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Der Israelit · 1886-02-08 · Heft 11 (8.2.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 11 (8.2.1886)
Date
1886-02-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Hiermit ist Ne LgmÜiLe Wallfahrt beendigt. Indes sthlt es auch das ganze Zahr hindurch nicht an Pilgern. Viele Greife bleiben sogar für immer in Tschistrk zurück, um hier ihr Lebensende abZuwatten^und hier ihre ewige Ruhestätte zu finden, in der Hoffnung, daß sie als Grabesuachöarn des Propheten auch dessw Nachbarn m der andern Welt sein werden. -Bon den Gräbern der babylonischen Könige, von Sennramis an bis aus Beltschazar hinab, ist auch nicht eine Spur mchr vorhanden, dagegen existirt noch heute das Grab des Propheten Ezechiel und wird jährlich von Tausenden von Pilgern ausgesucht, als ein Zeichen, daß das Gotteswort nie erlöschen wird. oijr vrpbt* nm DAAD Der Wakr. 2. Als der Fremde fortgegangen war, und Alfred, nachdem er seinen Besuch bis an die Treppe begleitet hatte, in sein Atelier zurückkehrte^ machte er vor Freude einen Lustsprung. Die drückendste Sorge war von ihm genommen; er besaß 750 Frs., eine Summe, so groß, wie er sie me zuvor besessen. Dazu kam das freudige Bewußtsein, daß seine Kunst doch endlich, wenn auch noch keine Anerkennung, so doch wenigstens Beachtung gefunden hatte. Wie die Blume nur im Lichte gedeihen und sich entfalten kann zu, einer Farbenpracht, die das Auge des Beschauers entzückt, so kann jedes Talent nur dann erblühen, wenn es Anerkennung und Ausnmnterung findet. Die Anerkennung von Seiten der Mitmenschen ^ist es, welche dem Talente die Freudigkeit des Schagens gibt. Es ist wohl möglich, daß ein gottbegnadetes Genie sich durch alle Hindernisse emporardeitet und selbst trotz der versagten Anerkennung am eigenen, aus seinem Innern strömenden Lichte sich genügen lassen kann und trotz, der fehlenden Aufmunterung Großes hervorbringt; allein das sind äußerst seltene Ausuahmsfälle. Nachdem die erste Freude vorüber war, erfolgte ein Rückschlag. Alfred fühlte, daß er in Folge der Annahme der ihm gewordenen Bestellung von den lichte» Höhr» der «deale» Bestrebungen des Künstlers bermederstcige» mußte. Bisher wäre» die große» Meister der ttalienische» Renen;ance fülle Vorbilder gewesen; er hatte davon geträumt, ein zweiter Raphael oder Titian zu werde». Nu» sollte er auf die Darstellüng der Ideale der eignen Brust verzichten. Er sollte auf Beftellullg arbeiten! „ZÄ werde," sprach er vor sich hiu, „onfprtn müssen, ein Künstler zu fein und werde zum Handwerker herabsinken. Zch soll nach einem mir gegebenen Schema arbeiten und mich in bestimmt Abgemessenen. mir vorgcschriebenen Grenzen bewegen! Zch soll Bilder malen, wie der Schneider den Rock und wie der Schuster den Stiefel anfertigt, ich . soll meine Kunst über den. Leisten schlagen! allein, wie kann ich» andern? Ich muß essen und tttnkeu und mich kleiden, muß Wohnung, Licht und Feuerung bezahlen., Za, wenn mein Vater mich unterstützen wollte, so könnte ich frei und ungehindert meine Ideale zu verwirklichen suchen. Doch, der denkt an mich nicht mchr. Eine zu große Kluft trennt mich von ihm, er hat kein Verständniß für die Kunst, und wenn ich ihm bittend nahen wollte — er würde mir wiederum das Ansinnen stellen, - im Comptoire zu arbeiten^ zu addiren und zu multipliziren! Diesen Gedanken muß ich mir ganz aus dem Sinne schlagen. Gehen wir also an die Arbeit, an die Arbeit des Handwerkers, der nur an den materiellen Erfolg denkt. — Der Siegesgesang der Deborah! Alte, verblaßte Bilder aus meiner Kindheit treten wieder vor meiner Seele. Ob ich wohl noch so viel Hebräisch verstehe, daß ich die Geschichte in der Ursprache zu lesen vermag? Vor allen Dingen muß ich. mir eine hebräische Bibel verschaffen. Nachbar Durand wird wohl eine besitzen." Alftcd kleidete sich an und ging in den zweiten Stock hinunter. Fräulein Rosette Durand öffnete ihm die Thüre. „Guten Morgen, Herr Mendel/ rief sie ihm freundlich, entgegen, „welch ein seltener Besuch!" „„Ist Ihr Herr Papa zu Hause?"" „Mein Vater ist im Geschäfte auf dem Boulevard Montmartte. Aber tue Mutter ist da. Wollen Sie gefälligst näher treten!" Mendel trat in das bescheidene Wohnzimmer, wo ihn Frau Durand freundlich begrüßte. „„Ich möchte mir,"" sagte Alfted, nachdem er der Aufforderung, sich niederzulassen, nachgekommen war, „„von Herrn Durand eine hebräische Bibel erbitten."" „Eine hebräische Bibel?" fragte Frau Durand erftannt — auch Rosette betrachtete ihn mit

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