Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1886)
- Date
- 1886-02-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449612--23727-2513407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
178 Wein geweiht. Nach der Sättigung sprechen wir das Tischgeber über einen Becker Wein. Die Feier der Sabbate und der Festtage wird mir einem Becher Wein eingelcirer und beschlossen. Zwei Becker Wein sind beim Vollzüge des Bundes der Beschneidung erforderlich, ebenso bei Schließung der Ehe. Der erstgeborene Sohn wird beim Wein ansgelöst. und das Fest der Befreiung wird mit vier Bechern eingeleiter. Zn alten Zeiten wurde auch bei Sterbet allen den Trauernden nach dem Begräbnisse beim Erquickuugsmable Wein gereicht; jedoch haben die Weisen diesen Gebrauch wegen der Mißstände / die sich daraus ergaben, abgeschafft. — Wir sehen aus all dem Gesagtem, daß wir den Wein, den wir auch in der deutschen Sprache als ein „geistiges" Getränk bezeichnen, als ein Bild des Gedankens auffassen dürfen. Die besten Freunde und die schlimmsten Feinde des Menschen sind seine Gedanken. Wenn sie wild adschwcisen, sich auf das Schlechte, Böse und Unwahre richten, so sind sie schlimme Feinde wie es kein schlimmeren gibt. Daher bedürfen wir in Bezug auf sie der desondern Hut des allwkisen Gottes. „Siehe, es wird nicht schlummern und nickt schlafen der Hüter Israels." Durch Seine Hilfe gelingt es uns, die eigenen Gedanken zu dkmeißern und sie auf das Gute und Wahre zu richten. Die Vereinigung der Thatcn und Gedanken, das ist ein menschenwürdiges Leben und Wirken. Wenn wir das Neckte rhun und unsere Thatcn mir den richtigen Gedanken zu durchdringen verstehen, dann sind wir würdig, Kinder unseres Gottes zu heißen; dann ist der allmächtige Gott unser Vater, der uh* beehrt, in unterer Mitte zu thronen. Der Ausspruch des Propheten Iirmijahu. den unser Midrasch anführt, bezieht sich auf die Zeit, da Gottcserkenutuiß die ganze Erde erfüllen und alle Völker den einzigen Gott anerkennen werden. Aber auch dann wird Israel die bevorzugteste unter allen Nationen sein. „In jener Zeit, spricht der Ewige, werde Ich der Gort aller Geschlechter Israels, und sie werden Mein Volk sein. So spricht der Ewige: Zn der Wüste fand es Gnade, das Volk, dem Schwerte entronnen, Israel, zu seinem Ruheplätze hinziehend. Aus der Ferne ist der Ewige nur erschienen — und mit ewiger Liebe habe ich Dich geliebt; drßholb habe Ich dich gnadcuvoll an Mich gezogen. Nr. ch werde ich dich ansbanen, und Du wirst aufgebauet bleiben, Jungfrau Israel; geschmückt trägst du den,r Pauken wieder und ziehest mit jubelndem Tanz einher. Noch wirst du pstanzen Weingärten ans den Bergen Schomrons, wirft sie pflanzen und kinlöscn. Einst kömmt der Tag, da Wächter auf dem Gebirge Ephrajims rufe» werden: Machet euch auf und laßt uns hiurmsziehen nach Zion, zu dem Ewigen, unserem Gotte! Denn so spricht der Ewige: Jubelt Jakob Freode zu und frohlocket an der Spitze der Völker, laßt Loblieder dem Ewigen ertönen und sprechet: Hilf, Ewiger, Deinem Volke dem Ueberreste Israels! Siehe, Ich bringe sie aus dem Lande des Nordens und sammele sie von der Erde Enden, unter ihnen selbst Blinde und Lahme, Schwangere und Gebährerinne» insgesammt, eine große Versammlung werden sie hierher zurückkehren. Mit Freudenthränen werden sie kommen, und mit Gnade werde Ich sie tragen, werde Ich sie führen an Wasserbäche aus geradem Wege, sie werden nicht daraus straucheln; denn Ich bin für Israel ein Vater, Ephrajim ist mein Erstgeborener." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschlan d. Frankfurt a. M. lieber das Wesen und den Charakter der B' ne- B'rith-Logen erfahren wir interessante Details durch einen vor längerer Zeit veröffentlichten Bericht einer deutschen Zweigloge. Der Orden B'ne B'rith wurde im Jahre 1842 in New-Jork gegründet und verdankt seine Entstehung dem Br. Henri Jones ans Hamburg und mehreren anderen Männern dentscher Abkunft» deren täglicher Beruf es mit sich brachte, die Noch und das Elend einer Weltstadt kennen zu lernen. Diese braven Männer, welche dort, wo Noch und .Krankheit herrschte, allezeit hilfereich zur Hand waren, opferten den größten Theil ihres Einkommens Humanitären Zwecken.. Um aber besser wirken zu können, gründeten sie einen Verein, kamen allwöchentlich zusammen und zahlten monatlich regelmäßige Beiträge. Von diesen Beiträgen wurden Kranke und Hilfsbedürftige unterstützt. Ihre Versammlungen cröffneten und schloffen sie mit gewissen Ceremomeu. Bald entstanden sowohl in New-Wrk, als in anderen Städten Amerikas mehrere Vereine. Sie nannten ihre Versammlungen „Lodges". Durch den regelmäßigen Verkehr, die gleichen Ziele und großen Erfolge entstand unter den Mitgliedern derselben ein geselliger und freundschaftlicher Verkehr. Bald nahmen die Mitglieder aller Logen den Namen B'ne-B'rich au, vergrößerte» ihren Kreis durch Aufnahme von Männern aus den verschledensten Berufsklasseu und fingen an. neben dem iiiatcvicilcii Zwecke auch geistige Ziele zu er-