natur schuf einen Rohling und gleich die Gläubigen, ohne die er nichts bedeuten würde_ Wie konnte nun eine solche Fabel, wie die Blutbeschuldigung entstehen und sich erhalten, wenn sie grundlos war? Unwissenheit nnd Dummheit, Leichtgläubigkeit und Fanatismus, Eigennutz und Leidenschaft, unterstützt durch Bosheit, sind im Stande, auch die unsinnigsten Gerüchte ausznhecken und die dümmsten Meinungen den Massen-derart einzupflanzen, daß selbst heute noch Niemand sie gänzlich auszurotten vermag." — Ter Mann, welcher diese Sätze medcrgeschrieben, ist der österreichische Abgeordnete Dr. Josef Kopp, ein katholischer Christ g e r m a ni s ch er Abstammung und die Schrift, in der er cs that, ist die bereits signalisirte und ln den nächsten Tagen erscheinende Broschüre dieses