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Der Israelit · 1886-02-08 · Heft 11 (8.2.1886) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 11 (8.2.1886)
Date
1886-02-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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184 nuvechohlevem Erstmmm — „was wollen Sie denn damit?" „„Ich will dann lesen.*" -- „8ic verstehen Hebräisch?" „„Ich habe'eine streng-religiöse Erziehung genossen vnd in meiner Kindheit viel Zeit mit der Erlernung der hebräischen Sprache verbringen müssen."" ' „Sie sind Jude!" ries Frau Durand verwundert, und Rosette wiederholte den Ruf, wahrend die helle Freude aus ihren Augen leuchtete. „„Das haben Sie nicht gewußt?"• „Woher sollten wir es wissen? Sie sehen nicht aus wie ein Jude und leben auch nicht wie ein solcher, besuchen niemals die Synagoge, selbst nicht am Versöhnungstage!" „„Und dennoch bin ich Jude, wenn ich mich auch von dem Cermonielle des Judenthums emancipirt habe. Auch Sie haben ja das zum Theil gethan. Ich hatte schon Gelegenheit, zu bemerken, daß Ihr Herr Gemahl am Sonnabend sich in seinem Gcschäftslocal befindet und verkauft."" „O, Herr Mendel, das ist der Schmerz meines Lebens! Mein guter Mann behauptet, er könne nicht ander«, ES war nicht immer so. Jahre lang war das Geschäft am Sabbat geschlossen. Aber die Concurrenz'" „„Lassen wir das, Frau Durand. Es liegt mir fern. Ihnen darüber Vorwürfe machen zu wollen,"" cntgegnete Alfred lächelnd, „„und es könnnt mir wohl am wenigsten zu."" „Nein, nein, Herr Mendel, Sie dürfen nicht schlecht von uns denken. Wir sind strcngreligiös. Mein Haushalt ist so koscher, daß selbst der Grand- Raddin ohne Bedenken bei uns essen dürfte. Wir beten sehr' fleißig und gehen so oft als möglich in die Synagoge. Mein Mann hat eine schöne hebräische Bibliothek, und natürlich auch eine hebräische Bibel. Ich Werders» gleich in den Salon führen^ da können Sie sich dieselbe ans dem Bücherschrsrä nehmen. Aber, sagen Sie mir zuvor, wie Sie auf die Idee kommen, in der Bibel, und noch LiM in der hebräischen, lesen zu wollen?" „„Ich habe einen Auftrag erhalt«; ich soll nämlich den Vorgang bildlich darstellen, wie die Prophetin Deborah, nachdem sie das Schwert abgelegt. die Harfe zur Hand niuunt und ei» Siegeslied singt."" „O", sagte Rosette, „das ist ein herrliches Unternehmen! Wie schön muß es sein, in dieses Bild die großen Gedanken hineinzulegen, welche in der Seele der gottbegeisterten Prophetin emporsteigcn! Zerrüttert war das israelitische Volksleben. Dem Götzendienste war das Volk verfallen, und die Feinde hatten es überwunden und geknechtet. Da tritt Deborah aus, ein schwaches Weib, aber stark durch die Begeisterung für ihren Gott und ihr Volk. Sie wird die Lehrerin, Richterm, die Mutter ihrer Nation. Sie begeistert Barak zum Kampfe sür das Vaterland. Aber nicht kann er sich entschließen, die Fahne der Befteiung zu entfalten, bis Deborah ihm verspricht, mit ihm in den Krieg zu ziehen. Und sie, das schwache Weib, ergreift das Schwert und führt die Söhne ihres Volkes zum Siege. Dann aber, nach der gewonnenen Schlacht, nach der Verfolgung und Vernichtung des Feindes, legt sie das Schwert aus der Hand und ergreift die Harfe, um dem allmächtigen Gott, dem Siegverleiher, ein Danklied anzustimmen. Da ergießt sich die Seele der Prophetin in einen der herrlichsten Gesänge, dem kaum ein zweiter an Schöne und Tiefe vergleichbar ist." Staunend hatte Alfred der Jungfrau zugehört, voll Bewunderung hatte er ihr in die leuchtenden Augen geblickt, und als sie geendet, rief er: „Deborah!" (Fortsetzung folgt.) .Der Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags» jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig. halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang sür Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 ReichS-Mark an die Expedition franco einzusenden, Inhalt <Hanptblatt): Leitender Artikel: t^ottinnigkcit. — Zeitungsnachrichten und Eorrrspondnyen: Deutschland: Frankfurt a. M. Filehne. Dolberg. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland: Warschau. — Babylonien: Hilleh (Babel) am Vuphrat. — Feuilleton: Der Maler. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen: Deutschland: Werthrim a.M. Viersen. — Oest.-Ungar. Monarchie: Pttschrirg. — Feuilleton: Briese aus dem heiligen Lande. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Derzeichnisse._ '_^_ Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche Nr. 4L. Druck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz. (Hierzu zwei Beilagen.)

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