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Der Israelit · 1886-02-08 · Heft 11 (8.2.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 11 (8.2.1886)
Date
1886-02-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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sondern hängt von dem Belieben eines jeden einzelnen Pilgers ab. Mancher bleibt nur einen Tag dort, Mancher wieder mehrere Tage und Mancher sogar über die ganze Wallsahrszeit, die sogenannte Sephirah. Viele reiche Juden haben daher in Tschistik ihre eigenen Häuser stehen, in denest sie während ihrer Wallfahrt wohnen und wo sie auch die weitgehendste Gastfreundschaft gegen ihre Anverwandten und Freunden üben - Für die anderen Wallfahrer gibt es eigene Einkehr-, Gast- und Kalthäuser in Tschistik, von denen der größte Thcil jedoch nur während der Waüsahrtszeit geöffnet ist. Auch giebt es daselbst eine kleine Synagoge, mit einem dazu gehörigen Berh- Hamidräsch, in dem den ganzen Tag Chachamim sitzen und für Heimgegangene Glaubcnsbrüder Mischnajot lernen und zugleich auch für deren Seelenruhe am Grabe des Propheten Kadisch sagen. Für den Unterhalt dieser Chachamim sind eigene Stiftungen (mrp n?) vorhanden und erhalten dieselben auch sonst von den Pilgern und Durchreisenden beträchtliche Geschenke. Auch existircn für dieselben eigene Wohnhäuser dort, die gleichfalls fromme Stiftungen sind. Für diese Stifter wird an deren Todestag gleichfalls Mischnajot gelernt und am Grabe des Propheten Kadisch gesagt. Mit per Verwaltung dieser Stiftungen ist ein eigener 'X2: (Cassier) betraut, der von der hiesigen Gemeinde immer für drei Jahre bestellt wird. Das Grundstück dagegen, aus dem sich das Grab des Propheten mir dem darüber sich wölbenden befindet, ist Eigenthum des Dorfes, das von den Pilgern eine kleine Abgabe einhebt und auch einen kleinen Theilgenuß an den Stiftungsgeldern hat. Dieses trnx ist ein einfacher Lau und sind dessen Wände ebenso auch der Plafond weiß übertüncht. Die Eingangsthüre befindet sich auf der Westseite und ist dieselbe von einem Vorhänge bedeckt. Ueber dem Grabe, das sich von West nach Ost erstreckt, erhebt sich ein feststehender hölzerner Sarg Onx), der von Zeit zu Zeit erneuert wird. Der Sarg ist von einem schwarzen meistens tuchenen, oft aber auch schwerseidenen Decke (üD2ö) umhüllt. Diese Decke sollte eigentlich aus den Zinsen der Stiftungen angcschafft werden, gewöhnlich aber bewirbt sich irgend ein Reicher um die Ehre, dieselbe gratis beistellen zu können. Dem Spender ist es gestattet, die Decke mit irgend einer Aufschrift zu zieren. Die letzte Aufschrift, die ich dort las, lautete ungefähr: •i ritaro b irx ]n:n to p bxpin- 12p "op’v üü ncn rta X2’i injötow T2 d^eht ns mbti ns'22 rox-6 .121:1 ndd ’:ct> unja ino: /in .121: HD2DH nsi ,11m \T p ]CX ’C" pl (Dies ist das Grab Ezcchicl's, Sohnes Busi's, des Priesters, der mitging, als Gott die Bewohner Jerusalems durch Nebnchadnezar in die Gestmgesschafr abführcu ließ, uud kam er so nach Babel, wo er starb und hier begraben wurde. Wöge sein Verdienst für uns fürsprechen vor dem Throne des Allmächtigen und möge cs uns gegönnt sein, dir Ankunft des Propheten Elias und des Sohnes Jischai's zu schauen, Amen. So geschehe es. Diese Decke spendete u. s. w.) Längs der drei Wände der Grabeskapclle stehen stufenartige Gestelle» ans denen fortwährend Scelenlichter (nV«: nru) brennen. Diese Lichter, gewöhnlich sind es Ocllampeu, zuweilen jedoch euch Wachskerzen, werden thcils von den Pilgern gespendet, thcils wieder aus den frommen Stiftungen unterhalten. Bevor wir nun die Kapelle betreten, müssen wir unser Schuhe oblegen. AuS der Kapelle dringt uns schon lautes Weinen» Jammern, Aechzen, Wehklagen entgegen. Dieselbe ist nämlich tags über von Besuchern überfüllt, die alle hier zu Gott beten, daß Er ihnen um des Propheten willen gnädig sein möge. Ein alter Cbacham betet, daß sich ihm nach seinem Tode die Pforten des Paradieses sogleich erschließen mögen, neben ihm betet eine Jungfrau uud steht, daß ihr Herzenserkorcner sic bald als seine Gattin heimsüren möge» ein junger Knabe betet für die Seelenruhe seiner kürzlich Heimgegangenen Mutter, während ein altes Mütterchen sich ein ruhiges Sterbestundchen ansbittet. Tieferschüttert betreten wir rmn die Kapelle. Ein Chacham reicht uns eine Pergamcnttolle, ans der die Hafthora vom siebenten Tage des Pessachfcstes: 't ro*o 't t by nnM aus dem Buche dieses Propheten (Kap. 37) geschrieben steht, die wir nun ablescn. Hierauf singen wir einige nun21s (Loblieder) zu Ehren des großen Todten hier, woraus wir uns wieder erheben, um Kadisch zu sagen. Der Chacham gibt uns nun eine von den auf dem Large ruhenden Fahnen, die wir irr die rechte nehmen und dann laut sprechen: «npcn iji N2i ne». Wir überreichen dann eine Spende für das Grab, woraus einer der Chachamim zum Kopfende des Sarges yinttitt und uns ein Mischeberach (Segensspruch) widmet. Zu lange dürfen wir jedoch hier nicht weilen, denn draußen harren schon neue Pilger, Einlaß begehrend. Die Hauptwallfahrt findet jedoch zugleich mit dem Schluffe derselben am Wochenfeste statt. In der ersten Nacht dieses Festtages begeben sich die Chachamim in die hellerleuchtcte Grabeskapclle und lesen hier das ganze von dem Propheten geschriebene Buch. Hieraus wird ein roro pir (Abschnitt aus der Mischnah) vorgetragen und dann Kadisch gesagt. Die in der Vorhalle und dem Hofe stehenden Pilger, die deßhalb Stunden lang hier auSgeharrt, sagen mm Amen OILUMIMH

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